Griechen raus ?
Was jeder, der bis Drei zählen kann, prognostiziert hat, geht jetzt seinen Gang: Die griechische Wirtschaft schrumpft dramatisch, entsprechend sinken die Steuereinnahmen, die "Sparziele" werden nicht nur verfehlt, sondern die Staatsverschuldung steigt im Gegenteil weiter. Recht viel weiter brauchen es die Regierenden in Athen nicht mehr mit der Schröpfung der Arbeiterklasse und Volksschichten zu treiben, bis sie vor der Entscheidung stehen, ob sie einen Volksaufstand niederschlagen und eine offene Diktatur errichten. Die nächste Tranche der "Hilfe" wird nicht ausgezahlt, verlautet aus Berlin, weil die damit verbundenen Auflagen nicht erfüllt sind.
Teile der deutschen Bourgeoisie haben es satt. So war das mit EU und Euro nicht gedacht. Man wollte verdienen, nicht zahlen. Das hat ja auch lange geklappt, aber jetzt gehts ans Zahlen. Dabei ist doch Griechenland schon längst gerettet - das "Griechenland", das tatsächlich gerettet werden musste - nämlich die Kredite der deutschen Grossbanken, die zu fallieren drohten. Die sind, mit Hilfe der "Griechenlandhilfe", so ziemlich aus dem Feuer. Jetzt gibt es nicht mehr viel zu retten. Das griechische Volk zu retten ist nun wirklich das Letzte, was einem deutschen Bourgeois einfallen könnte. Wofür also zahlen ? - Man lässt Herrn Solms vor die Mikrofone treten, nebst einigen weiteren verdienten Volksvertretern seiner Partei und einer Riege aus CDU/CSU: Griechenland muss raus aus dem Euro !
Die Kanzlerin sagt aber: Nicht mit mir. Die führende Klasse der Republik ist sich also nicht einig. Die Kämpfer für Euro und EU haben nämlich auch gewichtige Geschäftsargumente. Immerhin hat dieses "Projekt" Deutschland zur Führungsmacht in Europa gemacht. Und es bleibt dabei, dass mit den Freunden jenseits des Aktlantik nur auf annähernd gleicher Augenhöhe umgegangen werden kann, wenn man wenigstens einen ähnlich grossen Binnenmarkt hat, wenn schon noch nicht ähnlich schlagkräftiges Militär. Soll man sich den Erhalt dieser bisher so gedeihlichen Geschäftsbedingungen nicht doch was kosten lassen ?
Die Streitfrage bleibt offen. Die stärkeren Bataillone scheinen bisher diejenigen zu sein, die sich einen Hosenanzug leisten. SPD und Grüne stehen bereit für die grosse oder ganz grosse Koalition.
Aber sie wissen nicht ein noch aus. Das fiktive Kapital, das sich auf den "Finanzmärkten" herumtreibt, muss irgendwie abgeschlagen werden, sagen die Gesetzmässigkeiten der Kapitalakkumulation. Regieren lässt sich das nur in dem Sinn, dass der Krise ein Verlauf gegeben wird, der nicht katastrophisch, sondern über eine längere Zeit gestreckt wird und so "beherrschbar" bleibt. Aber an dem Punkt eben ist die Entwicklung angelangt: Reicht das "Regulierungspotential" der Staaten überhaupt dafür aus ?
Nebenbei, ohne dass dies mit der Euro-/EU-Krise viel zu tun hätte, aber sie zum Anlass nehmend, entscheiden die paartausend Demokraten, die in der bürgerlichen Demokratie bestimmen, wo es lang geht, auch darüber, von welchen Gestalten die da unten betreut werden sollen. Die FDP als Wahrerin der toitschen Interessen gegen das unersättliche europäische Hungerleider-Ausland würde das Häuflein vor dem drohenden Untergang retten. Es gibt garantiert genügend deutsche Michels, die sich hereinlegen lassen und ihr Kreuzchen bei ihr machen würden. Das wäre zugleich die Entscheidung dafür, vorläufig keinen "rechtspopulistischen" Haufen zu gründen, der die selbe Funktion erfüllen, aber ansonsten etwas peinlich sein könnte.
Probleme über Probleme. Wenigstens eins machen sie sich aber nicht: Wie man von schlechtem Lohn oder Hartz IV über den Monat kommen soll. Schliesslich kann man sich ja nicht um alles kümmern.