junge welt, die Mauer und interessante Reaktionen

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Die junge welt konterkarierte das scheinheilige Getue zum 13. August 1961, dem "Tag des Mauerbaus", mit einem für deutsche Verhältnisse provokanten Artikel auf der ersten Seite ( http://kritische-massen.over-blog.de/article-13-august-1961-wir-sagen-einfach-mal-danke-81554586.html ). Die Reaktionen darauf sind interessant.

 

Natürlich gab es in den bürgerlichen Medien einen hysterischen Aufschrei. Ein hetzerischer Artikel in Die Welt fand um die 500 Kommentatoren, fast alle mit Schaum vor dem Mund. Das war nicht anders zu erwarten. Die Gazetten des Kapitals haben auch ganz recht, wenn sie schäumen. Da hat man endlich nach vierzig Jahren Mühe die DDR eingesackt und ist den sozialistischen Feind doch nicht losgeworden. Und je mehr der eigene Laden durcheinander und an den Rand des Konkurses gerät, desto frecher wird er wieder, der alte Feind. - Stalinisten ! Freiheitsfeinde ! "Verbot !" kräht Hubertus Knabe.

 

Wirklich interessant fand ich aber die Reaktionen in den Kreisen, die man gemeinhin "links" nennt. In der Internet-Zeitung scharf links fanden sich z. B.  gleich vier Beiträge, die mit junge welt abrechneten, und zwar in einer Weise, die den bürgerlichen Propagandisten in nichts nachstand. "Die Zeitschrift ist bis heute eine publizistische Plattform der ehemaligen Machthaber der DDR. Sie fanden mit der JW ein in der radikalen Linken einflussreiches Sprachrohr." (eine Anne Seeck, die für eine "Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus" wirbt). "Die Linke hat einen reaktionären Rand, der sich auszudehnen scheint ... Er klebt an ihr wie Scheiße am Schuh ..." ( ein "AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost/West"). Ein Herr Stanicic, ein entschieden rotzkistischer Revolutionär: "... Empörung ... Beleidigung der Intelligenz der LeserInnen ... die DDR zu keinem Zeitpunkt sozialistisch ... eine antikapitalistische Tageszeitung ... (die) sich das Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen zurück wünscht..." Eine "Emanzipatorische Linke" in der PdL (Katja Kipping u.a.): "Wir fordern den Parteivorstand sowie alle verantwortlichen Funktions-und Mandatsträger der Partei DIE LINKE auf, jegliche Zusammenarbeit mit der Tageszeitung „junge Welt" zu beenden."

 

Die junge welt-Provokation hat ein unschätzbares Verdienst. Sie war ein Lakmustest für die "Patchwork-Linke". Das Ergebnis ist Schwarzrosagrün-Färbung von Leuten, die ansonsten tiefrot daherkommen. Ihr Urteil über die DDR unterscheidet sich in der Substanz nicht von dem der Bourgeoisie. Die Verbrämung mit linken Phrasen ist geschenkt. Auf den Inhalt kommt es an, und das ist der selbe im Springerblatt Die Welt und in den scharf-links-Beiträgen. 

 

Die "linken" Hubertus-Knaben und -Mädels erinnern mich an einen gewissen Herrn Biermann. Der hat so lange vom Kommunismus gesungen, bis er endlich bei der CDU auftreten durfte. Diese Sorte Karriere muss hart erdient werden. Aber wo ein gemeinsamer Boden ist, findet sich, zumindest für den einen oder die andere, auch ein Weg. Zum Beispiel von der Emanzipatorischen Linken zur Emanzipation von der Linken. Mir scheint, solche Leute wären kein Verlust für die Linke. Ob sie für die FAZ- und taz-Redaktionen oder die Besetzung irgendwelcher Pöstchen im Machtapparat ein Gewinn sein werden, mag die Bourgeoisie selber entscheiden.

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Veröffentlicht in Sozialismus

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C
<br /> <br /> In dieser Affäre zeigt sich, was links ist und was nicht. Jene, die so hochtrabend von Emanzipation schwafeln, sind doch (mindestens hier) auf einer Längenwelle mit denen, von denen sie sich<br /> »emanzipieren« wollen. Im Zusammenhang mit jenem häßlichsten Bauwerk deutscher Geschichte nach 1945, das leider 200 Menschen zu viel das Leben kostete, möchte ich lediglich auf das berühmte<br /> Kennedy-Wort und das jüngste Buch von Streletz/Keßler verweisen.        Fünfzigtausend Leser (laut SZ) hat die jW. Sie sollte mehr haben. Sie als<br /> »Sturmgeschütz« des Antikapitalismus und der Solidarität zu verteidigen, ist Pflicht der aufrichtigen Linken und hat auch nach 89 ihre Prinzipien nicht aufgegeben (dagegen kann man im ND auch so<br /> manche Ungeheuerlichkeit lesen, die schon fast an Antikommunismus grenzt, z.B. der Kommentar über den »Massenmörder« Che). Aber: Wird die junge Welt sich nach dem Generationswechsel in der<br /> Redaktion, wenn DDR-erfahrene Leute nicht mehr zur Verfügung stehen, genauso abservieren lassen wie die TAZ — hoffentlich nicht. Ich möchte nur an die Schlagzeile auf Seite 1 vom 27. September<br /> 1989 (Berlin-Ausgabe) — anläßlich eines Staatsbesuches hochrangiger DDR-Repräsentanten in der VR China — erinnern: »Uns einen Ideen von Marx, Engels, Lenin«. Ob dies für die Chinesen noch gilt<br /> sei dahingestellt (und eher als zweifelhaft zu betrachten). Hoffentlich passt diese Umschreibung auch künftig ebenso zu den hervorragenden Verfassern der einzigen linken Tageszeitung hierzulande!<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Ich finde auch, dass die "Affäre" klärend wirkt. Das ist gut so.<br /> <br /> <br /> China: komplexe Sache. Hier im Blog stehen unter der Rubrik China zwischen den vielen Alltagsnachrichten einige analytische Texte von Leuten, die über das China von heute einiges wissen.<br /> <br /> <br /> <br />
A
<br /> <br /> @Johannes<br /> <br /> <br /> Das Hauptproblem bezüglich der "Linkspartei" ist: viele Menschen sehen dennoch diese Partei als die einzige Alternative zum System, bzw. den Systemparteien (man hat quasi die "Grünen" - die "neue<br /> CDU" - abgelöst). Da sieht man gerne über diverse "Schweinereien" (z.B. Privatisierung des Wohnraumes in Berlin, Kriegshetze, usw.) hinweg.<br /> <br /> <br /> Meiner Meinung nach spielt hier schon eine Art "Verzweiflung" mit - das kann ich deutlich in meinem privaten Umfeld sehen - man bleibt trotz größter Bedenken "bei der Fahne" - und verweigert sich<br /> einer neuen Alternative.<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Man muss, denke ich, die Linkspartei ganz cool klassenmässig einschätzen und weniger anhand ihrer linken oder weniger linken Geräusche. Sie ist nach ihrer eigenen sozialen Zusammensetzung und dem<br /> des Kerns ihrer Anhängerschaft ein Bündnis von irgendwie links gesinnten Kleinbürgern und Teilen der besser gestellten Arbeiterschaft, die noch Bezug zu gewerkschaftlicher Organisation hat.<br /> Alles, was sozial darunter ist, wird eher von oben herab paternalistisch betreut und ist in der Parteiführung so gut wie nicht oder gar nicht vetreten. Die Schwäche einer wirklichen<br /> Arbeiterbewegung und die soziale Orientierung am Kleinbürgertum (Habitus, Aufstiegsträume) eines Grossteils der Arbeiterklasse, der noch irgendwie fortschrittlich denkt, führen zwangsläufig dazu,<br /> dass das linke Kleinbürgertum auch politisch dominiert. Und wegen seiner Zwischenstellung schwankt dieses Kleinbürgertum seinerseits zwischen Orientierung auf "die da unten" (von denen<br /> man selber ja nicht so weit weg ist) und Anpassungsleistungen an die Bourgeoisie, von der via parlamentarische Demokratie ja auch ein paar Brotkörbe angeboten werden.<br /> <br /> <br /> Das eigentliche Problem ist, denke ich, nicht die Linkspartei, sondern dass sich wieder eine eigenständige Arbeiterbewegung entwickelt. Das wird nur passieren, wenn neben der Linken eine<br /> kommunistische Partei wieder stärker wird, die als Motor funktionieren kann. Das ist der Kern des Problems. Aber die meisten Leute, die dafür in Frage kommen, eine solche Avantgarde zu<br /> bilden, arbeiten sich noch hauptsächlich an ihrer Entäuschung (d.h. an ihrer Selbsttäuschung) über die Linkspartei ab und machen oft selbst in deren Rahmen "irgendwie weiter". So lange das so<br /> ist, bleibt die Linkspartei, was sie ist und wird ihre Sozialdemokratisierung unaufhaltsam sein. <br /> <br /> <br /> <br />
J
<br /> <br /> Nun, eigentlich ist es ja der 3. Lakmustest.<br /> <br /> <br /> Die Partei Die Linke hatte ihre Feuerprobe in Sachen internationale Solidarität, als es gegen Libyen losging.<br /> <br /> <br /> Biesky subventioniert im EP den Angriff.<br /> <br /> <br /> Jelpke schreibt in der JW (und wir haben nicht die JW dafür angegriffen, weil wir die Redefreiheit der Tageszeitung respektieren) einen Artikel über Afrikaflüchtlinge, der die allerübelste<br /> Hetzpropaganda und lügengespickt zum Erbrechen gegen die Jamahiria gfewesen ist.<br /> <br /> <br /> Buchholz marschiert mit salafitischen Royalisten unter deren Fahne gegen die Jamahiria und hält für die Propagandareden im Namen dieser Partei.<br /> <br /> <br /> Dann das Palästinadesaster.<br /> <br /> <br /> Jetzt innenpolitisch. Sie schliessen sich dem an, dass imperialistische Propaganda zu unterdrücken ganz böse Zensur sei, schliessen sich aber Wulffs Hetze gegen die DDR an und unterdrücken die<br /> Redefreiheit, dieser Hetze entgegen zu treten.<br /> <br /> <br /> In dem Moment habe ich kapiert, warum diese Partei so heißt: mensch soll die Linke mit Die Linke idendifizieren.<br /> <br /> <br /> Diese Partei hat jedes Recht verwirkt, im Namen der Linken zu sprechen!<br /> <br /> <br /> <br />
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A
<br /> <br /> Wohl wahr!<br /> <br /> <br /> Die Bourgeoise muß von der Diskussion innerhalb der Arbeiterbewegung ausgeschlossen werden! Laßt sie einfach geifern und schwätzen!<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Aber es ist entlarvent: der "Ikonoklasmus" gegen die DDR nimmt nicht ab, er scheint sogar stärker zu werden.<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Dem Klassenfeind geht der Arsch auf Grundeis: http://kritische-massen.over-blog.de/article-tante-faz-nach-neoliberalem-delirium-total-verkatert-81561770.html<br /> <br /> <br /> <br />
K
<br /> <br /> Hier nochmals der Link und meine Meinung zum Thema: die<br /> Macht der DDR war groß, die Angst vor dieser Macht ist heute größer den je! Übrigens verdient es berechtigter Weise die Frage zu stellen: „Wie mächtig ist eine Idee, die Idee des Sozialismus, welche beständig als Tod erklärt wird, aber doch wie etwas Überlebensgroßes bekämpft<br /> wird?“<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Danke für den Link. Eigentlich hatte ich eine längere Antwort geschrieben, aber das blöde Internet hat sie gefressen, und jetzt mag ich nicht mehr.<br /> <br /> <br /> <br />