Staatsschulden einiger EU-Laender: Wer schuldet wem ?

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

 

Von was ist die Rede, wenn davon die Rede ist, Griechenland schulde z.B. Deutschland die und die Summe ?

 

Die Glaeubiger sind Private, hauptsaechlich Banken, Versicherungen und andere grosse "Kapitalsammelstellen". Ueber die Zinsen, die die Staatspapiere abwerfen, eignen sie sich einen Teil der Steuereinnahmen an. Dabei spielen "internationale Akteure" eine bedeutende Rolle. Wenn gesagt wird, z. B. "Griechenland" schulde "Deutschland" die und die Summe, bedeutet das, dass deutsche Anleger - gewoehnlich Kapitalgesellschaften mit Sitz in Deutschland - sich im Besitz entsprechender griechischer Staatspapiere befinden. Es handelt sich also nicht darum, dass der griechische Staat dem deutschen diese Summe schuldet.

 

Im Fall Griechenlands wuerden die privaten Anleger jetzt einen Teil ihrer "Investitionen" verlieren, weil der griechische Staat praktisch zahlungsunfaehig ist. Er kann weder die faelligen Summen zurueckzahlen, noch erhaelt er neuen Kredit, um die faelligen Verbindlichkeiten bedienen zu koennen. Eine Bankrotterklaerung waere logisch. Danach waeren Umschuldungsverhandlungen moeglich, bei denen die privaten Glaeubiger auf einen mehr oder weniger grossen Teil ihrer Forderungen verzichten muessten. Das ist nichts Ungewoehnliches. Russland und Argentinien sind zwei der juengeren Beispiele. Die Form, in der das geschieht, kann darin bestehen, dass die Glaeubiger auf einen bestimmten Prozentsatz ihrer Forderungen verzichten, oder dass der bankrotte Staat seine Waehrung abwertet, so dass der "Wert" der von Auslaendern gehaltenen Schuldtitel entsprechend sinkt. Gewoehnlich passiert beides. 

 

Zum ersten Mal passiert aber nun eine Staatspleite in einem Land, in dem der Euro gilt. Da Griechenland keine eigene Waehrung mehr hat, kann es nicht abwerten. Einer der Wege zur Entschuldung ist also verbaut. Aber der zweite Weg, der Forderungsverzicht, waere moeglich. Die griechische Regierung geht ihn nicht. Sie gibt dem Druck der maechtigsten EU-Staaten nach, die ihre Kapitalisten vor Verlusten schuetzen wollen.

 

Die "Hilfe fuer Griechenland" hat den Zweck, die Forderungen der deutschen, franzoesischen, britischen usw. privaten Glaeubiger zu schuetzen, indem Griechenland gezwungen wird, zur Begleichung der alten Schulden neue aufzunehmen. Fuer die neuen Schulden garantieren die EU-Staaten, jeder fuer eine bestimmte ausgehandelte Summe (Dazu kommen Gelder des IWF, die ebenfalls von Staaten - naemlich den Mitgliedsstaaten des IWF - garantiert werden.)

 

Damit passieren zwei Sachen: Erstens wird den privaten Gleubigern, die sich mit den Griechenlandpapieren verspekuliert haben, das Risiko abgeommen und auf die Staaten, also die Steuerzahler, ueberwaelzt. Zweitens wird der griechische Staat gezwungen, die fehlenden Mittel aus seinen Buergern herauszuholen. Letzteres geschieht durch Lohn- und Rentenkuerzungen, Steuererhoehungen, die Kuerzung verschiedener Staatsausaben - allgemein gesagt: durch die Verarmung der Masse der Bevoelkerung.

 

Griechenland ist keine Ausnahme. Alle Staaten haben hohe Schulden bei privaten Glaeubigern. Hier einige Beispiele:

 

Der griechische Staat schuldet  privaten Glaeubigern insgesamt 236 Millarden Dollar. (Die folgenden Zahlen sind Dollar-Betraege, weil einer USamerikanische Statistik entnommen. In Wirklichkeit handelt es sich um Euro, so dass die Zahlen entsprechend umgerechnet werden muessten. Die Zahlen entsprechen dem Stand vom Dezember 2009.) Davon halten franzoesische Glaeubiger griechische Staatstitel ueber 75 Milliarden Euro, deutsche ueber 45 Miliarden, britische ueber 15 Milliarden.

 

Der portugiesische Staat schuldet in der selben Weise 286 Milliarden Euro. Davon halten spanische Glaeubiger 86 Milliarden, deutsche 47 Milliarden, franzoesische 45 Milliarden, britische 24 Milliarden.

 

Der spanische Staat schuldet 1 100 Milliarden Euro. Davon halten deutsche Glaeubiger 238 Milliarden, franzoesische 220 Milliarden, britische 114 Milliarden.

 

Der irische Staat schuldet 867 Milliarden Euro. Davon halten britische Glaeubiger 188 Milliarden, deutsche 184 Milliarden, franzoesische 60 Milliarden.

 

Der italienische Staat schuldet 1400 Milliarden Dollar. Davon halten franzoesische Glaeubiger 511´Milliarden, deutsche 190 Milliarden, britische 77 Milliarden, spanische 16 Milliarden und irische 28 Milliarden.

 

Die Liste koennte beliebig fortgesetzt werden. Die  meisten Schulden haben gar nicht die kleineren Staaten, sondern die groessten.

 

Aus der kleinen Auflistung geht hervor, dass die dicksten Wucherer in Sachen Geldverleih an EU-Staaten in Deutschland, Frankreich und Grossbritannien sitzen. Sie eignen sich ueber den Zins entsprechende Teile des jeweiligen Nationaleinkommens an. Sie sind gewissermassen die Polypen, die an der Arbeit der Voelker saugen.

 

Die "Hilfe fuer Griechenland" - in Wirklichkeit die Hilfe fuer die privaten Glaeubiger des griechischen Staates - ist nun nach einem bestimmten Schluessel auf die EU-Staaten verteilt worden. Fuer die erste Tranche der neuen Kredite (mit denen alte bezahlt werden) garantieren Deutschland 22,34 Milliarden Euro, Frankreich 16,78 Milliarden, Italien 14,74 Milliarden, Spanien 9,79 Milliarden, Niederlande 4,70 Milliarden, Belgien 2,86 Milliarden, Oesterreich 2,29 Milliarden, Portugal 2,06 Milliarden, Finnland 1,48 Milliarden, Irland 1,31 Milliarden, Slowakei 0,82 Milliarden, Slowenien 0,38 Milliarden, Luxemburg 0,21 Milliarden, Zypern 0,16 Milliarden, Malta 0,07 Milliarden.

 

Interessant ist dabei, dass die Staaten, in denen die dicksten Wucherer sitzen,  nur fuer etwa die Haelfte der neuen Kredite buergen; Grossbritannien fuer garnichts. Die andere Haelfte verbuergen Staaten, deren "eigene" Wucherer in Griechenland gar nicht oder kaum "investiert" sind. Das laeuft darauf hinaus, dass Spanien, Portugal ...usw. bis hin zu Malta fuer Kredite buergen muessen, die den deutschen, franzoesischen und britischen Wucherern zugute kommen, also fuer ein Risiko buergen muessen, das sie wenig oder gar nichts angeht.

 

Darin kommen die Machtverhaeltnisse in der EU, in dem Fall zwischen den Euro-Staaten, zum Ausdruck. Frankreich und Deutschland sind so maechtig, dass sie die kleineren Staaten zwingen koennen, Lasten zu tragen, die den deutschen und franzoesischen Wucherern zugute kommen.

 

Zahlen nach: http://futurologischer-kongress.blogspot.com/2010/05/gerald-celente-griechenland-ist-erst.html und FAZ vom 05.05.2010.

 

 

 

 

 

 

 

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S
<br /> sehr interessante information. vielen dank für den schönen ausführlichen artikel!<br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Bitte. Ich informiere mich eigentlich hauptsaechlich selber und schreibe von den Ergenbissen nebenbei einige fuer andere Leute auf. Ueber Rueckmeldungen freue ich mich aber immer.<br /> <br /> <br /> <br />