Gewerkschaftslinke: Wie weiter nach den Herbstprotesten ?

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

    

Wie weiter nach den Herbstprotesten?

Die Herbstproteste 2010 der Gewerkschaften und sozialen Bewegungen war seit Ausbruch der Krise die bisher größte

Protestwelle in Deutschland: Hunderttausende gingen gegen die Atomlobby (München 50.000, Castor-Proteste in

Gorleben 50.000, Berlin 100.000) und gegen Stuttgart 21 auf die Straße. Weit über Hunderttausend haben an den DGBDemonstrationen

im Oktober und am 13. November (Stuttgart ca. 50.000, Nürnberg über 30.000, Dortmund 14.000 und

Erfurt 6.000) teilgenommen und haben auch bei den zahlreichen betrieblichen Protesten im Oktober und November

ihren Unmut gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf ihrem Rücken zum Ausdruck gebracht. Dennoch reichten alle

Proteste bisher bei weitem nicht aus, um auch nur eines der beschlossenen Vorhaben von Regierung und Kapital zu kippen.

Die Gewerkschaften haben Glaubwürdigkeit verloren!

Nach wie vor haben die Proteste nicht die Dimensionen und

die Dynamik wie in anderen europäischen Ländern (Frankreich,

Griechenland). Eine Ursache ist sicher, dass die Glaubwürdigkeit

der Gewerkschaften in Deutschland sehr gelitten

hat, da die sozialen Proteste und die Tarifbewegungen der

letzten Jahre nicht erfolgreich und nicht von Nachhaltigkeit

geprägt waren. Schlimmer noch, oft wurde von Seiten der

Gewerkschaftsführungen, zur Stärkung des Standortes

Deutschland, Verzichtspolitik nicht nur das Wort geredet,

sondern auch tatkräftig organisiert und mitgetragen. Die letzte

große soziale Protestwelle 2003/2004 gegen Agenda 2010

mit bis zu ½ Million Teilnehmenden verlief im Sande und

wurde nicht genutzt, um die Regierung so unter Druck zu

setzen, dass sie zumindest Teile der Agenda 2010 hätte

zurück nehmen müssen. Die Tarifpolitik hat dazu geführt,

dass Deutschland mittlerweile Schlusslicht in ganz Europa ist

und seit über 10 Jahren Reallohnsenkungen stattfinden. Es

ist nicht gelungen, der Ausweitung von prekärer Beschäftigung

und Niedriglohnsektor Einhalt zu gebieten.

Die 2 großen Tarifprojekte ERA (IGM) und TVÖD (verdi)

haben das Tarifniveau abgesenkt und Spaltung in die Belegschaften

getragen. Neue Bewegungen für tarifliche Verbesserungen,

wie z.B. in den 80er Jahren für Arbeitszeitverkürzung,

gab es seit Jahrzehnten nicht mehr.

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen hoffen viele

KollegInnen nicht mehr darauf - und trauen den Gewerkschaftsführungen

dies auch nicht mehr zu – dass diese mit

allen gewerkschaftlichen Mitteln versuchen, massive Verschlechterungen

zu verhindern. Es ist deshalb schwieriger

geworden, Belegschaften für überbetriebliche politische

Aktionen zu gewinnen und zu mobilisieren. Diese Entwicklung

muss durchbrochen werden. Entschiedenes qualitatives und

quantitatives Nachlegen bei Widerstand und Mobilisierung ist

nötig, um Vertrauen und Kampfkraft zurückzugewinnen.

Nachhaltigkeit, Zusammenwachsen und

kämpferische Aktionen

Dass es in Deutschland möglich ist, große Protestbewegungen

auf die Beine zu bekommen, zeigen z.B. die

Bildungsproteste, die Bewegungen gegen Stuttgart 21 oder

gegen die Atompolitik der Bundesregierung. Diese Bewegungen

werden ernster genommen, weil sie größere Glaubwürdigkeit

ausstrahlen, dass sie ihr Ziel erreichen wollen und sich dafür

nachhaltig, kreativ und mit kämpferischen Aktionen des zivilen

Ungehorsams einsetzen (Bsp. Castor schottern, S21-Blockaden).

Auch wenn den Gewerkschaftsvorständen das Zusammenwachsen

der verschiedenen Protestbewegungen nicht wichtig

ist (oder fürchten sie es?), von der Basis wird es praktiziert.

Das hat u.a. die große Kundgebung am 13.11. in Stuttgart

bewiesen, bei der sich Tausende von S21-Gegner eingereiht

haben und umgekehrt über 10.000 GewerkschafterInnen

nach Abschluss der DGB-Kundgebung noch zu der

Kundgebung der Stuttgart 21-GegnerInnen zogen.

Gewerkschaftliche Kräfte bündeln und ….......

Die Aktionswoche der IG Metall Baden-Württemberg im Mai

2009 war ein gutes Beispiel für betriebliche Aktionen: während

der Arbeitszeit protestierten über 30.000 KollegInnen gegen

Entlassungen in der Krise und nahmen das politische Streikrecht

war. Solche Beispiele müssen Schule machen - in

anderer Größenordnung und mit höherer Qualität!

Auch nach den Herbstaktionen müssen die Gewerkschaften

aktiv bleiben - bis entweder das Sparprogramm, die Rente mit

67, die Gesundheitsreform - oder alles - vom Tisch ist! Nach den

getrennten und zeitlich versetzten betrieblichen und öffentlichen

Aktionen der Gewerkschaften, muss der nächste Schritt sein:

betriebliche Aktionen aller Gewerkschaften - an einem

Tag - zur gleichen Zeit - für ein gemeinsames Ziel!

…..........mit den anderen Krisenprotestbewegungen

zusammenführen!

Anfang 2009 wurde die Krisenprotestbewegung aufgebaut.

Sie hat im März 2009 die ersten Krisenprotestdemos in

Frankfurt und Berlin mit zusammen 55.000 Menschen organisiert

und im Herbst 2009 dezentrale Aktionstage. Im Juni

2010 waren sie die Initiatoren für die ersten Demos gegen die

Kürzungsbeschlüsse der Bundesregierung mit 42.000

Teilnehmenden in Berlin und Stuttgart.

Neben der Bündelung der gewerkschaftlichen Mobilisierungsmöglichkeiten

ist eine verstärkte Zusammenführung der Protestpotentiale

von Gewerkschaften und sozialen Bewegungen

notwendig. Um schlagkräftiger gegen die Krisenfolgen und

andere unsozialen Beschlüsse von Kabinett und Kapital vorgehen

zu können, ist dies die zweite Schlussfolgerung aus dem

Verlauf der Aktionswochen und anderer Protestbewegungen in

diesem Herbst! Um zu dieser Bündelung der bisher getrennt

agierenden Kräfte beizutragen, ist der weitere Aufbau breiter

örtlicher Krisenprotestbündnisse anzugehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressum:

Sekretariat – Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken

Hans Kroha – Klaus Peter Löwen – Christa Hourani –

Christiaan Boissevain

Tel:

 

06182/782306

E-Mail:

HKroha@t-online.de

 

 

 

 

 

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