Kopp Verlag veranstaltet Kongress in Stuttgart
I
n der politisierenden Bloggerszene werden oft Produkte des Kopp verlags verlinkt, auch von Blogs, die sich selber eher links verorten. Und umgekehrt werden in den Diskussionen im Dunstkreis dieses Verlags öfter auch linke Blogs verlinkt. Auch in meinem Blog gibt es jeden Monat ein paarhundert Klicks aus dieser Ecke, zum Teil, weil irgendein Eintrag über einen Kopp-Ticker gelaufen ist, zum Teil, weil er in Leserkommentaren verlinkt wird.
Nun ist der Kopp Verlag eindeutig rechts. Wie kommt es zu diesem "Verschwimmen" der politischen Fronten ?
Ich meine, aus zwei Gründen: Erstens ist es eine bewusste Taktik gewisser Rechter, in die linken und linksliberalen Kreise hineinzuwirken, indem sie Themen aufnehmen, die dort diskutiert werden und für diese Themen rechte "Argumente" liefern (Querfront" a la Elsässer und Konsorten). Zweitens sitzen nicht wenige Leute, die sich selber als links oder linksliberal verorten, eben solchen "Argumenten" auf.
Die Anatzpunkte dieses "Verschwimmens" können benannt werden:
- die Interpretation der Weltwirtschaftskrise als "Finanzkrise" (diese nicht als Folge und Begleiterscheinung der Überproduktions- und Strukturkrise des Kapitalismus, sondern als eigentliche Ursache);
- von da ist es nicht weit zur "anglo-amerikanischen Hochfinanz", die sich z. B. - gerade höchst aktuell ist das Beispiel der Herabstufung der EU durch S&P - gegen das arme Westeuropa verschworen hat, um es unter dem Stiefel der USA zu halten;
- von da ist es nicht weit zu Rothschild und damit zum ... "jüdischen Finanzkapital", also zur faschistischen Kapitaklismus"kritik" und deren demagogischer Unterscheidung zwischen gutem "schaffenden Kapital" und bösen "raffenden Kapital";
- ein beliebtes Scharnier ist die Gsell´sche "Geldtheorie", ein Hirnkrebs aller, die von Ökonomie keine Ahnung haben aber um so mehr darüber schreiben;
- ein weiterer Zugang ist die Vorstellung von einem superbösen US-Imperialismus (der womöglich auch noch von Israel/den Zionisten gesteuert ist) und dem vermeintlich irgendwie wenigstens etwas besseren westeuropäischen Imperialismus, der, wenn, hauptsächlich nur insofern "schlecht" ist, als er sich von den USA angeblich kolonial knechten lässt, anstatt sich zum Bollwerk gegen die "anglo-amerikanische Hochfinanz" aufzuschwingen;
- in diesem Zuammenhang wird die Kritik an dem besonders kriegerischen US-Imperialismus zum Vehikel faschismusnaher "Geopolitik", die sich bei oberflächlicher Betrachtung mit traditioneller linker Friedenspolitik und linker Solidarität zwischen den Völkern kreuzt;
- das Geschwafel von der "Globalisierung" wird von rechter Seite in Phantasien von einer weltweiten Verschwörung übergeleitet ("Eine-Welt-Regierung", Bilderberger)
Der Kopp Verlag ist zunächst einfach ein Geschäft, das sich einige Marktsegmente erschlossen hat und dort die Bedürfnisse einer gewissen Kundschaft nacj Welterklärung und Sinnstiftung bedient. Noch der letzte esoterische Blösinn wird vermarktet, wenn er Kohle bringt. Aber darüber hinaus hat dieser Verlag offenbar auch ein originär politisches Aliegen über das Geschäftsinteresse hinaus: die Verbreitung rechter Propaganda, einschliesslich faschistischer, völkischer, rassistischer und antikommunistischer Propganda.
Dieser verlag hält jetzt einen Kongress ab. Dazu schreibt Claudia Wangerin heute in junge welt:
Geschlossene Gesellschaft: Rechtspopulistischer Kopp Verlag veranstaltet nahe Stuttgart Kongreß über »Europa vor dem Crash«
Von Claudia Wangerin Nicht nur fliegende Untertassen gehören zum Repertoire des rechtspopulistischen Kopp-Verlags Foto: flickr.com |
Für diese Zielgruppe ist es natürlich ein Klacks, 69 Euro Eintritt für den Kongreß »Europa vor dem Crash« zu berappen, den der Kopp-Verlag am 4. Februar in der Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen nahe Stuttgart veranstaltet. Doch auch das zahlungskräftige Publikum scheint von Hand verlesen zu werden. Es handle sich um eine nichtöffentliche Veranstaltung, betonte der Geschäftsführer des Kongreß- und Tagungszentrums Filderhalle, Nils Jakoby, am Dienstag gegenüber junge Welt. Vermutlich, weil mit Protesten gerechnet wird.
Laut öffentlicher Ankündigung auf den Internetseiten des Kopp Verlags soll unter anderem darüber diskutiert werden »Welche Rolle die amerikanische Hochfinanz im Währungskrieg zwischen Dollar und Euro spielt«, »Wann es zu einer Währungsreform kommen wird und ob wir bald die Rückkehr zur D-Mark erleben werden« sowie »Ob es nach Paris, London und Griechenland auch in Deutschland zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommen wird.« Udo Ulfkotte steht als »Sicherheitsexperte« auf dem Programm.
Moderiert wird der »Kongreß der Superlative«, wie es im Werbetext des Kopp-Verlags heißt, von Eva Herman. Die Ex-Tagesschausprecherin, die sich seit einiger Zeit berufen fühlt, das Frauenbild vergangener Zeiten zu restaurieren, ist somit die einzige Frau auf dem Podium. 2007 hatte sie sich mit ihrem langjährigen Arbeitgeber überworfen, da sie bei einer Buchvorstellung gesagt hatte, »das Bild der Mutter in Deutschland« müsse wieder mehr Wertschätzung erfahren, da es »leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde.« Zuletzt machte Frau Herman von sich reden, indem sie Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) in einem offenen Brief dafür geißelte, daß diese als Mutter einen kleinen Tochter berufstätig ist.
Doch eigentlich geht es bei dem Kongreß nicht um Geschlechterfragen, sondern um die reaktionäre Variante der EU-Kritik – was man bei manchen Referenten am schnellsten an der Gesellschaft merkt, in die sie sich vorzugsweise begeben. Zum »Expertenteam« auf dem Podium des Kopp Verlags zählt auch Prof. Dr. Karl Albrecht Schachtschneider. Die NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag benannte den Staatsrechtler als Sachverständigen bei einer Anhörung zur Grundgesetzkompatibilität des EU-Verfassungsvertrages im September 2005. Im selben Jahr vertrat Schachtschneider den CSU-Bundestagsabgeordneten Peter Gauweiler bei dessen Verfassungsbeschwerde gegen den EU-Vertrag, der dann allerdings in den Referenden in Frankreich und den Niederlanden durchfiel. Schachtschneider soll Mitglied der SPD, der CDU sowie 1994 Gründungsmitglied der rechtspopulistischen Kleinpartei Bund freier Bürger gewesen sein, die er jedoch bald wieder verließ. Als Eurokritiker der ersten Stunde gilt auch Prof. Wilhelm Hankel, der seine Ansichten unter anderem in der rechten Wochenzeitung junge Freiheit verbreitete. Auch ihn kündigt der Kopp-Verlag als Referenten an. 2010 reichte Hankel zusammen mit Schachtschneider und zwei weiteren Professoren, die das Magazin Spiegel dafür als »Eurofighter« titulierte, in Karlsruhe eine Verfassungsbeschwerde ein, um die Milliardenkredite der Bundesregierung zur Abwendung des Staatsbankrotts in Griechenland verbieten zu lassen.
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