Linkspartei: Klaus Lederer ausschliessen !
Der Berliner Landesvorsitzende der Linkspartei, Klaus Lederer, hat in Blaetter fuer deutsche und internationale Politik einen Artikel geschrieben. Ueberschrift: Links oder libertaer. Marianna Schauzu hat in der jungen welt von heute darauf geantwortet. Ueberschrift des Artikels, denjenigen Lederers bewertend: Antisozialistische Agenda.
Beide sind lesenswert. Hier die Links: http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=3125
http://www.jungewelt.de/aktuell
Lesenswert sind die Artikel vor allem deshalb, weil sie ein Licht auf Linkspartei-Funktionaere werfen, das das Dilemma dieser Partei erhellt. Die Frage heisst: Was heisst da "links" ? Lederer beantwortet sie so, wie sie auch ein Gruenen-Funktionaer seiner Stellung, der sich fuer links haelt, beantworten koennte. Und einige Stationen und einige Jaehrchen weitergedacht, koennte seine heutige Sicht auch der Startpunkt fuer eine kuenftige Karriere-Fortsetzung in der FDP sein. Es geht nicht um seine Argumente im einzelnen. Der Kern der Sache ist, dass er die Welt aus einem bestimmten Blickwinkel sieht, naemlich aus dem von Menschen mit einem Monatseinkommen von, sagen wir, 5000 Euro aufwaerts, aus der Sicht eines gutsituierten Kleinbuergers, der sich so einiges leisten kann und die Lebenswelt der Masse der einfachen Arbeiter und Angestellten und der Arbeitslosen nur aus der mitleidig- ueberheblichen Draufschau kennt.
Wenn Leute wie Lederer schon in fuehrende Positionen der Linkspartei aufgestiegen sind, und wenn die Mitglieder und Anhaenger dieser Partei sie dort lassen, ist der Weg vorgezeichnet: Die sind schon "angekommen", und sie werden alles tun, damit die ganze Partei "ankommt" - naemlich im kapitalistischen Sackbahnhof, "besten"falls bei einer Wiederaufnahme alter sozialdemokratischer Illusionen, die heute viel illusionaerer sind, als sie es in den Jahrzehnten nach dem II. Weltkrieg waren. Wenn sich die Linkspartei von solchen Leuten fuehren laesst, kann sie nicht wirklich die Interessen der nichtprivilegierten Lohnabhaengigen vertreten und deren Verfolgung organisieren.
Mariana Schauzus Antwort auf Lederer scheint mir symptomatisch zu sein. Sie laesst sich auf eine Debatte mit einem ein, mit dem es nichts zu debattieren gibt. So weit ist es schon. Die Sorte Lederer ist in der Partei schon so stark, dass man sich auf ihr vernebelndes scheinintellektuelles Geschwaetz einlassen muss. Solche Diskussionen gewinnen die Karrieristen immer, nicht der besseren Argumente wegen, sondern weil sie mit elitaeren "Diskursen" die Auseinandersetzung genau auf das Feld fuehren, auf dem sie ackern - weg von den realen Problemen der Masse der Menschen, weg von den taeglichen Existenzsorgen, von Schandloehnen und Hartz IV, vom am 20. des Monats aufgebrauchten Einkommen - und hin zum abgehobenen Schwadronieren ueber die Weltlaeufte und einem postmodernen Gequatsche, das sich Leute leisten koennen, die keine materiellen Sorgen, oder solche allenfalls auf komfortablem Niveau, haben.
Dahinter steckt eine Klassenfrage: Wird die Linkspartei zu einer Partei, die die Interessen des mehr oder weniger gutsituierten Kleinbuergetums vertritt und die Menschen "unten" nur per linker Phraeseologie an sich bindet, um diesen Interessen eine Massenbasisi zu geben, die diese Schicht aus eigenen Ressourcen nicht hat. Oder wirkliche Orientierung auf die Durchsetzung der Interessen der gewoehnlichen Arbeiter und Angestellten und Arbeitslosen. Falls Letzteres, geht das nicht mit einem Fuehrungspersonal vom Typ Lederer. Wer sich von solchen Leuten fuehren laesst, hat schon verloren.
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