Eine Belegschaft, die so kaempft, wie es alle tun sollten
Die Kolleginnen und Kollegen von der Klüh Service Management am Duesseldorfer Flughafen kaempfen um ihre Arbeitsbedingungen. Das folgende Flugblatt haben sie an die Flugpassagiere verteilt.
Heute wir – morgen Ihr!
Lohn-Geier über dem Rheinland
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Air-Berlin-Flieger
seit einigen Wochen kämpfen wir um unsere Arbeitsplätze
und um Arbeitsbedingungen, die wir in jahrelangen
Auseinandersetzungen errungen haben.
Wir – das sind rund 160 Arbeiterinnen und Arbeiter
der Firma
Klüh Service Management GmbH
am Düsseldorfer Flughafen (Flugzeugreinigung)
.
Unser Arbeitgeber meint, wir seien zu teuer. Der
Grund: Unser bisheriger Hauptkunde
Air Berlin
,
Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft, will
Geld sparen. Ziel der Airline ist es angeblich, die
Kosten in der neuen Ausschreibung deutlich zu
drücken. Deshalb hat sich die Firma Klüh an der
Ausschreibung nicht mehr beteiligt und plant jetzt
den Verkauf oder die Schließung des Betriebes am
Düsseldorfer Flughafen zum Jahresende. Für uns
Beschäftigte bedeutet das: Entweder Arbeitslosigkeit
oder der Wechsel in eine Leiharbeitsfirma, bei
der wir für dieselbe Arbeit viel schlechter als bisher
bezahlt werden. Und das, obwohl einige von
uns seit über zwanzig Jahren für den Arbeitgeber
die Knochen hinhalten.
Air Berlin – ein Billig-Flieger
als Lohn-Geier
Die Fluggesellschaft wirbt mit Schnäppchen – und
der Passagier freut sich. Aber wir, die Beschäftigten,
ziehen den Kürzeren. Denn die Rechnung von
Air Berlin geht nur auf, wenn an anderer Stelle gespart
wird: bei uns! Als Betriebsrat haben wir sehr
viele und sehr vernünftige Sparvorschläge gemacht.
Die Klüh-Geschäftsleitung hat sie alle abgelehnt.
Stattdessen wurde uns ein sehr spezielles
Angebot gemacht: Wir sollen in ein anderes Unternehmen
übernommen werden.
Für uns würde das bedeuten: weniger Lohn,
mehr Arbeit, schlechtere Arbeitsbedingungen und
der Versuch, unseren guten Zusammenhalt zu
sprengen. Mit anderen Worten: Ein schlechter
Deal.
Aber da machen wir nicht mit!
Gemeinsam sind wir stark!
Wir haben es selbst geschafft, unsere Arbeitsbedingungen
zu verbessern. Bei uns gibt es nicht –
wie sonst in der Branche üblich – Arbeitszeitkonten
und keine geteilten Schichten. Wir haben erkannt,
dass wir gemeinsam etwas bewegen können
– deshalb will die Klüh-Geschäftsführung nun
den Zusammenhalt der Beschäftigten zerschlagen.
Dabei schreckt sie auch nicht davor zurück, für die
Verhandlungen mit dem Betriebsrat den Düsseldorfer
Rechtsanwalt Helmut Naujoks einzuschalten.
Naujoks ist kein Unbekannter. In seinem Buch
„Kündigung von Unkündbaren“ und auf „Fachseminaren“
erklärt er Unternehmern, wie sie
missliebige Betriebsräte loswerden können: „Mit
Methoden, die Menschen zum Weinen bringen“,
wie eine große Zeitung einmal schrieb. Wer am
Ende weint, hängt auch davon ab, wie wir uns zur
Wehr setzen und ob wir von anderen Belegschaften
unterstützt werden.
Wir können auch anders
Seit Monaten verhandeln Betriebsrat und Geschäftsführung
über einen Sozialplan – bisher ohne
Ergebnis. Seit Wochen protestieren wir täglich mit
einer Mahnwache vor der Firmenzentrale in der
Düsseldorfer Altstadt – bisher ohne Ergebnis.
Deshalb wird seit einigen Tagen in der Belegschaft
immer lauter darüber diskutiert, für einen
Sozialtarif-Vertrag notfalls auch zu streiken.
Wir rufen auf, uns zu unterstützen. Solidarisiert
euch mit unserem Kampf, sprecht mit den Kolleginnen
und Kollegen. Sorgt für Öffentlichkeit und
informiert Passagiere, die mit Air Berlin fliegen,
darüber, was es eigentlich bedeutet, „billiger zu
fliegen“.
Und schließlich: Lasst die Verantwortlichen wissen,
was Ihr von ihrem Vorgehen haltet!
(Siehe Rückseite).
Für Proteste:
Firma Klüh:
Mail: h.driessen@klueh.de
Fax: 0211 - 906 85 00
Firma Air Berlin
Mail: abpresse@airberlin.com
Fax: 030 - 410 21 003
Rechtsanwalt Helmut Naujoks
Mail:
info@naujoks-kanzlei-fuer-arbeitsrecht.de
Fax: 0211 - 518 06 020
Für Solidaritätserklärungen:
BR Klüh Flugzeugreinigung Dus:
Mail: br.dus@klueh.de
http://kluehaktiv.blogspot.com/
Fax: 0211 - 421 78 627
IG BAU NRW, Vorsitzender Arno Hass
Mail: arnohaas@igbau.de
Fax: 0211 - 977 87 20
An die Firma Klüh Service Management GmbH,
die Firma Air Berlin,
und den Rechtsanwalt Helmut Naujoks,
wir protestieren dagegen, dass die Belegschaft der Flugzeugreinigung Klüh am Düsseldorfer Flughafen durch
den Kostensenkungsdruck von Air Berlin und durch den Verkauf des Betriebs durch die Firma Klüh zerschlagen
und ihrer sozialen Rechte beraubt werden soll. Es ist völlig klar, dass es keine sachlichen Gründe für diese
Schließung gibt, sondern es der Firma Klüh nur darum geht, eine selbstbewusste Belegschaft und eine konsequente
Interessensvertretung loszuwerden – das zeigt auch die Einschaltung des Rechtsanwalts Helmut
Naujoks.
NAME, VORNAME FUNKTION/BETRIEB/GEW. UNTERSCHRIFT
V.i.S.d.P.: Betriebsrat Klüh, Flugzeugreinigung Düsseldorf, Altes Frachtzentrum, Frachtstraße, 40747 Düsseldorf