Markt macht gesund. Über die Notwendigkeit eines starken Glaubens
Wie alle wissen, ist der Markt allmächtig, unfehlbar, vom Anbeginn der Zeiten bis in alle Ewigkeit . Deswegen ist es eine Todsünde,andere Götter neben ihm zu haben, neben IHM, dem einzigen, der erhabenen Einfältigkeit. Wir ehren seinen Namen, verdammen die Ungläubigen und bringen die Uneinsichtigsten oder auch bloss irgendwie Störenden unter denen ins Grab, die sich nicht zur Seligkeit des Kaufens und Verkaufens bekehren lassen. Wir lügen gedruckt und stehlen jedem, der sonst nichts hat, seine lebendige Arbeitskraft, auf dass es uns wohlergehe auf Erden, wo denn sonst.
Manchmal braucht es einen besonders starken Glauben, um das Kapitalistenvaterunser ernst zu nehmen. Es kommt vor, dass Markt wie Blödsinn aussieht. Das ist dann eine Prüfung der Gesinnungstreue, die nicht jeder besteht. Zum Beispiel modesty nicht. Steht da doch glatt gestern im Blog Gedanken(v)verbrechen:
Ein krankes Gesundheitssystem
Tja, so kanns gehen. Waren die Leute vor einigen Wochen bei der City BKK laut Eigenwerbung der Kasse mit dem Smile-Effekt noch versicherter als sonstwo, sind sie nun verunsicherter oder schlimmstenfalls gar nicht mehr versichert. Da sieht man, wie schwachsinnig ein Gesundheitssystem ist, das nicht der Gesundheit dient, sondern dem Geschäft. Wenn gewollt würde, dass die Menschen im Krankheitsfall unkompliziert und effektiv versorgt würden, würde es einfach ein einheitliches staatliches Gesundheitssystem geben, in dass die Leute gar nicht mehr extra einzahlen müssten, weil es ohnehin aus Mitteln der öffentlichen Hand finanziert würde. Dann würden Ärzte einfach vom Staat angestellt und bezahlt und könnten sich ganz auf ihre Patienten und deren Genesung konzentrieren, statt in der Hauptsache Unternehmer zu sein, die ihre Energie mit Selbstpromotion verballern und mit Verwaltungskram. Und wenns unbedingt eine Kranken- oder Gesundheitsversicherung geben muss, dann würde es auch eine Einheitskasse tun, in die alle einzahlen und die deshalb auch nicht pleite geht, nur weil sie auch alte, kranke und finanzschwache Leute versichern muss. Statt des ganzen Verwaltungspersonals, das in den Krankenhäusern die Finanzen optimieren muss, könnten Krankenschwestern und Pfleger eingestellt werden, die sich um die Leute kümmern und nicht ums Geld und vor allem dessen Einsparung.
Aber die Ideologen der heiligen Konkurrenz sind der Meinung, dass es zum einen viele Krankenkassen braucht, damit ein Gesundheitssystem funktionieren kann, und es dann noch eine Konkurrenz zwischen gesetzlichen Kassen, die jeden versichern müssen, der ihnen per Gesetz zugeteilt wird, und den privaten Kassen, die sich ihre Kunden aussuchen können, braucht. Das ist so, als ob man eine Kuh und ein Rennpferd ins Rennen schickt und am Ende überrascht ist, dass das Rennpferd weit vor der Kuh ins Ziel kommt. Warum kann man nicht einfach einen Gaul vor den Karren spannen, der alle ans Ziel bringt? Weil das zu sozialistisch ist. Wäre ja noch schöner, wenn der eine kein Einzelzimmer mit Chefarztbehandlung bekommen kann, nur weil einer, der weniger Geld verdient, den Chefarzt gerade dringender braucht. http://gedankenerbrechen.wordpress.com/
Solche Überlegungen wie die da von modesty sind natürlich Auswüchse, Exzesse des durch kein Gramm Glauben gezügelten, rohen, verderbten gesunden Menschenverstands. Wir wissen doch aber: Gibst du dem Teufel den kleinen Finger, nimmt er die ganze Hand. Lässt man auch nur den geringstenZweifel aufkommen an der Gottnatur des Marktes, geht unser ganzes Kapital zum Teufel. Dann wird die Bundesbahn wieder verstaatlicht und das Wasser rekommunalisiert und kein Müllunternehmer darf mehr seinen lieben Mitarbeitern fünf Euro die Stunde zahlen, weil es keine Müllunternehmer mehr gibt - zum allerletzten Schluss dann weder solche im wörtlichen Sinn als auch im übertragenenen, also gar keine mehr. Der Euro sei unserer Seele gnädig ! Dahin soll es doch nicht kommen, zum Allerschlimmsten !
Seid wachsam, ihr Tresorschlüsselbewahrer, ihr Hüter des Glaubens, Gesalbte ! Unter der Schar der Gläubigen, der so mühsam mit Bismarck und Hitler und BILD Bekehrten, ist viel Zweifel. Der Kommunstenteufel geht um und sein widerlicher Diener Menschenverstand, und sie säuseln von Gerechtigkeit und Gleichheit und dergleichen höllischem Trug und Unsinn. Unsere Pfaffen selbst irren ab und löcken wider die Anzeigenaufträge, z. B. die Frankfurter Rundschau, gestern verlinkt vom berüchtigten Teja http://teja552.blog.de/:
http://www.fr-online.de/wissenschaft/arme-leute/-/1472788/8417626/-/index.html .
Bloss, weil da welche hinken, bloss, weil da welche verrecken, zweifeln sie und fallen gar vom Glauben ab, diese Lauen im Geiste - obsta principiis !
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update:
modesty, diese(r?) oben bereits zitierte Ungläubige, hat sich schon wieder etwas Neues ausgedacht, der Allmächtige möge ihn strafen mit 1-Euro-Job und Gerichtsvollzieher, wenn der gute alte Schuldturm, der natürlich ein noch besseres Mittel wäre, denn schon ausser Gebrauch gekommen ist :
http://gedankenerbrechen.wordpress.com/2011/05/18/hohe-mieten-sind-kein-versehen-sondern-gewollt/