Imperialistisches Kulturgeschäft: Ausgepopt ?
Bei scharf links steht ein Text von Kai Degenhardt, der ursprünglich in Z.Zeitschrift für marxistische Erneuerung erschienen ist. Einen so guten, informativen, klarsichtigen Artikel über Phänomene der imperialistischen Alltagskultur habe ich lange nicht gelesen. Das Thema ist auf den ersten Blick "läppisch": Pop-Kultur und -Musik. Aber Degenhardt bettet deren treffende Charakterisierung und die Analyse ihrer gesellschaftlichen Funktionen in eine kleine Geschichte der Massen-Musik und ihrer Tonträger im 20. Jahrhundert bis heute ein, so dass man einen Jahrhundert-Überblick über ein Segment der bürgerlichen Kultur gewinnt. Das ermöglicht die Wahrnahme von langfristigen "Hintergrund"entwicklungen, die wiederum Teilaspekt der gesellschaftlichen Entwicklung (und Perspektiven) im allgemeinen sind.
Degenhardt meint, dass die materielle Basis der Pop-Musik - die Tonträger und Vervielfältigungsmöglichkeiten - und die Gewichtsverschiebung dieses Segments der waren-mässigen Verwertung von Kultur heute an einem Punkt angekommen sind, der einige bedeutende Veränderungen erwarten lässt - und objektiv eine Chance für die Neuentstehung einer demokratischen, kritischen, antiimperialistischen Musik-Kultur eröffnet.