Offener Brief der DKP Sachsen-Anhalt an die ehemaligen SED-Mitglieder

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Die SED hatte an die 2,3 Millionen Mitglieder. Nach ihrer Umwandlung in die PDS blieben weniger als 200 000. Die heutige Linkspartei zählt um die 80 000 Mitglieder, von denen aber über 10 000 aus der WASG, also den alten Bundesländern kommen. Andere Organisationen, die der SED nachfolgten und deren Mitglieder sich weiterhin als Kommunisten verstanden, blieben klein.

 

Wo sind sie alle hin, die 2,3 Millionen ? Die meisten haben sich ins Privatleben zurückgezogen, sich am ungewohnt harten Leben in der wahren Freiheit abgearbeitet. Es blieb vielleicht das Stimmkruzchen für die PDS respektive Linkspartei. Für eigenes Engagement reichte es nicht mehr. Dann gab es die Wendehälse, für die sich nicht viel änderte: Sie blieben die Opportunisten, die sie auch vorher gewesen waren, bloss dass sie diesen Hang nicht mehr als SED-Mitglieder auslebten, sondern als CDUSPDFDP-Mitglieder.

 

Aber Zehntausende, vielleicht Hundertausende ehmaliger SED-Mitglieder leben an einer Grenze. "Eigentlich" sollte man doch wieder "was tun". Aber was und unter welchem Organisationsdach ? Und lohnt es sich, kann denn überhaupt was bewegt werden ? Man wählt doch immerhin Linkspartei, genügt das nicht ?

 

An diese Schwankenden, Zweifelnden, "eigentlich" Kommunisten gebliebenen ehemaligen DDR-Bürger wendet sich die DKP Sachsen-Anhalt in einem offenen Brief:

 

Offener Brief des Koordinierungsrates der DKP Sachsen Anhalt an die

ehemaligen Genossinnen und Genossen der SED

Liebe Freunde, Genossinnen und Genossen,

 

 

Über eineinhalb Jahrzehnte nach der Wende oder besser gesagt -

der Konterrevolution - liegen hinter uns. Die politische Enttäuschung

für jeden Einzelnen von uns war zu Beginn jener Ära groß und wirkt

auch heute noch. Die SED, so auch die Kreisparteiorganisation brach damals

zusammen. Nur wenige von uns, fanden auf der Suche nach einer neuen politischen

Heimat den Weg in die PDS oder die DKP.

 

Viele von uns bewegt, so glauben wir, noch heute die Frage nach den Ursachen für

den Niedergang des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden. Noch

leben viele von uns, die sich im realen Sozialismus bemüht haben, immer und überall

ihr Bestes zu geben. Nicht wenige von uns fragen heute berechtigt, wie es möglich

war, dass ihr Bestes nicht ausgereicht hat.

 

Jedoch mit der Suche nach Fehlern, Schuldzuweisungen und wissenschaftlichen

Auslegungen, bewusst oder unbewußt zweifelhaften, oftmals aus der Not geborenen

Entscheidungen oder mit der Verklärung der Vergangenheit wird die Entwicklung

unserer marxistisch-leninistischen Theorie keinen Schritt voran gebracht. Aber es ist

notwendig die Vergangenheit analytisch aufzuarbeiten. Bei der Aufarbeitung werden

wir feststellen, dass es nicht nur Fehler gab, auch viel Gutes können wir nachweisen.

Erinnern wir uns an das Recht auf Arbeit, an den komplexen Bereich der

Volksbildung, der Kultur, des Sports, des Gesundheitswesens und und und...

Wir stellen fest, in der DDR haben wir beim Aufbau des Sozialismus vielfach gute

Ergebnisse erreicht.

 

Diese Errungenschaften reichten aber nicht aus, das Volk der DDR war unzufrieden.

Der Nährboden für die vom Gegner geplante Konterrevolution war vorhanden. Hinzu

kam die verräterische Politik von Gorbatschow, Jelzin und Co. Die hinter uns liegende geschichtliche Zeit macht aber auch deutlich, dass wir eine beträchtliche Anzahl von Karrieristen in der SED hatten.

 

Es gab auch nicht wenige Genossen in der SED, die die Theorie des Marxismus -

Leninismus gebetsmühlenartig herunter beteten, von denen heute aber nichts mehr

zu hören ist. Das ist aber keinesfalls eine Entschuldigung für das Versagen der SED.

Die ungenügende Anwendung der innerparteilichen Demokratie, die oftmals

dogmatische Anwendung des Marxismus-Leninismus, die Überbetonung des

Zentralismus, um nur einiges zu nennen, war mit die Ursache für die schmerzhafte

Niederlage der SED und unseres sozialistischen Staates.

 

Die Wortführer vom Herbst 1989, die nach einem "Besseren Sozialismus" riefen,

wollten ihn in Wahrheit abschaffen und die DDR in den Kapitalismus zurückwerfen.

Das Hauptanliegen des Gegners bestand darin, die SED definitiv auszuschalten, was

den Hauptakteuren unter Einbeziehung der Unzufriedenen auch gelang. Die

Forderung jedoch nach einem "gewandelten Sozialismus" war nichts anderes als die

Tarnbezeichnung für die Bekämpfung des gesellschaftlichen Systems der DDR.

Heute noch, nachdem die DDR als erster sozialistischer Staat auf deutschem Boden

von der BRD einverleibt wurde, müssen wir feststellen, dass die DDR ihnen schwer

im Magen liegt.

 

Eine Lüge nach der anderen wird im Kontext mit antikommunistischer Propaganda

über unseren sozialistischen Staat verbreitet. Treffend schreibt Ralph Hartmann in

seiner jüngsten Publikation "Die DDR unterm Lügenberg..", dass kaum ein Tag

vergeht, an dem nicht Lügen, Halbwahrheiten und Verfälschungen in grober

-Unsachlichkeit oder in süßer Alltagsverpackung - sich über die Massenmedien und

Druckerzeugnisse ergießen.

 

Dazu kommt, dass geschichtsfälschende Schreiberlinge weit davon entfernt sind, auf

Fakten und Argumente sachlich und kompetent zu reagieren. Statt blühender

Landschaften werden systematisch Ruinen in Medien und Schulbüchern erzeugt, um

sie erst ins Bewusstsein der Menschen und anschließend in Politik und Gesellschaft

umzusetzen.

 

Und das in einer Zeit, in der der Faschismus in Deutschland wieder das Haupt

erhebt, wo die Ausbeutung des Menschen durch das Kapital wieder an der

Tagesordnung ist und von der bürgerlichen Regierung größtmögliche Unterstützung

erfährt.

 

Der Kampf der Gegensätze zwischen Arm und Reich verschärft sich jeden Tag- was

jeder bewusst lebende Mensch nachvollziehen kann.

Denken wir in diesem Zusammenhang an die vorherrschende Arbeitslosigkeit, an die

menschenverachtende Hartz IV Gesetzgebung, an die beschlossene hohntriefende

Gesundheitsreform oder an die Rente mit 67 Jahren, an das Rentenstrafrecht oder

an die zunehmende Kinderarmut.

Und diese Aufzählung schreiender sozialer Ungerechtigkeiten in der Praxis der BRD

 

ließe sich ohne Ende fortsetzen. Das alles sollte uns wachrütteln. Wir sollten uns

dieser Entwicklung stellen und uns im Kampfbund der Gleichgesinnten organisieren.

Aus diesem Grund wenden wir uns mit diesem Brief der Deutschen

Kommunistischen Partei an Dich, mit der Bitte, Dich für die Mitarbeit in unseren

Reihen zu entscheiden, ob als Mitglied oder als Sympathisant.

Es stimmt, wir sind älter geworden, viele von uns sind Rentner, einige arbeitslos,

andere haben Arbeit, aber als politisch denkende Menschen sollten wir uns

zusammenfinden.

 

Keiner von uns ist zu alt, um etwas gegen diese menschenverachtende

kapitalistische Gesellschaftsordnung zu tun.

Vielleicht denkst Du an dieser Stelle, warum ich?

 

Wendet Euch doch an die Jüngeren! Recht hast Du, doch zunächst sollten wir

älteren uns finden und im nächsten Schritt die Jugend für unsere Sache gewinnen.

Gerade Dich brauchen wir - Deine fundierten Kenntnisse in der Gesellschaftstheorie,

Dein Wissen über die Geschichte der Arbeiterbewegung und Deine praktischen

Erfahrungen beim Aufbau des Sozialismus. Sicherlich ist die gesellschaftliche Arbeit

komplizierter geworden, aber sich deshalb einfach zurückhalten. Erinnern wir uns

daran, was wir so oft gesungen haben:

" ...dem Karl Liebknecht haben wir' s geschworen, der Rosa Luxemburg reichen wir

die Hand.. "

In diesem Sinne möchten wir unseren Brief an Dich beenden in der Hoffnung

recht bald von Dir zu hören.

Wir wünschen Dir und Deinen Angehörigen viel Gesundheit und alles Gute.

 

 

 

www.DKP-LSA.de

 

 

 

KOR@dkp-lsa.de

 

  

 

 

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Veröffentlicht in Kommunisten

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K
<br /> <br /> Nun Sepp,<br /> <br /> <br /> hab den Brief gefunden, an der Seite, etwas untergehend verlinkt. Nichts was einen sofort ins Auge fällt. Post geht über Halle/Merseburg,<br /> nicht über Magdeburg und „böse“ Zungen behaupten ja sogar, das Magdeburg Landeshauptstadt geworden ist, weil Halle zu proletarisch war, ist und vielleicht auch sein wird. Da hat man sich dann<br /> doch lieber für die einsame Großstadt auf den Flachen Land entschieden, als für das industrielle Ballungszentrum zu welchem Halle gehört. Aber auch da wurde in den letzten zwanzig Jahren kräftig<br /> deindustrialisiert und man hatte wohl mit mehr Widerstand, gegen die damals schon geplanten Vorhaben, in Halle gerechnet, als in Magdeburg. Da sieht man auch, dass dem Kapital manches durchaus<br /> bewusst ist, was dem Proletarier er wieder bewusst werden muss. Nun ja, Traditionen können auch täuschen und die 1920 Jahre waren lange vorbei.  <br /> <br /> <br /> Spät abendlichen Gruß<br /> <br /> <br /> <br />
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K
<br /> <br /> Muss er auch nicht, ist wahrscheinlich beim Kopieren etwas daneben gegangen, oben funktioniert er aber. Übrigens, einmal davon abgesehen, wo findet man diesen offenen Brief eigentlich noch, außer<br /> auf Deiner Seiten?<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Den Text habe ich von der Seite DKP Sachsen-Anhalt.  (Ist verlinkt)<br /> <br /> <br /> <br />
K
<br /> <br /> Ja, diesen Eintrag meine ich, den Link hatte ich nicht angegeben, aber gesetzt war er. (Auch ja Sepp, hier findet sich …) Das finde ich übrigens an Deinem Blog gut, die Kommentare<br /> können beim Einstellen bearbeitet und sogar Links eingebunden werden. Geht bei mir nicht so einfach. Nun haben wir aber genug Werbung für den Beitrag gemacht und mal sehen, wie oft er gelesen<br /> wird und wie viel Leser von Deiner Seite gekommen sind.<br /> <br /> <br /> Solidarischen Gruß<br /> <br /> <br /> Thomas<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Naja, beidiesen Themen halten sich die Zugriffszahlen ja immerf in Grenzen. Der Link ("hier") funktioniert übrigens nicht.<br /> <br /> <br /> <br />
K
<br /> <br /> Hallo Sepp,<br /> <br /> <br /> ich beziehe mich auf den Text von Georg Dorn, welchen ich in meinem Blog veröffentlicht habe. Wobei solche Auseinandersetzungen nicht untypisch sind und ich gerade auch diesen offenen Brief für<br /> ein gutes Beispiel halte, wie Auseinandersetzungen auf Grundlage der marxistisch-leninistischen Weltanschauung geführt werden können.<br /> <br /> <br /> Auch Dir einen angenehmen Sonntag, auch wenn Du arbeiten musst!<br /> <br /> <br /> Thomas<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Du meinst, nehme ich an, diesen Eintrag in Deinem Blog: http://ml-theorie-gedanken.kucaf.de/2010/11/06/beispielhaft-fur-marxistisch-leninistische-streitkultur/ (Dieser<br /> Satz ist bloss ein Trick, den Link zu setzen, den Du nicht angegeben hast.)<br /> <br /> <br /> <br />
K
<br /> <br /> Nun ja Sepp,<br /> <br /> <br /> Lüge ist wohl doch ein bisschen hoch gegriffen, dafür entschuldige ich mich hiermit, aber vielleicht weiß ja die rechte Hand nicht, was die linke tut, oder getan hat. Dabei sollten eigene<br /> Erfahrungen …, warum eigentlich nicht, kann mir kaum vorstellen, dass unter ähnlichen Bedingungen anders verfahren wird.<br /> <br /> <br /> Übrigens habe ich einen Entwurf für eine Grundsatzdokument gelesen, welcher es durchaus in sich hat und eine so treffende, realistische, komprimierte und kluge Einschätzung ist mir schon lange<br /> nicht mehr in die Hände gefallen. Nun bin ich Realist, es bewegt sich was und könnte Bewegung werden. In diesem Zusammenhang sei aber auch<br /> daran gedacht, dass eine kommunistische Partei eine Partei der Massen sein muss, aber keine Massenpartei sein kann!<br /> <br /> <br /> Nun ja und zurück zum Gegenstand der Betrachtung, wobei am offenen Brief es inhaltlich auch einiges auszusetzen gäbe, aber was soll es, die Damen und Herren werden schon wissen was sie schreiben!<br /> Oder?<br /> <br /> <br /> Und wer weiß wozu es gut ist! Nichts ist ohne Sinn und auch der Zufall ist gesetzmäßig, selbst wenn er sich nicht auf den<br /> ersten Blick erschließen mag!<br /> <br /> <br /> Auch ja Sepp, hier findet sich ein gutes Beispiel für Streitkultur auf<br /> Grundlage des Marxismus-Leninismus, den Text hatte ich per E-Mail erhalten und er passt zur obigen Problematik.<br /> <br /> <br /> Abendlichen Gruß<br /> <br /> <br /> Thomas<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Hallo Thomas.<br /> <br /> <br /> Den Text von Irene Eckert hatte ich gelesen, habe ihn aber bloss noch undeutlich in Erinnerung. Eckert fielmir in offensiv auf, weil sie eine sehr eigenständige Sprache pflegt, die wohl auf<br /> eigenständiges Denken schliessen lässt. Ist das der Text, den Du hochschätzt ? Oder der von Georg Dorn ? (dem ich beipflichte)<br /> <br /> <br /> Welche Sorte Frosch Du bist, ist mir klar. (Ich hatte die Reimerei gelesen und geschmunzelt. "Lasst uns Frösche sein, die Butter machen, damit sie nicht ersaufen" - gute Idee.)<br /> <br /> <br /> Gruss und schönen Sonntag (Ich muss leider arbeiten.)<br /> <br /> <br /> Sepp<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />