Nachtrag zum 17. Juni: die aufstaendischen Wuehlarbeiter - 2010 so schweigsam

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

In diesem Beitrag wurde der 17. Juni 1953 thematisiert: http://kritische-massen.over-blog.de/article-wuehlarbeiteraufstand-am-17-juni-52624552.html . Er ist, fuer die Verhaeltnisse dieses Bloegleins, oft gelesen worden. Ich hatte die Ueberschrift gewaehlt, um zu provozieren und ein paar wuetende Reaktionen erwartet. Nichts, keine einzige. Das gibt mir zu denken. Wo sind sie denn, die Verteidiger von freedom&democracy ? Es ist ja nicht, dass sie nicht in diesem Blog lesen wuerden. Also ?

 

Mein Denkresultat ist: Das kommt davon, dass die Mainstream-Medien den 17. Juni heuer so gut wie totgeschwiegen haben. Sie werden von Jahr zu Jahr stiller, was dieses Datum betrifft, scheint mir.

 

Dabei war es doch einmal ein Muss, anlaesslich des 17. Juni die unmenschliche Diktatur der Kommunisten anzuprangern und das Darben und die Unfreiheit in der "Sowjetzone" zu ... nunja, nicht zu schildern, aber doch fleissig zu erfinden. Nicht einmal Suedfruechte ... In der Zwergschule des bayerischen Dorfes, in dem ich aufwuchs, wurden seinerzeit die unschuldigen westdemokratischen Kindlein nachdruecklich angehalten, abends Kerzen ins Fenster zu stellen, zum Gedenken an die armen toitschen Brueder und Schwestern im Spitzbartstaat. Und unsere Eltern wurden nachdruecklich angehalten, Nylonstruempfe und Schokolade zu spenden, die wir unschuldigen Kindlein dann waehrend der Unterrichtszeit zu DEIN PAECKCHEN NACHR DRUEBEN zu packen hatten. Spaeter hiess die "Sowjetzone" dann SOGENANNTE DDR oder "DDR". Sogenannt oder Gaensefuesschen waren Vorschrift. Wer einfach DDR schrieb, galt als verdaechtig. Womoeglich war er ein Kommunist.

 

Drei Jahrzehnte lang war der 17. Juni ein Feiertag mit obligatorischen Hetzreden noch im abgelegensten Marktflecken. Nichts ist mehr uebrig von der alten demokratischen Wehrhaftigkeit. Nicht einmal Herr Gauck, der fromme und freiheitsleibende, ermannt sich am 17. Juni 2010, die "zweite deutsche Diktatur" ins rechte, naemlich ins rechte, Licht zu stellen; jedenfalls nicht, dass das irgendjemand beschlagzeilt haette.

 

Was ist denn los, Leute ? Da schreiben Kommunisten, ausgerechnet zum 17. Juni, die eine oder andere unangenehme Wahrheit, beschmutzen frech das toitsche Nest - und keiner haelt dagegen ?!

 

Warum denn nicht ? Ist es wegen der Suppenkuechen, die es in der DDR nicht gab ? Wegen der Arbeitslosigkeit, 1-Euro-Jobs, horrenden Krankenkassenbeitraegen, sinkendem Lebensstandard, geschlossenen Schwimmbaedern und Bibliotheken in den notleidenden Kommunen, deutschen Landsern wieder ueberall auf der Welt - lauter Sachen, die es in der DDR nicht gab ? Geniert euch doch nicht, ihr wackeren Vorwaertsverteidiger von freedom&democracy ! Steht doch zu den Vorzuegen der wahren Freiheit ! Wer wird denn gleich keinlaut werden ?!

 

Oder ist da eine Angst ? Vor einem wirklichen Arbeiteraufstand, Volksaufstand ? Ist euch jetzt mulmig, jahrzehntelang einen angeblichen Volksaufstand beweihraeuchert zu haben, weil ein wirklicher stattfinden koennte ? War die Assoziation Arbeiter - Volk - Aufstand am falschen Objekt einzutrichtern, am Ende vielleicht ein wenig kurzsichtig ? Schweigt ihr deswegen ?

 

Wenn, dann schweigt ihr zu spat. Die Assoziation Arbeiter - Volk - Aufstand ist nun schon in den Koepfen. Sie braucht sich bloss noch gegen die Richtigen zu richten. - Was wieder einmal beweist, dass nichts so falsch sein kann, dass nicht doch ein Koernchen Wahtheit drinstecken wuerde. Ihr versteht, was ich meine ?

 

____

 

Hier wird die im kucaf-Blog angestossene Diskussion weitergefuehrt:

 

Einer der wenigen verbliebenen Beherzten, ein Herr Ruediger, schrieb und Thomas/kucaf antwortete:

 

http://kucaf.de/2010/06/20/nun-ja-es-war-krieg-wenn/

 

 

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W
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W
<br /> <br /> Hallo,<br /> <br /> <br /> als alter Leipziger sehe ich das ähnlich!<br /> <br /> <br /> Gruß<br /> <br /> <br /> Wolfram<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Woran man sieht, dass alte Leipziger und alte Niederbayern Dinge aehnlich sehen koennen.<br /> <br /> <br /> Gruss<br /> <br /> <br /> Sepp<br /> <br /> <br /> <br />
K
<br /> <br /> Hallo Sepp,<br /> <br /> <br /> ein interessanter Beitrag, welchen Du hier verfasst hast und den ich mit diesem Kommentar versehen, ergänzend zu den anderen Beiträgen, ebenfalls verlinken werde. Bezeichnend auch die von Dir<br /> benannten Ursachen, warum es so ruhig um dieses „Jubiläum“ geworden ist. Da reicht es gerade noch im Bundestag das alte Ritual mit einer Rede zu pflegen, welche sich nicht einmal mehr groß in der<br /> Presse spiegelt. Nein, die Themen sind heute andere und wer möchte den heute noch ernsthaft behaupten, dass Interessen der Arbeiterklasse und der anderen Werktätigen in dieser Republik<br /> Berücksichtigung finden, oder je gefunden haben. Die Praxis selbst ist der schlagende Beweis gegen solche Behauptungen. Ja, die Zeiten ändern sich und die 'Asche aufs Hauptmentalität' vieler<br /> Ostdeutscher lässt den Umständen geschuldet so langsam auch nach. Die Betrachtung der eigenen Geschichte lassen sich immer weniger Vorschreiben und gelegentlich findet man sogar zum alten<br /> Selbstbewusstsein zurück, was an mancher Diskussion sichtbar wird. So auch in der Diskussion, welche ich zum Teil auf meiner Seite gespiegelt habe, aber die eigentlich und wesentlich<br /> umfangreicher in der Mailingliste der<br /> Freidenker geführt wurde/wird. Dabei habe ich dem Namen meines Gegenüber, im von Dir verlinkten Beitrag, das 'Herr' vorangestellt, um die für solche Diskussionen notwendige Distanz zu erhalten.<br /> <br /> <br /> Leider haben Mailinglisten einen entscheidenden Nachteil, sie haben keine nachzuvollziehende Geschichte, es sei denn, man hat alles Benachrichtigungen gespeichert. Für jemanden, welcher zum<br /> Beispiel neu hinzukommt, sind laufende Diskussionen schwer nachzuvollziehen. Aus diesem Grund auch die gelegentliche Spiegelung von Diskussionsbeiträgen von mir, mit entsprechenden Verweis<br /> (PDF-formatierter Gegenstandstext), in meinem Blog. Hatte ich in anderen Zusammenhängen übriges früher auch schon praktiziert.<br /> <br /> <br /> Grundsätzlich und um das Thema etwas zu ergänzen, ist es gerade für die linke Bewegung, selbst wenn dieses eine relativ schwammige Bezeichnung ist, wichtig, die jüngere deutsche Geschichte und<br /> speziell auch die Geschichte der DDR kritisch aufzuarbeiten. Dabei betrachte ich Kritik, wie oft üblich, nicht mit negativen Vorzeichen, aber letztlich ist nur die Linke und damit meine ich nicht<br /> die Partei, welche sich vereinnahmend so nennt und im übrigen bewiesen hat, dass sie dieser Aufgabe nicht gerecht wird, in der Lage diese Aufgabe zu meistern!<br /> <br /> <br /> Gruß<br /> <br /> <br /> Thomas<br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br />
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