China und Afrika
In zwei Artikeln, die von china.org ins Netz gestellt wurden, befasst sich der Autor He Wenping mit den chinesich-afrikanischen Beziehungen. He Wenping ist Leiter der Afrika-Abteilung des Instituts fuer Regionalwissenschaften der chinesischen Akademie fuer Sozialwissenschaften. Der Text ist urspruneglich im Time Magazine erschienen.
Auch nach dem Ende des Fußballfiebers steht Afrika weiter als Entwicklungsmarkt im Fokus chinesischer Wirtschaftspolitik. Die für Südafrika produzierten Vuvuzelas spielen beim Siegeszug Chinas in Afrika aber nur eine Nebenrolle.
Die chinesisch-afrikanischen Beziehungen haben sich in den vergangenen zehn Jahren rasant entwickelt. Die weltweiten Diskussionen zu diesem Thema haben noch lange kein Ende gefunden. Das Time Magazine veröffentlichte erst vor kurzem einen Artikel, der den Einfluss Chinas auf Afrika und den Einfluss Afrikas auf China behandelt.
Der Siegeszug Chinas in Afrika wird im Westen mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen. Einerseits gibt es negative Theorien, in denen China als neue Art von Kolonialmacht dargestellt und ihm der Raubbau an afrikanischen Rohstoffen vorgeworfen wird. Andererseits finden sich in der Diskussion Stimmen, die die Entwicklung positiv bewerten. China trage demnach zur Entwicklung Afrikas bei und biete eine faire Alternative zu westlichen Investoren.
Doch wie genau trägt China zur Entwicklung in Afrika bei? Welchen Einfluss hat China heute schon in Afrika? Und vor allem, wie weit kann China in Afrika noch gehen? He Wenping versucht in unserem zweiteiligen Artikel Antworten darauf zu geben. Er ist Leiter der Afrikaabteilung im Institut für Regionalwissenschaften (eigtl. Institut des Westens, Asiens und Afrikas) der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften.
Wie konnte China in Afrika Fuß fassen?
Beim menschlichen Miteinander sind Menschenkenntnis und die zwischenmenschliche Beziehung die wichtigsten Faktoren. So lässt sich leicht Zwischenstaatliches miteinander übertragen. Aus den Kriterien der Zeitspanne des Miteinanders und räumlicher Distanz folgen [Anmerkung der Redaktion: in China] die richtige Einschätzung anderer Staaten und die Beziehung zueinander. Nimmt man diese Kriterien für eine Beziehung zu Afrika als Maßstab, könnte China niemals die Oberhand gewinnen. In Bezug auf die Zeitspanne lassen sich Chinas erste Kontakt zu Afrika zwar bis ins zweite Jahrhundert vor Christus zur Zeit der Han-Dynastie zurückverfolgen, doch ein wirklich reger Austausch entstand erst nach der Ausrufung der Volksrepublik 1949. Somit ist die Zeitspanne des Miteinander mit etwa 60 Jahren verhältnismäßig kurz. Die westlichen Nationen setzten im 15. Jahrhundert erstmals ihren Fuß auf den afrikanischen Kontinent und sie blieben als Kolonialmächte für mehrere hundert Jahre. Ihr Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Kultur ist dementsprechend verhältnismäßig groß. Betrachtet man die räumliche Distanz, so werden Afrika und Europa nur vom Mittelmeer getrennt. Afrika lag quasi vor Europas Haustür und war für die Kolonialmächte sehr leicht zugänglich. Für Gelehrte war es kein großer Umstand zur Dokumentation und Verständnis des Kontinents direkt dorthin zu gelangen. China und Afrika hingegen trennt eine sehr große Distanz. Noch heute sehen viele Chinesen in Afrika einen unbekannten, fast schon mystischen Kontinent. Experten zu Afrika sind in China sehr selten, da es kaum Mäglichkeiten gab und gibt vor Ort zu gelangen. Ein Großteil der chinesischen Forscher, die Afrika zu Gesicht bekamen, gelang dies nur nach langen und umständlichen Prozeduren mit der Hilfe des Westens.
Allerdings teilen China und Afrika die leidvolle Gemeinsamkeit, Opfer des westlichen Kolonialismus geworden zu sein. Beide mussten sich danach in einer vom Westen dominierten Welt behaupten und entwickeln. Das Resultat dieser Entwicklung ist, dass sich China und die afrikanischen Staaten auf Augenhöhe begegnen. Wichtiger ist noch, dass in der Vergangenheit nie eine Seite durch die andere Seite ausgebeutet wurde und man von Anfang an nach einem Prinzip des beiderseitigen Profits miteinander verhandeln konnte. Auf dieser Grundlage ist die schnelle Entwicklung chinesisch-afrikanischer Kooperation leicht erklärbar. Geht man tiefer ins Detail, lässt sie sich in drei Ebenen charakterisieren.
Erstens: Die politische Ebene wird durch ständge hochrangige Besuche von beiden Seiten gekennzeichnet. Es entstehen neue, strategische Partnerschaften, da man sich bei der Durchsetzung von Interessen im globalen Umfeld gegenseitg unterstützt und zusammenarbeitet.
Zweitens: Auf der wirtschaftlichen Ebene ist das Handelsvolumen zwischen China und Afrika im letzten Jahrzehnt durchschnittlich um 35 Prozent angestiegen, von zehn Milliarden im Jahr 2000 auf über hundert Milliarden US-Dollar im Jahr 2008. Somit hat China die USA überholt und ist nach der Europäischen Union nun zweitwichtigster Handelspartner des Kontinents. Die Investitionen Chinas in Afirka stiegen von 2001 fünfzig Millionen US-Dollar auf mittlerweile über eine Milliarde US-Dollar jährlich. Afrika entwicklete sich zum zweitgrößten Markt für chinesische Bauprojekte. Momentan leben bereits etwa eine Million Chinesen in Afrika, 1600 chinesische Firmen sind vor Ort aktiv.
Drittens: In der Kultur- und Bildungsebene setzt China auf kulturellen Austausch mittels den auch in Deutschland vorhandenen Konfuzius-Instituten, die in Afrika gerade wie Pilze aus dem Boden schießen. Stetig wachsend ist auch die Zahl von Afrikanern, die in China ein Studium oder andere Fortbildungsmaßnahmen absolvieren.
Lesen Sie morgen in Teil II über die Möglichkeiten und Alternativen, die China Afrika bietet, die Kritik aus dem Westen daran und was China in Afrika noch erreichen kann.
Quelle: german.china.org.cn
Der Siegeszug Chinas in Afrika wird im Westen mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen. Einerseits gibt es Theorien, die China als neue Art von Kolonialmacht darstellen wird. Andererseits gibt es Stimmen, die die Entwicklung positiv bewerten.
He Wenping spricht im zweiten Teil unseres Artikels darüber, welche Möglichkeiten und Alternativen China Afrika bietet, die Kritik aus dem Westen daran und was China in Afrika noch erreichen kann. He ist Leiter der Afrikaabteilung im Institut für Regionalwissenschaften (eigtl. Institut des Westens, Asiens und Afrikas) der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften.
Abbau von Rohstoffen, aber neue Möglichkeiten und Alternativen für Afrika
Die erstarkenden chinesisch-afrikanischen Beziehungen sorgen natürlich in Afrika für neugierige Aufregung, während der Westen die Situation genauestens beobachtet. Auch in Afrika stehen einige Medien und Nichtregierungsorganistationen China mit Skepsis gegenüber, in den meisten Fällen überwiegt allerdings ein positives Bild der Zusammenarbeit. Afrikanern, die zukunftsorientiert denken, ist zwar auch bewusst, dass China vorrangig zum Abbau von Rohstoffen nach Afrika kommt. Sie sehen im chinesischen Vorgehen jedoch einen entscheidenden Unterschied zum westlichen. Während der Westen sich angeblich nur der Rohstoffe bediene, sorge China für mehr nachhaltige Infrastruktur und investiere in den chinesisch-afrikanischen Austausch, sagen sie. China nehme aktiv an der Entwicklung Afrikas Teil und sei eine alternative, neue Möglichkeit für Afrika, sich mit ausländischen Investoren einzulassen. Bislang sind die Profite für Afrika hierbei sehr groß, weshalb die Chinesen weiterhin mit offenen Armen empfangen werden.
Kritik aus dem Westen, aber nicht-ideologischer Ansatz Chinas
In den westlichen Ländern wird die enge Zusammenarbeit Chinas mit Afrika gemischt aufgenommen. Einige Politiker, Medien und Nichtregierungsorginisation stehen China und seinen in Afrika aktiven Unternehmen sehr kritisch gegenüber. Sie beobachten genauestens das Vorgehen chinesischer Akteure in Afrika. Dadurch würden negative Einzelfälle mitunter generalisiert beziehungsweise auf das gesamtchinesische Handeln projeziert und es käme zu Formulierungen wie "dem Plündern der Rohstoffe Afrikas durch China". Hinzu kommt Kritik gegen Chinas politsches Vorgehen im eigenen Land, wie zum Beispiel die Zensur oder das Prinzip der Nichteinmischung fremder Staaten in innere Angelegeheiten (der Grund, warum China keine Einmischung in Tibet oder bei der Taiwan-Frage akzepiert). Einige im Westen befürchteten, die westlichen Versuche Afrika zu demokratisieren und die Korruption zu bekämpfen könnten unter dem Erstarken des chinesischen Einflusses leiden.
In China versteht man diese Kritik jedoch nicht. Ob ein Land sich nun einen Slogan wie "Demokratie" oder "Menschenrechte" auf die Fahnen schreibe, bevor es wirtschaftlich in Afrika aktiv werde, sei vollkommen irrelevant. Die Forderung nach Nichteinmischung in die eigenen Angelegenheiten verbiete China ohnehin irgendeine Form von Weltanschauung in anderen Ländern zu proklamieren. Fakt sei vielmehr, dass die afrikanischen Staaten von der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit China profitierten. Das chinesische Engagement habe zu großflächigen Verbesserungen in den Bereichen Infrastruktur, Lebensstandard und Bekämpfung der Armut geführt. An solche verbesserten Lebensbedingungen sei automatisch eine Verbesserung politischer Stabilität geknüpft. Afrikas politische Zukunft bleibe letztlich aber allein Sache Afrikas.
China kann in Afrika mehr erreichen, muss aber auch manches besser machen
China muss in Afrika zukünftig weiter umsichtig agieren. Das rasante Wachstum des Handelsvolumens mit Afrika heißt nicht notwendigerweise, dass China sich einen Wettbewerbsvorteil verschafft hätte.
Es muss seine Arbeit noch in vielen Bereichen intensivieren, angefangen beim Umweltschutz in Afrika über die Sicherung afrikanischer Arbeitsplätze bis hin zur Bildung von Expertenteams, die sich mit afrikanischem Recht auskennen. Verbesserungen in diesen Bereichen der Zusammenarbeit würde die Grundlage zu einer zukünftig intensiveren Kooperation zwischen Afrika und China schaffen. In den vier wichtigen Faktoren politischer Einfluss, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, moralisches Handeln und diplomatische Feinfühligkeit hat China jeweils noch Kapazitäten, seine Fähigkeiten auszubauen. Bis dahin hat es allerdings noch einen langen Weg vor sich.
Die westlichen Länder verstehen Afrika aufgrund der eng verknüpften Vergangenheit. Die Forschung in Europa hatte Jahrhunderte Zeit sich intensiv mit Afrika zu beschäftigen. Vieles in Afrika entstammt dem europäischen Einfluss der Kolonialzeit. Im afrikanischen Bewusstsein steht der Westen, jedoch nicht auf derselben Seite wie Afrika. China wiederum steht mit Afrika auf einer Seite, hat jedoch noch kein ausreichendes Verständnis gegenüber dem Kontinent erwerben können. Die Verbesserung des gegenseitigen Verständnisses ist der Schlüssel Chinas zum Erfolg.
Quelle: german.china.org.cn