Bildungsrepublik Deutschland

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

In Deutschland sind 7,5 Millionen Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren sogenannte funktionale Analphabeten. Das bedeutet, dass sie allenfalls einfache Worte entziffern, aber keinen zusammenhaengenden Text lesen koennen, auch nicht den einfachsten. Weitere 13 Millionen koennen selbst gebraeuchliche Woerter nur fehlerhaft schreiben und einfache Texte kaum sinnzusammenhaengend verstehen. Mithin sind mehr als 20 Millionen Menschen so gut wie oder doch beinahe Analphabeten - also der Groessenordnung nach nahe bei einem Drittel der Erwachsenen (bis 64 Jahre). Von den Heranwachsenden steht jeder fuenfte in Gefahr, als Erwachsener in diesen Personenkreis zu fallen.

 

Diese schier unglaublichen Zahlen fuehrt heute die FAZ in einem Artikel unter der angemessenen Ueberschrift "Analphabetismus in Deutschland - Durchgereicht und weggelogen" an. Durchgereicht und weggelogen bezieht sich darauf, dass jeder zweite ganz oder beinahe analphabetische Mensch einen Hauptschulabschluss hat und jeder fuenfte sogar das Zeugnis der mittleren Reife.

 

Die FAZ eroertert eine Reihe von moeglichen Abhilfe-Massnahmen, ist allerdings skeptisch, dass irgend etwas Effektives getan wird. In einem armen Land wie Kuba ist praktisch kein einziger Mensch analphabetisch, von dem kleinen Personenkreis abgesehen, der nicht in der Lage ist, Schreiben und Lesen zu lernen. Vielleicht sollte man in Deutschland damit anfangen, die Bildungspolitiker nach Kuba in die Schule zu schicken. Zunaechst in die Grundschule, um sie nicht zu ueberfordern.

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K
<br /> Sicher ist dem so, die DDR war mindestens eine geschichtliche Epoche weiter als die BRD. Dieses hinderte aber nicht daran einen gesellschaftlichen Salto Rückwärts zu machen und zwei Felder zurück<br /> zu gehen. Aus diesem Grund ist der Begriff der Wende durchaus passend und wird von Initiatoren dieser eigentlich abgelehnt, diese bevorzugen friedliche Revolution. Immerhin hat der Begriff<br /> Revolution nach wie vor einen positiven Inhalt, so dass er auch gern auf Prozesse gesellschaftlichen Rückschritts übertragen wird. Konterrevolution wäre zwar treffender, kann aber schlecht im<br /> positiven Sinn verwendet werden.<br /> <br /> <br /> Ja, gesellschaftliche Entwicklung ist keine Einbahnstrasse, selbst wenn die Tendenz vom niederen zum höheren nicht geleugnet werden kann. Was aber nicht der Fall ist, ist die Abhängigkeit<br /> gesellschaftlicher Entwicklungen von irgendwelchen Zufälligkeiten. Und auch die DDR ist nicht auf Grund von Zufälligkeiten untergegangen, sondern entsprechend objektiv wirkender<br /> Gesetzmäßigkeiten. Sozusagen war der Untergang der DDR gesetzmäßig, daraus kann zwar nicht geschlossen werden, dass sie untergehen musste, aber dass ihr Untergang ganz bestimmten und konkreten<br /> historischen Bedingungen geschuldet war. Und auch wenn die Rolle von Persönlichkeiten in der Geschichte nicht zu leugnen ist, allein machen sie keine Geschichte!<br /> <br /> <br /> Wichtig ist es, ehrlich die Gründe herauszuarbeiten, welche dazu führten, dass die Volksmassen mit „geschenkten“ 100,-DM<br /> freudestrahlend und Fähnchen schwingend in die Konsumtempel des Westens gestürmt sind. Das sie für 100,-DM ihre Seele und vor allen ihre sozialen Errungenschaften, verkauft haben, wurde den<br /> meisten erst später bewusst! Warum dieses so war, ist eine Frage, welche eine ehrliche Antwort verdient. Die Antworten, welche offiziell, in der Regel und in Hülle und Fülle gegeben werden, sind<br /> nicht geeignet, da sie im Allgemeinen schlicht weg falsch, dem politischem Interesse des Kapitals geschuldet sind. Ehrliche Antworten zu geben, bleibt den Arbeiten selbst vorbehalten, denn sie<br /> sind letztlich nur in ihrem Interesse!<br /> <br /> <br /> Dass nicht nur in diesem Zusammenhang das System des Kapitals von Anachronismen durchzogen ist, wird eigentlich alltäglich bewiesen, dabei sind diese auch ein integraler Bestandteil des<br /> ideologischen Kampfes. Der dem zugrunde liegende Irrationalismus treibt immer neue Blüten, hat umfassenden Eingang in<br /> das Denken der Menschen gefunden und bestimmt so oft ihr Handeln. Womit wir wieder bei der Bildung wären!<br /> <br /> <br /> Um noch einmal auf historische Entwicklungen zurückzukommen, so ist der Sozialismus nicht die erste Gesellschaftsformation, welche trotz erfolgreichen Bestehens von Rückschritten betroffen ist.<br /> Der Kampf zwischen den Klassen war durch die staatliche Manifestierung nicht aufgehoben, er wurde sowohl innerhalb der Staaten<br /> geführt, aber auch unter den Staaten verschiedener Gesellschaftsformationen. Der Klassenkampf hatte eine neue Ebene,<br /> verbunden mit neuen Möglichkeiten erreicht, beiden Klassen stand der Staat als Machtinstrument zur Verfügung.<br />  <br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> P.S. Übrigens Sepp, in Rahmen dieser Veranstaltung organisiere ich mit dem Vortragenden vom 11. bis 13.4. ein Seminar,<br /> wenn Du Interesse hast …<br />
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S
<br /> <br /> Da habt Ihr Euch ja einen herausragenden Referenten gesucht. Ich schaetze Seppmanns Arbeit sehr. Er hat letztes Jahr bei uns in Suedbayern auf einem DKP-Seminar gesprochen und diskutiert. Ich<br /> wuensche Euch viele Teilnehmer. Jeder, der sich dazu aufrafft, wird davon Gewinn haben.<br /> <br /> <br /> Danke fuer die Einladung, aber teilnehmen werde ich nicht koennen. Die Lohnarbeit frisst meine Zeit, und ich kann mir nicht leisten, kuerzer zu treten.<br /> <br /> <br /> <br />
G
<br /> Komisch, dass in diesem gleich um eine Epoche nach vorwärts entrückten Staat auch nicht ein Prolet die Schaufel gegen die Imperialisten erhoben hat, als die im Frühjahr 1990 mit der Eröffnung<br /> ihrer Sparkassenfilialen begonnen haben.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Die Leute hätten doch nicht zuletzt dank des hervorragenden DDR-Bildungssystems wissen müssen, was ihnen blüht.<br />
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S
<br /> <br /> Ich vermute, das hat was mit Bananen z tun.<br /> <br /> <br /> <br />
K
<br /> Die DDR war auf vielen gesellschaftlichen Gebieten weiter als die BRD und mit dem „Unrechtsstaat“, nun ja, sicher, gegenüber den Interessen des Kapitals durchaus, dieses konnte sich nicht in dem<br /> Maße entfalten wie in der BRD oder heute auch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Es war ein anders ausgerichteter Rechtsstaat, in welchen grundsätzlich die Interessen der Menschen im Mittelpunkt<br /> standen und nicht die des Kapitals. Zudem hatte die DDR sogar eine Verfassung, welche mittels Volksentscheid beschlossen wurde, die BRD hat eine solche bis heute nicht!<br /> <br /> <br /> Übrigens ist das Gegenteil von Recht, nicht Unrecht, sondern das Faustrecht, Unrecht ist eine Ursache für Recht, aber letztlich auch eine Folge. Dazu diese These: desto umfassender ein<br /> Rechtssystem, desto aufgeblähter der Rechtsapparat, desto größer das Unrecht, welches in der Gesellschaft herrscht. Ein Rechtssystem hat die Aufgabe Unrecht zu parallelisieren, entweder es von<br /> der Sache her zu beseitigen, und sich selbst aufzuheben, oder für Recht zu erklären und zu verteidigen.<br /> <br /> <br /> Das Recht, das Rechtssystem, ist immer ein Instrument zur Durchsetzung von Interessen, wessen Interessen im jeweiligem System durchzusetzen sind, hängt sehr von den gesellschaftlichen<br /> Verhältnissen ab und diese werden wiederum hauptsächlich durch die Eigentumsverhältnisse bestimmt. Einen Gegenüberstellung von Recht und Unrecht dient den eigentlichen Charakter des Rechts zu<br /> verschleiern und nicht nur weil Recht ein Produkt von Unrecht und Unrecht ein Ergebnis des Rechtssystems ist, sondern vor allen, weil es immer den konkrethistorischen gesellschaftlichen<br /> Verhältnissen entspringt und entspricht. Recht wird als etwas allgemeines, über den gesellschaftlichen Verhältnissen stehendes gepriesen, als etwas „göttliches“, unabänderlich gegebenes, von<br /> Ewigkeit zu Ewigkeit.<br /> <br /> <br /> „Recht: Gesamtheit sich wechselseitig bedingender und voneinander abhängiger, vom Staat gesetzter oder sanktionierter und geschützter allgemeinverbindlicher Verhaltensregeln<br /> (Normen), die den letztlich durch die Produktionsverhältnisse bedingten Willen der herrschenden Klasse ausdrücken und staatlich erzwingbar sind. Rechtsnormen widerspiegeln die Interessen der<br /> ökonomisch und politisch herrschenden Klasse, die ihre Interessen in der Gesellschaft nur dauerhaft durchsetzen und schützen kann, wenn sie ihrem Willen allgemein Ausdruck in Gestallt<br /> staatlich-verbindlicher Normen verleit.“ Weiter …<br /> <br /> <br /> Gestern nach dem Kino hatte ich noch ein Gespräch mit einer Bekannten, welche in<br /> einer Bildungseinrichtung arbeitet, die sich vordergründig mit Jugendlichen beschäftigt, welche so ihre Probleme haben. Darunter vor allen auch Bildungsprobleme, selbst sich ihrer Situation nicht<br /> bewusst sind, aber oft über ein Selbstbewusstsein verfügen, welches ihrer Situation alles andere, aber nicht gerecht wird. (Ihr Selbstbewusstsein spiegelt nicht ihr Sein wieder, sondern folgt<br /> einer Illusion von ihrem Sein.) Auch ein Bildungs- und Erziehungsproblem, welches in erster Linie dem Bildungssystem selbst geschuldet ist. In der DDR gab es ein geflügeltes Wort von Elternhaus<br /> und Schule, heute wird getrennt und selbst wenn eine Lehrersprechstunde wahrgenommen wird, muss dieses nicht unbedingt zum Vorteil des Kindes sein, wenn sich der Lehrer kritisiert fühlt. Meine<br /> Bekannte führte folgendes Beispiel an: In der DDR war es so, wenn eine Schüler/in schlecht über den Lehrer/in redete, oft ein Elternteil sich auf den Weg machte, oder bei der nächsten<br /> Elternversammlung dieses Problem dem Lehrer gegenüber ansprach. So konnten die meisten Probleme geklärt werden, heute hingegen kommt ein Kind nachhause, meckert über den Lehrer und erhält von den<br /> Eltern oft Recht, ohne den Gegenstand überhaupt zu prüfen. Aber auch das ist Ausdruck für das gegenwärtige Bildungssystem, welches eher zur Verblödung beiträgt, als zur Aufklärung. Beispielgebend<br /> sind dabei solche Fächer wie Ethik, wo das Fach nicht wissenschaftlich daherkommt, sondern als verkappter Religionsunterricht.<br /> Letzteres gab mir oft schon Anlas mit den entsprechenden Lehrer/in das Gespräch zu suchen und auch wenn Religionen zum gesellschaftlichen Leben gehören, gehört die Wissensvermittlung über diese<br /> in den Geschichtsunterricht. Alles andere ist Missionierung und hat an Schulen nichts zu suchen!<br /> <br /> <br /> Ja Sepp, auch Bildungspolitik ist Machtpolitik! Aber da sind wir uns sicher einig!<br />
Antworten
S
<br /> <br /> Die DDR war der BRD nicht nur auf vielen Gebieten voraus, sondern die DDR-Gesellschaft und der Staat DDR war eine ganze geschichtliche Epoche voraus. So bitter ihr Untergang ist, besagt er doch<br /> nichts weiter, als dass dieser Uebergang von der einen Epoche zur historisch folgenden kein "glatter" Prozess ist, sondern dass an dieser "Nahtstelle" Sieg und Niederlage noch nahe beeinander<br /> liegen und die Frage, "wohin die Sache kippt", sogar noch von Zufaelligkeiten abhaengt, wie etwa dem "Format" fuehrender Persoenlichkeiten oder einzelnen Fehlern. Andererseits zeigt die<br /> Unfaehigkeit des Bourgeois-Staates . z. B. beim Bildungswesen - auch nur den notwendigsten Bedingungen gesellschaftlicher Organisation zu entsprechen (durchaus im Interesse der Bourgeosie, von<br /> den den Beduerfnissen des "Rests der Bevoelkerung gar nicht zu reden), wie nahe diese Epochengrenze objektiv liegt. Die deutsche Bildungspolitik ist symptomatisch dafuer, dass der Kapitalismus<br /> dabei ist, zu einem Anachronismus zu werden.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />
K
<br />  <br /> <br /> <br /> Hallo Sepp,<br /> <br /> <br /> das hätte man vor Jahren einfacher haben können, in dem das Bildungssystem der DDR übernommen worden wäre. Aber es<br /> kann ja nicht sein, was nicht sein darf und so wurde eines der besten Bildungssystem zu den Akten gelegt und das, selbst für westliche Maßstäbe, veraltete Bildungssystem der BRD<br /> beibehalten.<br /> <br /> <br /> Andererseits, wer herrschen und beherrschen möchte, der braucht Menschen, welche sich leicht beherrschen lassen<br /> und das hat ja bekanntlich auch etwas mit Bildung zu tun!<br /> <br /> <br /> Gruß.<br />
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S
<br /> <br /> Die DDR als Bildungs-Staat UND als "Unrechtsstaat", da haette nicht zusammengepasst. Zugeben, dass die DDR auf einem zentralen gesellschaftlichen Gebiet viel weiter war - undenkbar.<br /> <br /> <br /> <br />