Arbeitslosigkeit - ein Problem, das politisch loesbar ist ?

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner



Arbeitslosigkeit in der Groessenordnung von 10 und 20 % und darueber hinaus sind inzwischen auch in den reichsten Laendern wieder "normal". Das liegt nicht nur an der Krise. Die Arbeitslosigkeit waechst schon seit den 1980er Jahren. Ebenso lang "bekaempfen" die Regierungen die Arbeitslosigkeit, die Unternehmen "schaffen Arbeitsplaetze", wo es geht (am liebsten unter Zuspeisung von staatlichen Subventionen). Schroeder hatte die Verringerung der Arbeitslosigkeit um die Haelfte versprochen. Zehn Jahre spaeter ist sie doppelt so hoch.

Ist das "verfehlte Politik" ?

Einsparung von Arbeit - eigentlich eine tolle Sache

Bevor man daran rumueberlegt, ist es vielleicht nuetzlich, zu ueberlegen, was Arbeitslosigkeit ueberhaupt bedeutet. Es handelt sich darum: Immer weniger Menschen erarbeiten eine immer groessere Menge von Produkten. Das geht, weil menschliche Arbeitskraft von maschineller ersetzt wird. Der Eingang der EDV-Technologie in Produktion, Handel und Verwaltung hat diese Tendenz noch einmal nach vorne katapultiert. - Eine tolle Sache, moechte man meinen. Wenn die Produzenten immer weniger Zeit in die Produktion stecken muessen und dabei sogar noch deren Steigerung moeglich ist und die Verteilung der Produkte und Verwaltung immer weniger Arbeit macht, haben sie mehr Zeit zum leben. So waere es auch, wenn es in der Gesellschaft vernuenftig zuginge. Mit Wochenarbeitszeiten von 30 oder vielleicht sogar nur 20 Stunden, gleichmaessig auf alle verteilt, die arbeiten koennen, koennte das gleiche Quantum und sogar mehr und in besserer Qualitaet erzeugt werden als, sagen wir vor 30 Jahren.

Die Technologie nimmt den Produzenten viel schwere, monotone, ungesunde Arbeit ab. Die Arbeit verlagert sich immer mehr von der Handarbeit zur Kopfarbeit. Viele Produktionsanlagen arbeiten vollautomatisch, die menschliche Arbeit besteht hier nur noch in der Steuerung, Ueberwachung und Reperatur. "Im Schweisse deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen", soll Gott geschrieen haben, als er Adam und Eva aus dem Paradies jagen liess. Aber deren Nachfahren haben ihm ein Schnippchen geschlagen und mit immer mehr ´Technik, angefangen beim Faustkeil ueber die Verwendung von Zugtieren und mittlerweile unter Verwendung von Computern, die Arbeit effektiver und fuer sich selbst leichter gemacht. Heute koennten wir uns wieder den angeblichen paradiesischen Zustaenden naehern. Die Technologie gaebe das her. Aber es steht was dazwischen. Was ?

Wie Einsparung von Arbeit zum Unglueck wird

Die Sache ist eigentlich laeppisch. Da produzieren z. B. Hunderttausende in einem minutioes geplanten weltweit verteilten Arbeitsprozess ganz viele VWs. Aber wenn so ein Auto fertig ist, gehoert es ihnen nicht, obwohl sie es doch gebaut haben. Das Auto kommt zum Haendler, und da steht es als sozusagen Doppelwesen: Einerseits ist es nuetzliches Ding, aber zwischen seiner Nuetzlichkeit und dem moeglichen Nutzer steht eine unsichtbare Schranke. - Das Auto ist nicht bloss ein nuetzliches Ding, sondern zuerst einmal eine WARE. Die unsichtbare Schranke ist der Kaufpreis. Der Grund, aus dem es produziert wurde, war gar nicht, ein Auto, ein nuetzliches Ding herzustellen. Der Grund war, dass die Geldsumme, das fuer seine Produktion noetig war, nach seinem Verkauf groesser sein soll. Was die Nutzlichkeit betrifft, spielt die schon eine gewisse Rolle. Sie besteht darin, ein Argument fuer den Kauf des Autos und damit fuer die angestrebte groessere Geldsumme zu sein.

So funktioniert das, was man Kapitalismus nennt. Den Produzenten geht es wie dem Auto: Ihre Arbeitskraft ist auch bloss ein Ware. Sie ist nichts weiter als einer der Kostenfaktoren, die in ein Produkt eingehen. Und Kostenfaktoren muessen soweit wie moeglich reduziert werden, weil dadurch die Differenz  zwischen der fuer die Produktion notwendigen Geldsumme und dem Erloes beim Verkauf des Produkts, also der Gewinn, vergroessert wird. Das ist auch keine Frage von uebertriebener Gier. Nicht die Gier, sondern die Konkurrenz macht es notwendig, den groesstmoeglichen Gewinn herauszuholen. Denn wer unter die durchschnittliche Profitrate faellt, geht in der Konkurrenz unter.

Der angenehme Umstand, mit weniger Arbeit ein gleiches oder sogar groesseres Quantum an Produkten erzeugen zu koennen, verwandelt sich auf DIESE Weise in ein Unglueck fuer die Produzenten, naemlich sinkende Nachfrage nach der Ware Arbeitskraft, Unverkaeuflichkeit der einzigen Ware, die Lohnabhaengige verkaufen koennen, um dadurch ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Das Auto und die Arbeitskraft sind deshalb eine Ware, weil nicht unmittelbar fuer die Beduerfnisse produziert wird, sondern fuer den Markt. Der Markt aber ist eine Institution, die immer erst im Nachhinein verifizieren kann, ob ein Produkt auf ein Beduerfnis trifft, und zwar ein zahlungsfaehiges Beduerfnis. Das Produkt, die Ware, ist schon hergestellt, und erst danach stellt sich heraus, ob die Herstellung sinnvoll oder ueberfluessig war. So kommt es, dass z.B. heute ungefaehr 40 % der weltweiten Produktionsanlagen fuer Autos, und damit natuerlich die Produzenten, die mit ihnen arbeiten, ueberfluessig sind. Es koennen nur ungefaehr 60 % der Autios, die gebaut werden koennten, auch verkauft werden. - Eine wahnsinnige Verschwendung, verursacht von der Tatsache, dass die Produkte als Waren hergestellt werden und ueber ihre Tauglichkeit als Ware der Markt entscheidet.

Dass die Produzenten selbst nichts weiter als die Lieferanten ihrer Arbeitskraft sind und dass die Produkte nicht der Nuetzlichkeit, sondern der Geldvermehrung wegen hergestellt werden, hat als allgemeinen Grund das Privateigentum an den Produktionsmitteln. Auf dieser Grundlage muss alles in Geld gemessen werden, muss alles der Vermehrung des Geldes - in dem Fall in seiner Eigenschaft als Kapital - untergeordnet werden.

Was die Einsparung von Arbeit angeht, verwandelt dieser Umstand eine eigentlich hoechst erfreuliche Moeglichkeit, naemlich weniger arbeiten und trotzdem gleich gut oder mit der Zeit immer besser leben zu koennen, in das Gegenteil dieser Moeglichkeit.

"Arbeitsplaetze schaffen" ?

Was so beim normalen Gang des kapitalistischen Wirtschaftens urwuechsig und zwangslaeufig entsteht, kann, wird behauptet, mit politischen Massnahmen "bekaempft" werden. Die Politik muesse und koenne "Arbeitsplaetze schaffen". Einfach scheint das nicht zu sein. Denn trotz unermuedlichen Arbeitsplaetzeschaffens seit mindetens zwei Jahrzehnten werden die "Arbeitsplaetze" immer weniger und wird die Zahl derer, die ihren "Arbeitsplatz verlieren" bestaendig hoeher.


















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Veröffentlicht in Vom Besten im Westen

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B
<br /> Politik verspricht immer, Arbeitsplätze zu schaffen. Schafft sie aber nicht, wenn man  "Arbeitsbeschaffungsmassnahmen" mal ausnimmt.<br /> Eine Regierung kann die Steuern der Unternehmen so weit senken und hoffen, dass die Unternehmen dann ins Land kommen. Im Rahmen der Globalisierung sind die "Global-Player" aber schon da, wo es am<br /> billigsten ist. Man muss also prüfen, warum Unternehmen, obwohl es bei uns so teuer ist, trotzdem hier bleiben.<br /> So blöd es klingt, Arbeitslosigkeit wird verstärkt, wenn schlechte Löhne bezahlt werden und wird verstärkt, wenn an der Bildung gespart wird. Ein Volk muss motiviert sein, arbeiten zu wollen!<br /> Hier verschlechtern sich die Rahmenbedingungen, dank der momentan aktiven politischen Kräfte, leider Permanent.<br /> Das ist falsch, denn genau hier muss investiert werden. Ein Land, dass sich mit anderen messen will, muss erkennen was es wirklich gut kann und dann alle seine Kräfte darauf konzentrieren.<br /> Die von unten-nach-oben Verteilung bewirkt genau das Gegenteil.<br /> <br /> <br />
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S
<br /> Es ist halt, denke ich, ein Problem, dass die betriebswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Rechnungen und die volkswirtschaftlichen nicht die selben sind. Das "nationale Interesse" ist ja zu einem<br /> gewissen Grad fiktiv, weil die relevanten wirtschaftlichen Eintscheidungen von den einzelnen Konzernen, Banken etc. getroffen werden und die politische Buendelung zu einem Gesamtinteresse schon<br /> deshalb schwierig ist, von den Wuenschen z.B. der Lohnabhaengigen noch gar nicht zu sprechen. Deshalb ist der Staat eher der Service fuer die grossen Privaten als umgekehrt. Die Grenzen-Losigkeit<br /> des Kapitalhandels nimmt den Staaten auch Entscheidungsmoeglichkeiten, die sie vorher hatten - oder, genauer gesagt: stuft diese Moeglichkeiten ab je nach Macht/relativer Ohnmacht des<br /> einzelnen Staates in der Staatenkonkurrenz.<br /> <br /> Ist es ncht so, dass in den einzelnen Staaten/Regionen durchaus gemacht wird, was da "gut gekonnt wird ?<br /> <br /> Die Regionen mit Billigloehnen koennen eben gut Grundprodukte fuer die Lebensmittelindustrie, Roh- und Werkstoffe, Massengueter erzeugen - alles, was noch relativ arbeitsintensiv ist und bei dem<br /> die Lohnkosten daher noch eine wichtige Rolle spielen.<br /> <br /> Fuer den Bereich Produktion bleiben dann fuer die hoechstentwickelten Regionen mit relativ hohem Lohnniveau autimatisierte Fertigungen und z.B. die Prozesschemie (Letzteres faellt mir gerade ein,<br /> weil ich mal in einer Anlage fuer Silanproduktion gearbeitet habe, fuer die der Faktor Lohnkosten nur noch um die 5 % der Gesamt-Betriebskosten ausmachte.)<br /> <br /> Es bleibt fuer die hoechstentwickelten Regionen noch der sogenannte Dienstleistungsbereich - im Grund die Verwaltung und die kaufmaennische Seite der Produktion, die anderswo stattfindet, Segmente<br /> des Tourismus, Luxuskonsum, der mit Service verbunden ist und anderes parasitaeres Zeug, das nicht Reichtum schafft, sondern verbraucht, aber mit Arbeit verbunden ist. Grossbritannien ist ja<br /> im Zuge dessen inzwischen in hohem Mass entindustrialisert.<br /> <br /> Aber abgesehen von den Veraenderungen in der (welt-)regionalen Verteilung der Arbeit ist es eben so, dass mit immer weniger menschlicher Arbeitskraft und immer mehr maschineller/elektronischer etc.<br /> Ausrustung immer mehr prodziert werden kann. Daher gibt es nur zwei prinzipielle Moeglichkeiten, scheint mir: Entweder sind kuenftig Milliarden Menschen schlicht ueberschuessig (und werden auch so<br /> behandelt werden), oder die Rehnung wird ueberhaupt anders gemacht, naemlich nicht mehr via Zentralmotiv "aus Geld muss mehr Geld werden".<br /> <br /> Es waere ja doch wirklcih eine tolle Sache, wenn der technische Fortschschritt, heisst: weniger Arbeitsquantum, allen zugute kaeme. Unter den gegenwaertigen Verhaeltnissen - den kapitalistischen -<br /> ist das m.E. aber nicht moeglich.<br /> <br /> <br />