Polen: Fortschritt rückwärts
Gemeinhin gilt es als Zeichen für fortgeschrittene wirtschaftliche Entwicklung, wenn die meisten Menschen in der Industrie und im sogenannten Dienstleistungsbereich beschäftigt sind und die Zahl der in der Landwirtschaft beschäftigten Menschen entsprechend klein ist. In Polen ist die Entwicklung seit 2002 andersherum. (Ich vermute, wenn man sich die Zahlen in anderen osteuropäischen Staaten ansehen würde, würde man Ähnliches feststellen.) Was lehrt das ? Dass die Rückkehr zum Kapitalismus Fortschritt ist ? Oder dass das die Rückkehr zur Armut ist ?
In den letzten 9 Jahren ist die Zahl der in der Landwirtschaft Tätigen um 13 % auf 2,2 Mio. gestiegen.
2002 arbeiteten in der Landwirtschaft ca. 250.000 Menschen weniger, ob als Bauern, mithelfende Familienanhörige oder entlohnte Arbeitskräfte. Die Zahl der Höfe dagegen ist seit 2002 von 2,9 Mio. auf 2,3 Mio. zurückgegangen. Diese auf den ersten Blick überraschenden Zahlen wurden im Frühjahr diesen Jahres bei einer Erhebung ermittelt, die der Erstellung eines neuen Agrar-Registers diente.
Die wichtigste Ursachen für den Beschäftigungszuwachs in der Landwirtschaft trotz fortschreitender Rationalisierung sind die schwierige Arbeitsmarkt-Situation und die deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten in den Städten. Insbesondere in den von klein- und mittelbäuerlichen Betrieben gekennzeichneten Gegenden Zentral- und Ostpolens sind viele Menschen daher auf den elterlichen Hof oder das Anwesen von Geschwistern zurückgekehrt. Begünstigt wurde die Entwicklung durch einen gewissen Aufschwung der Landwirtschaft in Folge von Preiserhöhungen für Agrarprodukte und Subventionen der EU.
Quelle: http://www.infoseite-polen.de/newslog/?p=5229#more-5229