In der Schule kann man fürs Leben lernen
Vor ein paar Tagen erzählte mir eine junge Frau, sie habe von dem Kindergarten, den ihre zwei kleinen Töchter besuchen, einen Zahlungsbefehl erhalten. Alleinerziehend, kann sie nur in Teilzeit arbeiten. Irgendwelche Ämter machen irgendwelche Zicken und "stocken nicht auf", was der kleinen Familie zum Leben fehlt. Der Kindergarten kostet übrigens halbtags 130 Euro pro Kind, so dass die Hälfte dessen, was die Frau mit ihrem Halbtagsjob verdient, für den Kindergarten draufgeht.
Bei einer anderen Familie kriege ich mit, dass ständig Kosten für den Schulbesuch anfallen. Die Schulgeldfreiheit steht nur noch auf dem Papier. In Wirklichkeit kostet jede Kleinigkeit Geld, das die Eltern erstmal haben müssen und das in "einkommensschwachen" Familien schlicht und buchstäblich vom Mund abgespart werden muss. Neulich war Schullandheim angesagt, drei Tage a gut 30 Euro. Die Eltern hatten einfach das Geld nicht. Der Sohn musste zu Hause bleiben. Wie werden ihn die anderen Kinder in seiner Klasse jetzt ansehen ? "Glücklicherweise" war er nicht der einzige, zwei andere Kinder konnten auch nicht mit.
Eine junge Lehrerin im Referendariat erzählte mir von dem Druck, dem sie und ihre Kolleginnen und Kollegen ausgesetzt sind. Wer durchkommen will, muss so um die sechzig Stunden pro Woche arbeiten. Offenkundig wird gesiebt. Es geht zu wie beim Überlebenstraining einer Eliteeinheit - wer es nicht aushält, fliegt aus der Truppe. An "Sold" gibt es, wenn ich mich richtig erinnere, um die 1100 Euro. Und auch hier: Für die zum Teil aufwendigen allfälligen Lehrproben müssen die Referendare die Materialkosten selber bezahlen. Sie können schon beantragen, dass das Material von der Schule gestellt wird. Aber das ist so organisiert - Papierkram, Bearbeitungsdauer -, dass die Leute es lassen und schliesslich entnervt meistens selber bezahlen.
Alltag, der für eine von der Leyen oder eine Merkel so fern ist, als handele es sich um ein Leben auf einem anderen Planeten. - Alltag in einem der reichsten Länder der Welt, soziale Marktwirtschaft halt. Eine Schande. Das wissen eine von der Leyen und eine Merkel immerhin auch. Sie ändern aber nichts an der Schande, sondern verstecken sie. Die potemkinschen Dörfer von heute sind die Statistiken. Wenn eine Statistikfassade gar zu erbärmlich aussieht, lässt man die Statistiker frische Farbe auftragen. Dann ist die Kinderarmut zum Beispiel flugs um die Hälfte oder so gesunken, auf dem Papier.
Zwei Blogger, bei denen ich gerne lese, haben sich in den letzten Tagen über den Beschiss aufgeregt und zwar mit Recht:
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