"Die spanische Reconqista im 21. Jahrhundert"
Ueber die sogenannte Globalisierung geht die Sage, sie wuerde die alte Staatenwelt unterminieren oder sogar aufloesen. Rechts wird von der "Eine-Welt-Regierung" gesponnen, links vom "kollektiven Imperialismus". Bei naeherem Hinsehen ist das Gegenteil der Fall. Die Interessengegensaetze zwischen den Staaten schwaechen sich nicht ab, sondern verstaerken sich, in der Krise umso mehr.
Dabei gibt es nicht einfach nur die zwei Lager "Nord" und "Sued". Auch zwischen den Staaten des "Nordens", den imperialistischen Hauptlaendern, wird die Konkurrenz schaerfer. Dass trotzdem so Manches gemeinsam unternommen wird, wie zum Beispiel der Afghanistankrieg, spricht nicht gegen diese Behauptung. Auch in der Zeit der alten Kolonialreiche tat man sich gelegentlich zusammen, um aufmuepfige Kolonisierte niederzuschlagen. Und selbst bei solchen gemeinsamen Projekten laeuft gleichzeitig die Konkurrenz gegeneinander um die Frage, wer von der Koujonierung der Schwaecheren am meisten profitiert.
Wie "Globalisierung" z. B. in Latinamerika geht, zeigt ein sehr informativer Text von Andres Figueroa Cornejo, den Bettina Hoyer aus dem Spanischen uebersetzt hat und der auf der Seite von Womblog steht. Am Beispiel Chile schildert Cornejo, wie spanisches Kaiptal sich die Schluesselsektoren einer ganzen Volkswirtschaft unter den Nagel reisst.
Spanien hat in der imperialistischen Meute einen eher nachgeordneten Rang. Aber auch dieser kleine Wolf hat Zaehne, und im Fall Lateinamerika schnappt er ziemlich unverschaemt nach den Flanken des Alpha-Tiers.
http://womblog.de/2010/05/05/die-spanische-reconquista-im-21-jahrhundert
Das oekonomische Vordringen spanischen Kapitals auf Kosten des USamerikanischen erklaert nebenbei so manche politische Erscheinungen. So setzen z.B. die USA in Lateinamerika nicht zufaellig immer mehr auf die "militaerische Komponente" ihrer Aussenpolitik. Sie kreisen Venezuela mit Stuetzpunkten ein, bauen ihre Militaerpraesenz in den mittelamerikanischen Staaten und in der Karibik aus, machen sich lateinamerikanische Offizierskorps gefuegig, binden paramilitaerische Moerderbanden und kriminelle Gangs an sich und haben die IV. Flotte, die jahrzehntelang stillgelegt war, wieder aktiviert und in den Gewaessern des Subkontinents aufmarschieren lassen.
Was nach Staerke aussieht, - ist es auch. Aber in dieser militaerischen Staerke steckt auch eine Schwaeche. Die Dominanz kann nur noch mit vorwiegend politisch-militaerischen Mitteln bewahrt werden. Oekonomisch ist sie immer weniger begruendet.
Auf der anderen Seite ist auch die spanische Lateinamerika-Politik Audruck und Mittel des Vordringens spanischen Kapitals. Die von den USA und auch EU-"Partnerstaaten" wie Deutschland und Frankreich mit scheelen Augen beobachtete "besondere Flexibilitaet" Spaniens gegenueber Kuba, Venezuela und den uebrigen ALBA-Staaten und den lateinamerikanischen Staaten im allgemeinen ist ein Mittel, die "Hardcore"-Konkurrenz auszustechen. Grundsaetzlich unterscheiden sich die Wuensche der USA und Spaniens nicht, den Sozialismus in Kuba auszuloeschen und ihn anderswo gar nicht erst aufkommen zu lassen. Aber waehrend man mit der noetigen DSiskretion innige Beziehungen zu den lateinamerikanischen Oligarchen unterhaelt, laechelt der sozialdemokratische Aussenminister Moratinos gleichzeitig staatsmaennisch-freundlich Morales und Correa, Castro und Chavez ins Gesicht. - Guckt doch, wie freundlich wir zu euch sind, wir Spanier, schmeisst doch die Yankees raus, die immer so unverschaemt sind, macht die guten Geschaefte mit uns ...