Libyen: Stand der Dinge

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

 

Das Bild, das aus den Mainstream- und den wenigen kritischen Medien über die militärische Lage in Libyen gewonnen werden kann, ist verworren. Während in den kritischen Medien davon die Rede ist, dass die Regierungskräfte nach wie vor einen grossen Teil des Landes kontrollieren, behaupten die Mainstream-Medien, der "Übergangsrat" sei dabei, die letzten Widerstandsnester zu besetzen. Die NATO bombt weiter, wie es scheint massiver denn je. Die Truppen Gaddafis melden, dass sie eine grössere Anzahl von NATO-Militär gefangen oder getötet haben. Mehrere Angriffswellen mit Bodentruppen gegen Sirte, Bani Walid und offenbar auch andere Städte sind, bei grossen Verlusten der "Rebellen", abgeschlagen worden. Die Städte werden angeblich seit jetzt ungefähr drei Wochen belagert, täglich gebombt und mit Artillerie und Panzern beschossen. Trotzdem ergeben sie sich bis jetzt nicht.

 

Auffällig scheint mir zu sein, mit welcher Eile die NATO ihren "Übergangsrat" zu einer Art offizieller Regierung erklärt und deren internationale Anerkennung durchgedrückt hat. Es ist, als wollten die Aggressoren auf dem politischen und diplomatischen "Parkett" Fakten schaffen, die der wirklichen Lage in Libyen selbst gar nicht entsprechen. Sie haben damit alle möglichen Brücken für eine Verhandlungslösung zwischen den Libyern selbst zerstört und eine "nationale Versöhnung", wie sie von der Afrikanischen Union vorgeschlagen worden ist, unmöglich gemacht. Die regierungs-loyalen Kräfte, nicht zuletzt die Stämme, haben jetzt nur noch die Alternative, sich zu unterwerfen oder weiterzukämpfen. Die Erfahrung mit dem Benehmen der NATO-Quislinge in den von ihnen besetzten Gebieten - Massaker, Säuberungsaktionen von Haus zu Haus, Lynchmord - lässt den Loyalisten kaum eine andere Wahl als weiterzukämpfen. Aufzugeben würde bedeuten, sich in die Hände eines tollwütigen Feindes zu geben und das Leben womöglich trotzdem zu verlieren - nicht im Kampf, sondern von der Hand von Mördern. 

 

Die Erfolglosigkeit der Bodenoperationen zeigt: Ohne die NATO-Luftwaffe hätten die Quislinge und die NATO-Spezialtruppen militärisch nach wie vor keine Chance. Sie wären schon im Februar erledigt gewesen, hätte die NATO nicht massiv eingegriffen. Und nach mehr als einem halben Jahr NATO-Luftterror sind die Gaddafi-treuen Kräfte immer noch in der Lage, sie zu schlagen. Das ist völlig undenkbar ohne einen starken Rückhalt in der Bevölkerung. Allein diese Tatsache beweist, dass die Behauptungen von einer allgemeinen Opposition gegen Gaddafi Lügen waren und das Gegenteil der Fall ist.Isoliert sind vielmehr wohl die "Rebellen". Man muss sich vor Augen halten: Eine Bevölkerung von vielleicht fünf Millionen trotzt seit mehr als einem halben Jahr der stärksten Militärmacht der Welt und kampferfahrenen Söldnerbanden und Spezialtruppen !

 

Die Zahl der Toten und Verletzten und die angerichteten Zerstörungen werden über lange Zeit die libysche Gesellschaft prägen. Die Verräter, die zur NATO übergelaufen sind, haben eine moralische Schuld auf sich geladen, die noch in der nächsten Generation unvergessen sein wird. Sie haben sich auf die Seite derer geschlagen, die aus einem relativ wohlhabenden Land und geordneten friedlichen Verhältnissen ein Land gemacht haben, in dem die Infrastruktur schwer zerstört ist, Zehntausende ums Leben gekommen sind, eine sicher sechsstellige Zahl von Menschen verletzt ist, mindestens eine Million Bürger fliehen mussten und das, im Fall des Sieges der NATO, in einen kolonialen oder halbkolonialen Status zurücksinkt oder territorial zerrissen wird. Selbst wenn die NATO siegt, ist das der Boden für weitere innere Kämpfe und Versuche, die Besatzer davonzujagen.

 

Mit dem kleinen Wohlstand wird es unter NATO-Besetzung vorbei sein. Von den Öleinnahmen wird einer Quisling-Regierung nur eine kleine Provision zukommen, und auch diese Einnahmen werden zum grössten Teil in die Taschen einer Kompradoren-Bourgeosie fliessen. Die Zeiten eines kostenlosen Gesundheits- und Bildungswesens, sozialen Wohnungsbaus in grossem Umfang, des Studiums im Ausland auf Regierungskosten, eines "Grundeinkommens" für alle aus den Öleinnahmen werden vorbei sein. Für die Masse der Bevölkerung wird der Lebensstandard drastisch sinken. Es wird wieder Armut geben, die in Libyen schon beseitigt war.

 

Das ist die Praxis dessen, was die Aggressoren Demokratie und Freiheit nennen. In Libyen ist das noch Zukunft. Im Irak, in Somalia und Afghanistan kann aber schon besichtigt werden, worin diese Sorte Demokratie und Freiheit besteht. Der Absturz wird angesichts der relativen Wohlhabenheit Libyens noch viel grösser sein als in diesen Ländern, in denen auch vor der imperialistischen Unterwerfung die Lebensverhältnisse ärmlich waren.

 

Die NATO-Militärmaschinerie mag unbezwingbar sein. Aber die Imperialisten haben den Menschen in den Staaten, die sie besetzen, nichts zu bieten. Ausser einer kleinen Schicht, die sie sich mit Geld und Posten für Quisling-Funktionen gefügig machen, verlieren alle. - Wenn Libyen unterworfen werden kann, beginnt der Kampf um Befreiung. Die Völker werden siegen.

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Veröffentlicht in Afrika

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K
<br /> <br /> Und noch mal Sepp,<br /> <br /> <br /> habe in meinem Kommentar oben<br /> unter Klassenkampf einen falschen Link eingebaut. Passiert und so führt er etwas im Kreis herum. Übrigens findet sich<br /> eine sehr interessante Beschreibung des Klassenkampfes auch anderswo. Inhaltlich durchaus<br /> gleich, ist letztere zugegeben interessanter geschrieben, populärer.<br /> <br /> <br /> Nächtlichen Gruß<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Danke für den Link. Ich kannte ihn zwar schon, weil ich regelmässig auf die Site der KI Gera gucke, aber die meisten Leserinnen und Leser meines Blogs tun das vermutlich nicht.<br /> <br /> <br /> <br />
K
<br /> <br /> Hallo Sepp,<br /> <br /> <br /> den Text auf meiner Seite hatte ich fertig, schnell ins Netz gestellt, nur wie ich eben feststellen musste, einige Zeichen nicht raus genommen, welche den Text soweit nach hinten rücken, dass er<br /> nicht mehr zu sehen ist. Nun ja, passiert, wenn man unter Zeitdruck ist.<br /> <br /> <br /> Gruß<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> "Zeitdruck" - das kenn ich. In meinem Blog sind die Einträge ohne Tippfehler wahrscheinlich in der Minderzahl.<br /> <br /> <br /> <br />
K
<br /> <br /> Ja Sepp,<br /> <br /> <br /> so ist es, anschaulicher Beitrag, wo ja gerade nicht all zu viel über den Krieg in den Medien zu erfahren ist. Dort wird eher Frieden simuliert, nicht NATO-konforme Presse wurde ausgesperrt und<br /> glaubwürdige Informationen sind spärlich, aber auch keine Information ist Information! Da bis jetzt noch kein endgültiger Sieg verkündet wurde, kann getrost davon ausgegangen werden, dass dieser<br /> noch in weiter Ferne liegt.<br /> <br /> <br /> Übrigens hatte ich Deinen Text heute Vormittag schon verlinkt, musste dann aber weg und komme so jetzt erst dazu meinen Kommentar fertig zu stellen. In diesem Zusammenhang kann ich den beiden<br /> Vorkommentatoren zum Teil zustimmen. Letztlich kommt es auch für uns darauf an entsprechende Schlüsse zu ziehen.<br /> <br /> <br /> Krieg, Imperialismus und Schuldenkriesen, das hängt durchaus zusammen, es kommt aber auch darauf an die Ursachen zu erkennen und zu benennen, sie sind letztlich Folgen kapitalistischen<br /> Wirtschaftens. Von der Erscheinung zu Wesen, die Ursachen sitzen tiefer und entspringen objektiven Gesetzmäßigkeiten kapitalistischen Wirtschaftens. Das berechtig durchaus dazu die Frage zu<br /> stellen, kann Kapitalismus in seiner höchsten Phase überhaupt anders? Dabei werden Kriege schon lange nicht mehr nur um Ressourcen und Absatzmärkte geführt, sondern auch um des Kriegsführens<br /> selbst, Krieg nicht nur als die Fortsetzung der Politik mit andere Mitteln und indirektes Mittel ökonomischen Treibens, sondern als direktes Mittel der Ökonomie selbst. Kriegskapitalismus<br /> schlechthin!<br /> <br /> <br /> Nur wie raus aus dieser Sackgasse, der Kapitalismus ist dazu nicht in der Lage, diese Gesellschaftsformation treibt die Menschheit immer weiter an einen Abgrund, welcher deren Existenz selbst in<br /> Frage stellt. Und besinnen wir uns, was werden denn für Kämpfe geführt, sind es nicht letztlich Klassenkämpfe, oder Klassenkampf? Die<br /> Kräfte des Kapitals führen diesen offen und zwar ökonomisch, politisch und ideologisch. Dabei gibt es durchaus ein Proportionalität, denn desto mehr der Klassenkampf geleugnet wird, desto härter<br /> wird er von Seiten der Kräfte des Kapitals geführt. Leider weitestgehend nur einseitig, da das Proletariat dazu gebracht wurde sich selbst zu leugnen und seine eigenen Interessen den Interessen<br /> des Kapitals weitestgehend unterzuordnen. Aufklärung tut Not, Erkenntnis über die eigentlichen Ursachen gesellschaftlicher Verwerfungen müssen errungen und verbreitet werden, Interessen erkannt<br /> und benannt, dabei vor allen auch die eigenen Interessen, welche die meisten Menschen gemeinsam haben.<br /> <br /> <br /> Nun ergeben sich die Stellung und die Rolle des Proletariats nicht auf Grund von Verkündigungen, sondern objektiv aus der Stellung innerhalb der kapitalistischen Produktionsverhältnisse.<br /> Letztlich ist es unabdingbar, ohne Proletariat würde es auch keine kapitalistische Produktionsweise geben, denn das Kapital braucht die frei handelbare Ware Arbeitskraft, ohne diese ist es<br /> nichts, also wird es dieses auch beständig neu schaffen!<br /> <br /> <br /> Aber was hat das alles mit dem Thema Libyenkrieg zu tun? Einem Land in dem es noch sehr ausgeprägte feudale Stammesstrukturen gibt? Meines Erachtens sehr viel, denn dieser Kampf wird in jedem<br /> Land des Kapitals geführt! Die Medien führen z. B. den ideologischen Kampf, aber auch politisch und ökonomisch richtet er sich gegen die eigenen Völker. So müssen die Völker von Sinn und<br /> Richtigkeit dieses Krieges überzeugt werden, deren Widerstand muss gebrochen, die eigenen Völker müssen stillhalten und ökonomisch dafür herhalten das Kriege geführt werden können. Gerade<br /> ideologisch wird der Kampf um die Köpfe geführt, denn wenn die eignen Völker nicht wollen, dann sieht es schlecht mit dem Führen von Kriegen aus.<br /> <br /> <br /> Und der Kampf wurde in den letzten Jahren, Jahrzehnten fürs Kapital erfolgreich geführt, was gerade auch im Zusammenhang mit dem Krieg in Libyen zu sehen ist, der Widerstand hierzulande war<br /> gleich Null. Die Menschen wurden lange auf inhaltslose Floskeln wie Demokratie, Diktatur, Freiheit, Menschenrechte etc. eingeschworen, den einzelnen Begriffen wurden Wertungen zugeordnet,<br /> unabhängig der wirklichen Verhältnisse! Wie Prädikate werden diese entsprechend verwendet, Demokratie = Gut, Diktatur = Böse, Freiheit sehr allgemein, nie konkret = Schützenswert, selbst wenn es<br /> auf Kosten der Freiheit ganzer Völker ist. Ja, Schwarz/Weiß, Gut/Böse, dass sind die Schemen auf welche die Menschen getrimmt wurden und werden. Die Medien, sie sind das Opium für das Volk der<br /> Gegenwart, welches dem Volk beständig, bei steigender Dosis verabreicht wird. Aufklärung tut Not!<br /> <br /> <br /> Gute Nacht<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Hallo Thomas.<br /> <br /> <br /> Mir war schon aufgefallen, dass in Deinem Blog zu der Übershrift "Gedanken zu Libyen" kein Text steht.<br /> <br /> <br /> <br />
A
<br /> <br /> Ich kann meinem Vorredner nur beipflichten.Wir sind für diese 5% der Saturierten nur ein<br /> <br /> <br /> lästiger Appendix.Dieser morbide Wachstumswahn,exponentielle monetäre Politik und Kriege<br /> <br /> <br /> um Ressourcen treiben uns unweigerlich in die Katastrophe.Überwachungsirrsinn und zunehm-<br /> <br /> <br /> ende faschistoide,xenophobe Tendenzen sind nur die üblichen Begleiterscheinungen des Ganzen.Gruß Matthias<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Die "5 %" haben sicher keine moralischen Skrupel, aber mit unsereiner ein anderes Problem: Wir sollen möglichst wenig kosten, aber wir sind die, die den gesellschaftlichen Reichtum schaffen, den<br /> sie sich erst dadurch aneignen können. Sogar die "Überflüssigen" brauchen sie - um die, die noch gebraucht werden, unter Druck setzen zu können ("Wenns dir nicht passt - vor der Tür stehen zehn<br /> andere, die deinen Job wollen").<br /> <br /> <br /> <br />
A
<br /> <br /> Sepp, Du hast es ausführlich und zutreffend beschrieben: Was in Libyen geschieht ist ein Verbrechen des Westens unter stillschweigender Duldung der Russen und Chinesen. Ich könnte schreien, wenn<br /> ich nur an dieses Unrecht denke! Wie ich in meinem Blog schrieb, hat Obama dieses Verbrechen als Modellfall für Interventionen im 21. Jahrhundert bezeichnet! Die Begriffsverdrehung und offene<br /> NATO-Propaganda in unseren Medien ist ein Fanal für das, was uns im sogenannten demokratischen Westen noch blüht. Dieser Raubkrieg hängt direkt zusammen mit den diversen Schuldenkrisen, nur wird<br /> hier die eigene Bevölkerung von der "eigenen" Regierung beraubt bis zur bitteren Armut um letztlich die Kreise zu bedienen, die auch an Libyen verdienen werden. Manchmal frage ich mich, ob wir<br /> nicht schon in die Anfangsphase eines gigantischen Bevölkerungsvernichtungsprogrammes eingetreten sind, denn für die oberen fünf Prozent der Welt sind die anderen 95 Prozent doch zunehmend nur<br /> lästig, oder?<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Normalerweise versuche ich, "cool" zu bleiben und die Dinge so wahrzunehmen, wie sie eben sind. Aber ich kann nichts dagegen machen, dass ich auch Wut spüre. Ich gestehe sie mir schon zu, sie<br /> darf bloss nicht blind machen.<br /> <br /> <br /> Bevölkerungsvernichtungsprogramm: Mein Vater hat mich gelehrt: "Wenn denen zu viele Menschen sind, machen sie wieder einen Krieg." Arbeitskräfte brauchen die Reichen schon, weil sie anders nicht<br /> reich wären und ausserdemn zu blöd sind, sich selber ein Ei in die Pfanne zu schlagen. Um die allzu Überflüssigen auszusondern, brauchen sie allerdings nicht einmal Kriege. Dafür sorgt schon ihr<br /> "Markt". - Biosprit statt Nahrungsmittel z.B. . Laut OECD verrecken jedes Jahr um die 25 Millionen Kinder an läppischen Krankheiten und shlechtem Trinkwasser. - Das ist die Freiheit des Marktes.<br /> <br /> <br /> <br />