Russland: Waldbraende, Kapitalismus, Sozialismus

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

 

Unter der Ueberschrift "Jahrtausendhitze in Russland - Feuer und Politik" hat die Internet-Zeitung russland.RU einen Artikel ins Netz gestellt, der von den verheerenden Braenden auf erstaunlich Grundsaetzliches kommt.

 

Ann-Dorit Boy vom „Spiegel-Online“ zitiert einen Blogger namens "top_lap" . "Unter den verfluchten Kommunisten, die von jedermann beschimpft werden, hatten wir drei Feuerteiche im Dorf, eine Glocke, die läutete, wenn es brannte, und - raten Sie was - einen Löschzug", schreibt der Unbekannte. Unter den "sogenannten Demokraten" sei von all dem nichts geblieben. 

 

Warum ist "unter den "sogenannten Demokraten" nichts davon geblieben ? - russland.RUs Antwort:

 

Eine Privatisierung der Forstwirtschaft ist sicher einer der größten Fehler gewesen.

 

Als Russland vor zwanzig Jahren in den Kapitalismus zurueckfiel, waren Behauptungen wie diese beliebt: Der Sozialismus sei eine Gesellschaft der allgemeinen Verantwortungslosigkeit gewesen, weil das Staatseigentum das Interesse der Buerger an der Pflege und Mehrung des gesellschaftlichen Reichtums nicht habe herstellen koennen. Wenn es nun endlich wieder Privatbesitz gebe, wuerden sich die privaten Eigentuemer viel besser darum kuemmern, eben weil es ihr Privateigentum sei. Zwanzig Jahre spaeter stellt russland.RU fest:

  

Im Überschwang der vom Westen so gerne gesehenen Privatisierung von allen staatlichen Institutionen hat Russland vor drei Jahren die Forstaufsicht aus Staatshand in die Privatisierung überführt. Diese Privatisierung führte dazu, dass notwendige Feuerschutzmaßnahmen dem Profit geopfert wurden. Zwar gab es Vorgaben, wie die privaten „Waldschützer“ die Wälder schützen sollen, aber aus Kostengründen wurde so gut wie nichts davon umgesetzt.   

 

So ist es in der privatisierten russischen Forstwirtschaft. russland.RU verallgemeinert das so:

 

Immer wieder zeigt sich das Russland nicht mit westlichen kapitalistischen und westlichen demokratischen Systemen funktionieren kann. Millionen Quadratkilometer Wälder und „unberührte“ Natur kann man nicht einfach privaten Forstaufsichten unterstellen und hoffen, dass sie die Wälder schon in Ordnung halten. 

 

...

 

In Russland ist mit dem Zusammenbruch des alten Systems eine persönliche Verantwortung größtenteils erloschen. Wo früher beim „Subbotnik“, auch wenn nicht immer freiwillig, Wälder gereinigt wurden herrscht jetzt das Chaos.

 

Die Wald- und Torfbraende waren eine Naturkatastrophe. Aber dass sie dieses Ausmass annahm, ist ein Symptom fuer die gesellschaftliche Katastrophe, die die Rueckkehr zum Kapitalismus in Russland nach sich gezogen hat. Der Masse der Menschen geht es heute nicht nur viel schlechter als vorher. Die dem Sozialismus zugeschriebene Verantwortungslosigkeit gegenueber dem gesellschaftlichen Reichtum, darunter den Natur-Ressourcen, ist unter den heutigen kapitalistischen Bedingungen weit groesser als vorher.

 

russland.RU ist keine kommunistische Zeitung, sondern durchaus ein buergerliches Medium. Aber die Verhaeltnisse selbst zwingen die Fragen auf, vor denen die Menschen in Russland heute stehen:

 

Nach dem Feuer wird sich zeigen wohin die Russlandreise weitergeht. Medwedew und Putin haben ja weitere Privatisierungen angekündigt, aber ob das die Lösung sein wird?

 

- Medwedew und Putin haben nicht nur weitere Privatisierungen angekuendigt. Diese werden auch durchgefuehrt werden. Die neuen Kapitalisten sind schliesslich an der Macht, und sie setzen ihre politische Macht naturgemaess zu dem Zweck ihrer weiteren Bereicherung ein. "Aber ob das die Loesung sein wird ?"

 

Die Frage kann keine Internet-Zeitung beantworten. Ob die Frage ernsthaft gestellt und beantwortet wird, muessen die russischen Buerger selbst entscheiden. Immerhin liegt die Frage nach zwanzig Jahren praktischer Erfahrung mit den Segnungen des kapitalistischen Wirtschaftens wieder nahe.

 

Zitate aus:

http://www.russland.ru/rupol0010/morenews.php?iditem=22542

 

 

 

 

 

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A
<br /> <br /> Niemand ausser der FDP käme wohl auf die Idee der "totalen Privatisierung". Es liegt auf der Hand, dass in jedem Gemeinwesen, ob nun auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene nicht alle Dinge<br /> privat geregelt werden können. Dies dient nur deshalb als Geschäftsmodell, weil von vornherein geplant ist Kosten durch Leistungskürzung zu sparen. Das entsprechende Managementsprinzip heisst<br /> "Nach uns die Sintflut"! Das funktioniert weder in Deutschland noch in Russland...<br /> <br /> <br /> <br />
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