VR China und Lateinamerika
Gerade ging durch die Wirtschaftspresse, dass China Venezuela einen Kredit von 20 Milliarden Dollar gewaehrt, mit dem verschiedene Entwicklungsprojekte in Venzuela finanziert werden sollen. Dabei geht es aber nicht nur um Geld, sondern auch um chinesisches Know How und den Einsatz chinesischer Fachleute. Schon 2007 hatten China und Venezuela einen gemeinsamen Fond im Umfang von 6 Milliarden Dollar gegruendet, in den Venezuela 2, China 4 Milliarden Dollar einschoss und mit dem v.a. die grossen Vorkommen an Oel im Orinoko-Gebiet erschlossen werden sollen.
Diese Beispiele werfen ein Licht auf eine allgemeinere Entwicklung. Diejenigen lateinamerikanischen Staaten, die sich gegenueber der USamerikanischen Dominanz eine gewisse Bewegungsfreiheit verschafft haben, diversifizieren ihre Wirtschaftsbeziehungen, um sich von den USA unabhaengiger zu machen. Dies trifft auf das Interesse in anderen Regionen. Westeuropaeisches - insbesondere spanisches - Kapital macht in Lateinamerika den US-Multis zunehmend Konkurrenz. Russland und selbst der Iran entwickeln ihre Wirtschafts- und politischen Beziehungen mit Lateinamerika - und eben auch China. Die Monroe-Doktrin - der Anspruch der USA auf Vorherrschaft in Lateinamerika - , deren Durchsetzung nach dem II. Weltkrieg ihren Hoehepunkt erreichte, befindet sich in einem Erosionsprozess. Waehrend die USA mehr lateinamerikanisches Militaer denn je ausbilden, nach wie vor bei Gelegenheit von ihren Handlangern unliebsame Regierungen wegputschen lassen, wie juengst in Honduras, schmilzt unter ihren Militarstiefeln der oekonomische Boden weg. Laender wie Brasilien, Bolivien und Argentinien haben sich vom Joch des US-dominierten IWF befreit. In Lateinamerika entstehen Wirtschafts- und politische Allianzen, die auf Emanzipation gegenueber dem Hegemon gerichtet sind. ALCA - das US-Projekt der Errichtung einer US-lateinamerikanischen Freihandelszone, die dem US-Kapital unbeschraenkte Beegungsfreiheit ermoeglicht haette - ist gescheitert, waehrend Projekte wie Mercosur und ALBA, die auf die wirtschaftliche Integration der Region gerichtet sind, kraeftiger werden,
Die VR China spielt dabei eine besondere Rolle in zweierlei Hinsicht: Der chinesische Markt ist riesig und das Land verfuegt inzwischen ueber gewaltige Mittel, um in Lateinamerika investieren zu koennen; und zweitens sind die chinesischen internationalen Wirtschaftsbeziehungen nicht auf Dominanz gerichtet, sondern auf gleichberechtigte Kooperation und gegenseitigen Vorteil. Letzteres ist ein "Wettbewerbsvorteil", mit dem die US- (und westeuropaeischen) Monopole, die auf einseitige Vorteile und, wo immer es geht, schlichte Beraubung aus sind, nur schwer konkurrieren koennen.
Hier einige Zahlen zum Stand (2008):
Die VR China hat mit lateinamerikanischen Staaten rund hundert "strategische Allianzen" vereinbart. Es bezieht aus der Region in grossem Umfang Gueter wie Stahl, Soja, Zucker, Fischmehl, Trauben. Leder. Kupfer, Eisenerz, Zink, Zinn, Erdoel und -Derivate. China liefert seinerseits u.a. elektronisches Geraet, Maschinen und Textilien und investiert in gemeinsame Unterehmen.
Peru wickelt 10 % seines Aussenhandels mit China ab, Argentinien 9 %, Brasilien 6 %, Chile 11 %.
Brasilien ist das drittgroesste Zielland chinesischer Exporte und der zweitgroesste Importeur nach China; - jaehrliche Wachstumsraten des Handels in der Groessenordnung von 60 %.
Aus Chile deckt China 50 % seines Kupfer-Bedarfs. Seit 2005 gibt es einen chilenisch-chinesischen Freihandelsvertrag (der erste, den China mit einem lateinamerikanischen Land abgeschlossen hat)
Venezuela lieferte bis 2007 teglich 350 000 Fass Erdoel und -Derivate, 2008 bereits 500 000 Fass. Bis 2011 sollen 1 Million Fass/taeglich erreicht sein. Kooperiert wird bei der Entwicklung grosser landwirtschaftlicher Projekte in Venezuela und auf dem gebiet der Telekommunikation. Venezuela baut mit chinesischer Hilfe einen Kommunikations-Satelliten, der mit einer chinesischen Traegerrakete transportiert werden soll.
Argentinien war 2007 der viertgroesste Handelspartner Chinas.
Von allen lateinamerikanischen Laendern war Mexiko das Land, das am meisten Waren aus China importiert hat.
2007 betrug das Handelvolumen Kuba-China 2,3 Milliarden Dollar. China ist fuer Kuba der zweitwichtigste Handelspartner. China exportiert hauptsaechlich Gueter fuer die Entwicklung der kubanischen Infrastruktur und bezieht aus Kuba Zucker und Nickel.
Insgesamt belief sich das Handelsvolumen Chinas mit Lateinamerika 2007 bereits auf fast 103 Milliarden Dollar, bei rasch steigender Tendenz. (z. B. Steigerung von 2006 auf 2007 um 60 %).
(Zahlen nach: Jose Oehrlein: China und Lateinamerika - "Strategische Allianzen" ueberall; FAZ 29.05.2008
Klaus Ehringfeld: China erobert Lateinamerika; Berliner Zeitung, 20.11.2008)