Was Stuttgart 21 lehrt

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

 

Für mich ist nichts symbolträchtiger als die Bekleidung der Polizisten bei Einsätzen wie dem in Stuttgart. Gepanzert und behelmt, die Gesichter maskiert, sehen sie aus wie Invasoren aus dem All in schlechten Science-Fiction-Filmen. Man hat ihnen in Stuttgart befohlen, den Strahl der Wasserwerfer auf die Menge zu richten, ohne Rücksicht auf Kinder, Jugendliche und alte Leute. Man hat ihnen befohlen, mit provokativer Gewalt gegen Demonstranten vorzugehen. Sie tun es. Sie vergessen jeden menschlichen Anstand, jeden Respekt, handeln wie Kampfmaschinen. Das Vorgehen in Stuttgart hätte zu Toten führen können. Sie gehen vor. Wenn es Tote gibt, gibt es eben Tote. Befehl ist Befehl.



Ich versuche mir vorzustellen, was in diesen Menschen, die sich als Roboter verkleidet haben und sich auch so benehmen, vorgeht. Ich vermute, diese Panzerung ist wie eine Barriere zwischen den Polizisten als Personen und den Personen, die jenseits dieser Barriere stehen. Die Panzerung ist Entpersonalisierung. Sie verwandelt Personen in anonyme zweckdienliche Instrumente der Macht. Sie setzt die gewöhnlichen Regeln des ziviliserten Umgangs zwischen Menschen ausser Kraft. Hier die Instrumente der Macht, dort die Bürger, gegen die die Macht durchgesetzt wird.

 

Man sagt ihnen: Ihr müsst den Rechtsstaat schützen. Rechtsstaat - ein Wort, das bei Bürgern wie Polizisten "positiv besetzt" ist. Aber bei Gelegenheiten wie in Stuttgart zeigt sich: Das ist auch die Barriere, die den Staat unzugänglich macht für den Willen der Bürger. Hunderttausend Gesetze und Vorschriften und Staatsbefugnisse sind die Panzerung des Staates. Es ist wie bei den gepanzerten Polizisten: Auf der einen Seite die Macht, anonymisiert von den Paragraphen, auf der anderen Seite die Bürger.

 

Bei der angeblichen Durchsetzung des Rechtsstaats stehen die Polizisten praktisch ausserhalb des Rechts, das sie doch angeblich schützen sollen. Ein Wirtshausschläger riskiert Gefängnis für gefährliche Körperverletzung. Ein Polizeischläger riskiert praktisch nichts. Selbst wo Bürger sich einmal gegen Übergriffe mit juristischen Mitteln wehren, und selbst wenn das einmal zu einem Prozess führt, kommt nicht viel heraus, in der Regel gar nichts. Gegenüber der Staatsmacht in Ausübung direkter Gewalt gibt es zwar Paragraphen, aber praktisch ist es so, dass kaum einmal ein Polizist wegen eines Übergriffs belangt wird.

 

So kommen der Staatspanzer Rechtsstaat und der Panzer der Polizisten zueinander: anonyme, praktisch unkontrollierbare Macht

 

Was für eine anonyme Macht ? Es ist doch Demokratie ? Die oberen Repräsentanten des Staates sind doch gewählt ?

 

Wenn Demokratie ist, muss der Wille der Wähler verwirklicht werden. Aber die Wähler haben doch die Politiker gewählt ? Also ist es doch letzten Endes der Wille der Wähler, den die Politiker durchsetzen ?

 

Müntefering hat einmal gesagt, es sei unfair, die Parteien an ihren Wahlversprechen zu messen. Damit hat er formuliert, was jedermann weiss: Die Politiker tun keineswegs das, was die Wähler wollen. Das, was sie im "Wahlkampf" versprechen ist häufig das direkte Gegenteil dessen, was sie nach den Wahlen tun.

 

Warum ? Die Sachzwänge. Das wohlverstandene Gemeininteresse, das die Bürger oft nicht einzusehen in der Lage sind.

 

Demokratie wäre, wenn der Wille der Bürger von den Politikern und Staatsfunktionären erfüllt werden würde, auch dann, wenn die Bürger Falsches, für sie sogar Nachteiliges wollen.

Es ist keine Demokratie. Angebliche Fachleute, Beamte, Berufspolitiker massen sich an, alles besser zu wissen und schieben zwischen den Wählerauftrag und das, was sie tun, die angeblichen Sachzwänge. Im Zweifelsfall hat der Sachzwang recht, nicht der Bürger. Im Zweifelsfall werden die Bürger mit Wasserwerfern von der Strasse gespritzt, werden 13jährigen Handefesseln angelegt, werden Omas niedergknüppelt, werden Menschen behandelt wie Vieh, wie in Stuttgart.

 

Die Sachzwänge sind nichts weiter als Geschäft. Jedes öffentliche Interesse, jede Infrastrukturinvestition wird durch den Filter des Profits gepresst. Politiker und Geschäftemacher hängen miteinander zusammen wie Flechten. Flechten sind symbiotische Lebewesen. Eine Algenart und ein Pilzart tun sich zusammen. Die Pilze saugen den Saft aus dem Holz der Wirtspflanze, die Algen sorgen für die Photosynthese. Eine Art allein ist nicht lebensfähig. So ist es mit den Politikern und Staatsbürokraten einerseits und den Kapitalisten andererseits. Die einen liefern die Privilegien und die Macht über die Bürger, die anderen den Profit. Das eine ist ohne das andere nicht möglich, wechselseitig.

 

Das geht ganz praktisch so: Man wird so manchen Politiker nach einiger Zeit in Unternehmen in lukrativen Posten finden, die mit dem Projekt 21 Profit machen. Das wird der Lohn dafür sein, dass sie ihre politische Macht dafür eingesetzt haben, dass diese Profite gemacht werden können. Die einen können ohne die anderen nicht leben, wechselseitig. Der Schaden oder Nutzen für die Masse der Bürger ist dabei relativ belanglos, fällt mehr oder weniger zufällig an, als Abfallprodukt des Geschäftemachens und des Machtausübens. Die Stimmkreuzchen als Verbindungsstück zwischen Staat und Bürgern ist Dekoration.

 

Deswegen werden aus Polizisten gepanzerte Roboter gemacht. Unter solchen Verhältnissen kann nichts anderes herauskommen.

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T
<br /> <br /> ich habe nach einen Blog gesucht! Euch geht es nicht um das Bahnprojekt, sondern um irgenwie zu demonstrieren. Einfach die aktuelle Demokratie in frage zu stellen und alle Politiker für schlecht<br /> zu befinden. Ich kann das nicht nachvollziehen. Wählt doch dann die Grünen. Dieses Affen-Geschrei und Verhalten von den Demonstranten ist peinlich. Und die Polizisten müssen nicht wie in der DDR<br /> das Gebiet räumen (ich in der Bundeswehr war zB Staatsbürger in Uniform und musste nach meinen eigenen Gewissen entscheiden) das Projekt ist einfach richtig und weis nicht was was<br /> dieses aggressive Demostrieren soll, worüber wollt ihr euch das nächste mal aufregen, wegen einen Bahnhof.<br /> <br /> <br /> Sie müssen den Kommentar anzeigen lassen, na dann<br /> <br /> <br /> <br />
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U
<br /> <br /> Tja. Die ürger lassen sich 4 jahre lang belügen und wählen dann immer wieder die selben Parteien. Hätte die Bevolkerung vor 20 Jahren schon gesagt, die Partei die mich belügt wähle ich nicht<br /> mehr, hätten wir heute eine andere Politik. So scheint jedes Volk das zu bekommen was es verdient. Ein Lichtblick sind die junge Generation. Sie scheint nicht mehr so träge und satt zu sein wie<br /> die ältere. Hier ziehe ich meinen Hut. Die Politikerknechte(Polizisten sollten sich mal überlegen, wenn sie mal sterben und vor Gott stehen und gefragt werden was sie vorzuweisen haben, dann<br /> sagen müssen ich habe in mein eigenes Volk geknüppelt weil es mir von unfähigen Politikern befohlen wurde<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Zu Gott kann ich nichts sagen, weil ich nicht an ihn glaube. Aber ansonsten verstehe ich, glaub ich schon, was Sie kritisieren. Ich geb aber die Hoffnung nicht auf, dass Menschen aus Fehlern<br /> lernen können.<br /> <br /> <br /> <br />
G
<br /> <br /> das ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite werden immer mehr Polizisten entlassen - und das aus gutem Grund. Sind erst einmal nicht mehr genügend Polizisten vorhanden, kann man<br /> schnell die Bundeswehr zur "Aufstandsbekämpfung" einsetzen. Bei der Polizei, sind nur die, die als Bereitschaftspolizei kaserniert untergebracht und gedrillt werden voll als Knüppeltruppe<br /> einsetzbar. Die normalen Polizisten, die ihren Dienst im Amt ausüben oder als Verkehrspolizei... die in vielen Fällen ebenso in der Familie Betroffene aus Hartz-IV ... haben, die sind nur schwer<br /> als Prügeltruppe zu motivieren.<br /> <br /> <br /> Stehen uns aber erst einal junge 19-jährige Rekruten, die in der Kaserne richtig wild gemacht wurden gegenüber, werden auch wieder Schüsse knallen. Hemmungen hat die Politik auch davor keine.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Zum Einsatz der Bundeswehr im Innern und Abbau der Reste von Demokratie hab ich mir einen Arikel von Renate Münder im neuen Theorie+Praxis-Heft vorgemerkt. Ich werd ihn nächstens in mein Blog<br /> stellen.<br /> <br /> <br /> <br />
A
<br /> <br /> Kleiner Nachsatz:<br /> <br /> <br /> Konsequent zu Ende gedacht, schafft die Politik sich durch ihr Verhalten selbst ab! Von Wirtschaftsinteressen diktierte Sachzwänge. Lobbyisten in jedem Gremium und Ministerium die sich<br /> mittlerweile ihre Gesetze, der "Sachkompetenz" wegen, selbst schreiben. Ich habe diese Verhältnisse in der Kommunalpolitik einst selbst erlebt und meine Konsequenzen daraus gezogen!<br /> <br /> <br /> <br />
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A
<br /> <br /> Sepp, den Beitrag unterschreibe ich sofort! Ich habe mich schon oft gefragt, was in den Köpfen der Behelmten vorgeht in solchen Situationen. Warum der eine nur als Büttel agiert und der andere<br /> zusätzlich als Sadist? Die müssen doch gesehen haben, dass sie da nicht auf sich wehrende, vermummte Anarchos einschlagen, sondern auf normale Bürger zum Teil im fortgeschrittenen Alter? Wie<br /> fühlt man sich, wenn man nach einem solch "anstrengenden Einsatz" nach Hause kommt, Frau und Kinder küsst und was sagt man dann auf die Frage "wie war's?" In Deutschland ist es verpönt, Hunde<br /> abzurichten,  sie heiss und aggressiv zu machen. Für Bereitschaftspolizei gilt dies anscheinend nicht?<br /> <br /> <br /> Die legalistische Argumentation von der Verantwortlichkeit der Eltern, wenn ihre Kinder von rasenden Polizeiknüppeln oder Wasserwerfern, von Pfefferspray oder Tränengas betroffen werden, macht<br /> mich fassungslos! Wann wird der erste Depp schiessen? Ich weiss es nicht! Ich weiss aber, wer dann sofort zur dessen Entlastung bereit steht, die MMRG-Gang!<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Diese Schlägerabteilungen der Polizei sind zwar bestimmt verhetzt und haben ein Phantasiebild von dem, was sie wirklich tun, im Kopf. Aber ich vermute, dass es auch bei denen in manchem Kopf<br /> grummelt. Dann greift, jedenfalls bisher, die fiktive Trennung zwischen Dienst und Privatleben. "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps" war schon immer eine Parole deutscher Staatsdiener.<br /> <br /> <br /> <br />