Ein lehrreiches Volksfestplakat
Heute, auf dem Weg durch die Stadt, durchs Städtlein, sah ich ein Plakat. Darauf war ein Kreuzritter auf seinem Pferd, mit gezücktem Schwert, hinter ihm seine Mannen mit Spiessen und Fähnlein. Eine Werbung für irgendein Spektakel in irgendeinem Marktflecken in der Umgebung, eine Mordsgaudi bestimmt, wahrscheinlich mit Gewerbeschau und Bierzelt. Für einen Augenblick dachte ich, was wohl die Muslime, die an diesen Plakaten auch vorbeigehen, denken, wenn der Kreuzritter auf sie einstürmt. War da nicht mal was mit Heiliges Land befreien und Muselmanen schlachten ? Und ist da nicht was seit zehn Jahren "Krieg gegen den Terror", das verdammt ähnlich aussieht ? Ich stellte mir vor, ich wär in Teheran und steh vor einem Plakat, auf dem grimmige Dschihadkämpfer mit gezückten Säbeln auf mich, naja, nicht gerade christlichen, aber doch abendländischen Menschen einstürmen. Oder ein BILD-Schreiberling sieht so ein Plakat und macht eine Schlagzeile draus: Iranische Mullahs wollen Deutschland erobern !
Ich erinnerte mich an diese seltsamen Feste auf Mallorca, die an irgendwelchen christlichen Feiertagen jedes Jahr mit einem gar lustigem Spektakel begangen werden: Die Mohren kommen auf Schiffen und versuchen, die eine oder andere Stadt zu erobern. Die christlichen Ritter verteidigen sich heldenhaft und siegen jedesmal über die Leute mit den schwarzgefärbten Gesichtern unter dem Turban und dem orientalischen Krummsäbel. Diese Schlachten, bei denen jetzt kein Blut mehr fliesst, sondern bloss noch Bier und Wein, sind bemerkenswert. Die Geschichte war ja die, dass christliche Feudalherren zwecks Erweiterung ihres Territoriums im Zuge der Reconquista auch die muslimischen Balearen angriffen und eroberten, wo die Muslime vier Jahrhunderte lang sassen und sich wohl einheimisch vorkamen. Und heute wird die Geschichte genau umgekehrt erzählt; - genau wie die Geschichten von heute, Irak oder Libyen etwa. Der Angegriffene ist der Aggressor und der Aggressor der Verteidiger. Verrückt, diese Spektakel, nicht wahr ?
"Komm, gehn wir heim", sagt da P., die mittlerweile im Gemüseladen Salat und Kartoffeln und Erdbeeren gekauft hat. Okay, gehn wir heim.