Ein erster Warnstreik in der Metallindustrie

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 
Nächtlicher Streikbeginn    
 
 

 

IGM-Jugend streikbereit

IGM-Jugend streikbereit

Um Mitternacht haben unter anderem in der Berliner Metallindustrie die ersten Warnstreiks begonnen. Pünktlich zum Ende der Friedenspflicht rief die IG Metall ihre Mitglieder zum Ausstand auf. "Wir sind für eine gute Sache unterwegs, den Frieden brechen DIE, weil SIE dafür sorgen, dass wir kämpfen müssen", unterstrich in der Nacht zum Sonntag ein Gewerkschafter.


Wie auch in anderen Bundesländern war die dritte Tarifverhandlung für die 100.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie Berlins und Brandenburgs am vergangenen Dienstag ergebnislos geblieben. "Die Offerte des Arbeitgeberverbands ist eine Provokation, die eine Lösung nur vortäuscht", sagte Olivier Höbel, Bezirksleiter und Verhandlungsführer der IG Metall. Das Angebot von drei Prozent für 14 Monate entsprechte für 12 Monate nur 2,57 Prozent. Höbel kritisierte die Arbeitgeber: „Nicht einmal im Ansatz wird eine faire Beteiligung der Arbeitnehmer am wirtschaftlichen Aufschwung erkennbar, weder für das außerordentlich erfolgreiche Jahr 2011, noch für das stabile Jahr 2012. Es berücksichtigt auch nicht den Produktivitätszuwachs. Die Arbeitnehmer haben mehr verdient.“

Scharf wandte sich Höbel gegen die Forderung der Arbeitgeber, die befristete Beschäftigung ohne Sachgrund auf 36 Monate zu verlängern und die Arbeitszeit teilweise auf 40 Stunden zu erhöhen. „Das ist ein abenteuerlicher Versuch, erst Leiharbeit in großem Umfang auszubauen und jetzt auch noch jeden vierten Beschäftigten länger arbeiten zu lassen. Dies unter dem Deckmantel interne Ausweitung der Flexibilisierung zu fordern, ist grotesk!“

Anstatt die unbefristete Übernahme der Ausgebildeten zur Regel zu machen, boten die Arbeitgeber nur Absichtserklärungen an. „Angesichts des demografischen Wandels reicht es nicht aus, nur Appelle zu verbreiten. Junge Menschen erwarten eine echte Perspektive. Die unbefristete Übernahme kann einen wichtigen Beitrag zur Lösung des Fachkräftebedarfs leisten“, sagte Höbel.

Der Verweis der Arbeitgeber, auf die Verhandlungen über Branchenzuschläge für Leiharbeit mit den Verleihverbänden, ist für die IG Metall keine geeignete Grundlage für eine Auflösung des Missbrauchs der Leiharbeit. Höbel erinnerte an den selbstverständlichen Grundsatz gleichen Lohn für gleiche Arbeit und sagte: „Erst eine belastbare Mitbestimmung der Betriebsräte über die Einsatzdauer, Anzahl und Umfang von Leiharbeit sowie fairer Bezahlung führt zu einer befriedigenden Lösung.“

Deutlich kritisierte Höbel die Arbeitgeberseite: „Sie haben ihre Chance innerhalb der Friedenspflicht ungenutzt verstreichen lassen. Wir verlangen für alle drei Forderungen akzeptable Lösungen. Der Protest wird jetzt mit Warnstreiks auf die Straße getragen, damit der notwendige Druck auf die Verhandlungen erzeugt wird.“

Eine grosse Warnstreikwelle wird am 3. Mai in Nordrhein-Westfalen beginnen, kündigte die Industriegewerkschaft an. “Die Arbeitgeber provozieren den Konflikt, statt zur Lösung beizutragen. So kommt es bei unseren Mitgliedern an und so ist es. Mit drei Zielen sind wir angetreten. Und zu allen drei Zielen wollen wir ein gutes Ergebnis. Doch davon sind wir mit den Arbeitgebern noch Welten entfernt. Beim Geld viel zu wenig, bei unbefristeter Übernahme und Leiharbeit praktisch nichts – das heißt jetzt Warnstreik,” so Oliver Burkhard, IG Metall-Bezirksleiter in Nordrhein-Westfalen.

 

Quelle: http://www.redglobe.de/deutschland/wirtschaft-a-gewerkschaft/5138-naechtlicher-streikbeginn

 

 

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