Tuerkisch-iranische Herzlichkeiten

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner



 In der Aera der Nachkriegsordnung war die Tuerkei der NATO-Vorposten im Nahen Osten, guenstig gelegen fuer die "Eingrenzung" der Sowjetunion.  Mehr war nicht drin, und das war auch auch kein so schlechter Posten. Die Aufloesung der Nachkriegsordnung hat aber auch fuer die Tuerkei die aussenpolitischen Parameter verschoben. Jetzt gab es die Moeglichkeit, sich den ehemaligen suedlichen Sowjetrepubliken als Vormacht im Namen eines Pan-Tuerkismus anzubieten, eventuell eine gegenueber den USA eigenstaendigere Rolle zu spielen, nicht mehr nur als Junior-Partner, sondern staerker auf eigene Rechnung zu agieren.

Die Option EU kam nicht voran. Von den USA waermstens befuerwortet, weil eine EU-Mitgliedschaft der Tuerkei die inneren Spannungen in diesem komplizierten Staatenbuendnis  um ein neues grosses Element vertieft und eine EU-Aussenpolitik um so zuverlaessiger behindert haette, straeubten sich, aus dem selben Grund, Frankreich, und, etwas verdeckter, Deutschland und hielten die Tuerkei so lange hin, bis fuer den tuerkischen Staat klar wurde, dass er keine "europaeische Perspektive" habe.

In juengster Zeit zeichnet sich eine gewisse aussenpolitische Umorientierung des Landes ab. Die, stets diskret gehaltenen, Sonderbeziehungen mit Israel, wurden abgekuehlt. Die Nachbarschaftbeziehungen mit Syrien wurden belebt. Das Verhaeltnis mit Russland ist freundlicher geworden, als es mit der SU je war. Eine Entspannung der Beziehungen mit Armenien, die seit bald hundert Jahren von voelkermoerderischen Aktionen des tuerkischen Staates gegen armenische Buerger belastet sind, fuehrte zu einem Vertrag. Fuer Armenien ist Russland eine Art Schutzmacht, so dass die Verbesserung der tuerkisch-armenischen Beziehungen auch im Zusammenhang mit dem russisch-tuerkischen Verhaeltnis stehen. (Die Herzlichkeit duerfte sich trotzdem in Grenzen halten, weil die ehemaligen suedlichen Sowjetrepubliken ein grosses Konkurrenzfeld sind.) 

Gerade eben besuchte eine grosse tuerkische Regierungs- und Wirtschaftsdelegation den Iran. Man vereinbarte den Ausbau der wirtschaftlichen Verbindungen - es gibt Absichtserklaerungen, den Handel unter Ausschlus des Dollars abzuwickeln - und man war einander herzlich zugetan. Es gibt, unter anderem, ein besonderes gemeinsames Interesse: In beiden Staaten leben kurdische Minderheiten, die immer wieder Ambitionen fuer einen Kurdenstaat entwickeln. Ein kurdischer Staat, der auch die kurdischen Gebiete des Irak einschliessen wuerde, wuerde alle Anrainerstaaten schwaechen - und waere nur lebensfaehig unter US-Protektion. Im Irak haben die USA zwar bisher die "kurdische Karte" nicht gespielt, sondern, wenigstens offiziell, eine Politik der Einheit des Landes verfolgt, aber die Karte existiert nun einmal und ist schon deswegen ein Faktor, und sei es nur als potentielle Drohung gegenueber der Tuerkei und dem Iran und/oder als Moeglichkeit, den irakischen Widerstand gegen die Besatzung zu schwaechen. Die neuere Trauteinigkeit der iranischen und tuerkischen Regierungen ist auch dagegen ein Spielzug.

Was noch alles moeglich waere, hat Yavuz Oezoguz ueberlegt: "Dollar und Euro werden zwischen Iran und Tuerkei begraben",
http://www.muslim-markt.de/forum/recent.htm . Herr Oezuguz uebertreibt hier wohl ein wenig, mit der Ueberschrift und auch manchen Ueberlegungen im Text. Aber interessant sind seine Gedankengaenge schon.

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