Die Segnungen der Privatisierung in Polen
Dem offiziellen Glaubensbekenntnis nach hat die Privatisierung staatlicher und kommunaler Leistungen Vorteile für die "Kunden". Privatunternehmen wirtschaften angeblich besser, man kann zwischen verschiedenen "Dienstleistern" auswählen, und ursprünglich urde sogar behauptet, private Dienstleistungen würden billiger werden, weil sich die Privaten gegenseitig Konkurrenz machen. Nichts davon bewahrheitet sich. Praktisch alles ist teuerer geworden, nicht selten um ein Mehrfaches. Andere Dienstleistungen gibt es einfach nicht mehr, weil sie sich für Private nicht rentieren. Der "Service" ist nicht besser geworden - angesichts maximlaer Personaleinsparung und schlechter Bezahlung in diesen "Dienstleistungssektoren" zwangsläufig.
Polen hängt bei der Privatisierung in manchen Bereichen noch etwas hinterher. Aber die polnischen "Kunden" müssen auf die Beglückungen nicht mehr lange warten, soweit sie noch nicht von ihnen ereilt worden sind. Einige kleine Beispiele, zusammengestellt von der Infoseite Polen:
In den letzten 10 Jahren wurden im ländlichen Raum bereits viele Schulen und Postämter geschlossen, zahlreiche Busverbindungen gekappt.
Nach einem Bericht der Rzeczpospolita sind in den letzten 10 Jahren 389 Postämter in Dörfern und Kleinstädten im Zuge von Einsparmassnahmen der “Poczta Polska” geschlossen worden. Und auch 122 Amtsgerichte in den Kleinstädten “machten dicht”.
Bei den Schulen dagegen steht die ganz grosse Schliessungswelle noch bevor. In diesem Jahr wird sie im ländlichen Bereich wohl hunderte Grundschulen und Mittelstufenschulen treffen.
Die öffentlichen Verkehrsverbindungen im ländlichen Raum haben sich in den letzten Jahren praktisch permanent verschlechtert. Bahnlinien wurden stillgelegt bzw. Fahrpläne ausgedünnt. Regulärer Busbetrieb mit den gewohnten PKS-Bussen wurde durch privaten Kleinbus-Verkehr ersetzt.
Die schlechtere Versorgung des ländlichen Raums betrifft auch kulturelle Einrichtungen. Neben der schwierigen Arbeitsmarktsituation in der polnischen Provinz ist der Verlust an Versorgungseinrichtungen und kulturellen Angeboten eine der Ursachen für die Land-Stadt-Wanderung. Die eher ländlich strukturierten Wojewodschaften Vorkarpaten (Rzeszow) und Podlasie (Bialystok) z. B. verloren in den letzten Jahren 6 % ihrer Einwohnerschaft. (wolnemedia.net)
Quelle: http://www.infoseite-polen.de/newslog/?p=6682#more-6682