Noch ist Polen nicht verloren ...

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner



In der Aussenpolitik gibt es fuer die osteuropaeischen Staaten drei Pole: Deutschland, Russland, USA. Soweit diese Staaten ueberhaupt in eigenem Interesse agieren koennen, gilt es, sich zwischen diesen Kraftfeldern so einzurichten, dass ein Rest eigener Souveraenitaet erhalten bleibt. In wirtschaftlicher Hinsicht hat der deutsche Pol die groesste Kraft. Staaten wie Tschechien, Polen und die baltischen suchen dies ueber Sonderbeziehungen mit den USA, nicht zuletzt militaerpolitischer Art, auszugleichen. Der besondere Eifer beim "Engagment" in der NATO, in der die USA die dominierende Macht sind, und u.a. bei der Beteiligung an der Besetzung des Irak, bringen das zum Ausdruck. Fuer Tschechien und Polen stand auch das US-Raketenprojekt, das jetzt gecancelt ist, in diesem Zusammenhang (gleichzeitig, jedenfalls fuer Polen, gegen den russischen Pol gerichtet).

Deutschland sieht naturgemaess die Umtriebe der USA in Osteuropa mit scheelen Augen, weil sie eine Schranke fuer die eigenen sind. Obamas Raketen-Absage wurde denn auch beifaellig und, mit der noetigen diplomatischen Vorsicht, mit Haeme registriert. Die FAZ von heute befindet, die USA haetten gerade Polen schon wieder entaeuscht. Die polnische Regierung habe sich naemlich instaendig die Anwesenheit des US-Praesidenten beim Gedenken an den 70. Jahrestag des "Kriegsausbruchs" ! Originalton FAZ; der Krieg ist nicht einfach von Nazi-Deutschland begonnen worden, sondern er ist "ausgebrochen") gewuenscht, der aber habe lieber in Daenemark Olympia-Werbung gemacht. Und ueberhaupt, staenkert Tante FAZ, diese instinktlos-unsensiblen Amis - haben den "Raketenschild" ausgerechnet am Jahrestag des "russischen Einmarsches" in Polen abgesagt.

An solcher USamerikanischer Unzuverlaessigkeit, womoeglich Schwaeche, jedenfalls aber Instinktlosigkeit, sehe man doch, meint Tante FAZ, dass das "neue Europa" - Rumsfelds Schlagwort fuer die willigen osteuropaeischen Staaten - kein Weg sei. Was ist dagegen der Weg ? - "Das "neue Europa" ... beginnt sich umzuorientieren. Gerade in Polen waechst die Ueberzeugung, dass sich das Betteln um Sonderbeziehungen zu Washington nicht ausgezahlt hat. Mehr kann der sechstgroesste Staat der EU erreichen, wenn er sich staerker in und fuer Europa engagiert." Sprich: sich mit der uebermachtigen deutschen Nachbarschaft abfindet und sich auf ihre Unvermeidlichkeit eirichtet. - Noch ist Polen nicht verloren ... fuer Deutschland.


Bezug: http://www.faz.net.de/ , 22.10.2009, "Polnisches Trauma"


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