Freitag Generalmobilmachung ! - Montag Kladderadatsch ?

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

 

 

Der Ton wird kriegerisch: "weltweit organisierte Attacke gegen den Euro" (Sarkozy); "Wir werden den Euro verteidigen, was immer dafuer noetig ist !" (Barroso); "Der Euro ist Europa und Europa ist der Frieden !" (Sarkozy); "absolute Generalmobilmachung ..." (Sarkozy). Merkel will die europaeischen Vertraege aendern - kaum, dass das der Vertrag von Lissabon in Kraft getreten ist, der ueber so viele Jahre so muehsam ausgehandelt worden ist.

 

Sarkozys Befund, es gebe eine weltweite Attacke wird da und dort variiert: Es handele sich um eine Attacke aus Uebersee. Waren denn jenseits des Sees nicht immer die besten Freunde, mit denen man sogar Schulter an Schulter Krieg fuehrt ? Sind sie es nicht mehr ?

 

"Zu 95 %", sagt Sarkozy, habe sich Frankreich, d.h. Sarkozy, in der EU durchgesetzt und flugs eine europaeische Wirtschaftsregierung etabliert. Gegen wen durchgesetzt ? Frau Merkel verschwindet durch den Hinterausgang. Ist denn nicht nur mit den Freunden aus Uebersee, sondern auch zwischen den allerengsten europaeischen Freunden keine Freundschaft mehr ?

 

Die Verhaeltnisse wanken. Zwei Jahrzehnte nach dem Zusammenbrechen der Nachkriegsordnung, die die naechsten Freunde und die aus Uebersee zusammenzwang, keine zwei Jahrzehnte nach Verkuendigung des Endes der Geschichte und der dortan immerwaehrenden menschengerechten Freedom&Democracy-Ordnung, mitten in den so schoen globalisierten dynamischen Prozessen und innovativen Innovationen, und obwohl der neue Aufschwung nach der kleinen Krise kaum noch zu bremsen ist - ist Notstand. Euro oder nicht, Europa oder nicht - das ist eine Frage des Friedens. Ist also im Fall des Nicht - Krieg ?

 

Sarkozy ist ein kleiner Mann. Er nimmt gern grosse Worte in den Mund. Schuhe mit Plateausohlen waeren noch peinlicher. Aber der kleine Zweck der grossen Worte schliesst nicht aus, dass ein eitler Gockel auch einmal ein Korn findet. Seine Sentenz ueber den Frieden koennte einmal in den Geschichtsbuechern stehen, als Grabinschrift auf sechzig Jahren Nachkriegsentwicklung, als Markierungszeichen fuer einen historischen Bruch, jenseits dessen eine neue politische Logik beginnt. Naemlich die alte: die der imperialistischen Konkurrenz zwischen den maechtigsten Staaten Europas um die Dominanz ueber die kleineren und schwaecheren Staaten, die Sued- und Ostschiene, die PIGS und die, fuer die noch keine Untermenschen-Vokabel erfunden ist. Vielleicht wird in den Geschichtsbuechern stehen, damals habe man Griechenland als erstes Opfer auf die Schlachtbank getrieben.

 

Das Gute an Geschichtsbuechern ist, dass sie oft nicht logisch sind. Die Logik der Geschichte ist nicht einfach die Logik der Herrschenden. Es kommt vor, dass die Voelker die Geschichtsbuecher der Herrschenden auf den Muell schmeissen, noch ehe sie geschrieben werden koennen. Oder es muessen unerfreuliche Eintraege gemacht werden, "Oktober 1917" und dergleichen.

 

"Voelker Europas, erhebt euch !" stand vor einigen Tagen auf dem Transparent am Akropolis-Felsen. Eine gute Idee. War Griechenland nicht schon immer die Wiege der Demokratie ? - PAME ! (D.h. zu deutsch: "Auf gehts !")

 

Aber erst einmal ist morgen Montag, ein Arbeitstag, auch fuer Zocker. An diesem Tag werden die Zocker demokratisch darueber entscheiden, wie es mit der Welt weitergeht. Sie werden gegenzeichnen, was der kleine Sarkozy und die nach hinten abgehende Merkel am Freitag demokratisch beschlossen haben. Oder die zerreissen die Auftragsarbeit: Note ungenuegend, das macht ihr uns nochmal. Zur Strafe gibts eine Konferenz Nachsitzen, damit ihr es euch merkt.

 

He Leute ! Von solchen Entscheidungstraegern, von Zockern und kleinen Sarkozys und abgehenden Merkels haengt unser Leben ab ! Ihr habt doch hoffentlich gelesen, was auf dem Transparent am Akropolis-Felsen stand ?!

 

 

 

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