Zu einigen Essentials linker Zionismus-Kritik in Deutschland

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner



In den ersten Nachkriegsjahrzehnten war in  Westdeutschland Kritik an Israel, auch am Zionismus, nahezu tabu. Die persilscheingereingten neuen Demokraten schwiegen aus Furcht und Berechnung, das bessere Deutschland aus Scham ueber die im Namen Deutschlands veruebten unsaeglichen Verbrechen. Selbst wenn der israelische Staat Kriege vom Zaun brach und die eingesessene palestinesische systematisch unterdrueckte und vertrieb, schwieg auch die deutsche Linke, eingedenk dessen, dass Leuten in Deutschland nach zwoelf Jahren Nazi-Regime nicht gut ansteht, Nationalismus und Rassismus anderer zu kritiseren. Ein Grund fuer die Zurueckhaltung war wohl auch, den immer noch starken antisemitischen Ressentiments keine Nahrung zu geben.

Unabhaengig vom Verhalten und Denken der Buerger entwickelte der westdeutsche Nachkriegsstaat zuj Israel ein Verhaeltnis, das seiner Staatsraeson entsprach. Das von den Nazis ruinierte Ansehen wollte wiederhergestellt sein, und das war ein langer und schwieriger Weg. Neben der zweifelsfreien "Westbindung", dem "Bekenntnis zur Demokratie, der "deutsch-franzoesischen Freundschaft, der Orientierung auf "europaeische Integration", der zeitweiligen Unterordnung unter die USA war ein wichtiges Mittel auch die Entwicklung eines "positiven" Verhaeltnisses zu Israel. In dem Puzzle, das neu zusammengesetzt werden sollte, war das Verhaeltnis zu Israel, namentlich finanzielle und andere Zuwendungen unter dem dreisten Titel "Wiedergutmachung", ein wichtiges Teilchen.

Mit dem Entwicklungsstand "Wir sind wirtschaftlich ein Riese, politisch ein Zwerg" war das neue Geruest hochgezogen.
Heute ist das neue deutsche Gesamtkunstwerk, inklusive "Wiedervereinigung", unter dem Titel "Wir sind wieder wer" fuers Erste vollendet. Wir haben neue Zeiten, aber das staatliche Verhaeltnis zu Israel scheint sich nicht veraendert zu haben. Erst kuerzlich hat die Kanzleriin bekanntlich mitgeteilt, dass Deutschland ohne Wenn und Aber zu Israel stehe. Etwas hat sich ftreilich schon geaendert. Unterhalb der Ebene der deutschen Statsraeson, in den Gefilden der Meinungen und des Meinungsmachens, ist Kritik an Israel und am Zionismus kein Tabu mehr. Kriegsverbrechen der israelischen Armee werden Kriegsverbrechen genannt, die rassistische Unterdrueckung der Palaestinenser wird Untderdrueckung genannt, der Zionismus als das kritisiert, was er ist: eine nationalistische Staatsideologie, deren rassistische Bestandteile sich in der Praxis der israelischen Staatspolitik immer haesslicher auspraegen.

Rahmenbedingungen der Kritik


Die Kritik ist richtig. Aber wenn deutsche Buerger sie aeussern, ist immer noch zu bedenken, auf welchem geschichtlichen Boden Deutschland steht - und auch, dass die Verdraengung des Tabus parallel verlaeuft mit den neuesten Auspraegungen eines "gesunden Nationalbewusstseins", unter dessen Einfluss es nicht haesslicher sein soll, sich die deutschen Farben ins Gesicht zu schmieren, als wenn andere sich die franzoesischen oder britischen ins Gesicht schmieren.

Wenn Linke heute in Deutschland Kritik an Israel und Zionismus ueben, , ist dieser Kontext  zu beachten, wenn nicht Leuten Vorschub geleistet werden soll, die man besser nicht foerdert.  Deutschland ist mittlerweile eine starke imperialistische Mittelmacht. Sie hat Frankreich und Grossbritannien ueberfluegelt. Sie ist eine, wenn nicht die, Fuehrungsmacht in der EU. Sie hat mit den osteuropaeischen Staaten einen eigenen Hinterhof, in dem sie zwar nikcht konkurrenzlos ist, aber gegenueber den franzoesischen, britischen und sogar US-Konkurrenten "die Nase vorn" hat. Sie hat bei der Zerschlagung Jugoslawiens die Rolle des Provokateurs gespielt, der die uebrige Meute in die Haendel hineinzwang, um das Feld nicht Deutschland zu ueberlassen.  Im Visier ist eine Weltmachtrolle. Neben dem militaerischen Ausgreifen, fuer das Afghanistan das juengste, aber bestimmt nicht letzte, Beispiel ist, wird dies in nichts sinnfaelliger als in den mittlerweile zwei Jahrzehnte andauernden Bemuehrungen, einen staendigen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu erlangen. Das wird so nichts werden, zeigt aber, wie die Repraesentanten des "Wie-sind-wieder-wer"-Deutschlands sich ihren heutigen "gerechten" Platz an der Sonne vorstellen: gleichauf mit den USA, Russland, China, Frankreich und Grossbritannien, ein Platz am Tisch der sechs maechtigsten Laender der Erde.

Deutschland - Israel heut

Scheinbar hat sich an der deutschen Staatspolitik gegenueber Israel im Vergleich zu den Nachkriegszeiten nichts geaendert. Aber das Gleiche ist nicht das Selbe. Ging es zunaechst um eine Israelpolitik, die mit dazu beitragen sollte, die BRD wieder zu einer "normalen Macht" zu machen, so haben sich die Zwecke mittlerweile, nachdem dieses Ziel erreicht ist, geaendert. Heute geht es um etwas anderes. Heute ist das "herzliche" Verhaeltnis zu Israel einer der Anker, an denen die deutsche Nahost-Politik haengt. Und diese ist, wie in anderen Regionen auch, auf "Mitsprache" und Einflussnahme gerichtet, tritt damit zwangslaeufig auch in Konkurrenz zur US-Hegemonie. Damit ist deutsche Israel-Politik ein Element, das die deutschen Ansprueche an einer Beteiligung an der "Weltaufsicht" befoerdern soll.

Es handelt sich mitnichten um taetige Abbitte fuer den Holocaust, um ein Nachgeben gegenueber moralischem Druck vonseiten des israelischen Staates oder um unterwuerfige Gefolgschaft gegenueber den USA. Es handelt sich umoriginaere imperialitische Machtpolitik, wenn Deutschland heute ein "herzliches Verhaeltnis" zu Israel pflegt. Geschenkte deutsche U-Boote sind nicht umsonst. Sie sind Wechselgeld im Feilschen um deutsche Einflussnahme im Nahen Osten.

Was geht Deutsche der Zionismus an ?


Der Zionismus ist als israelische Staatsideologie nicht nur fuer die Palaestinenser eine Ideologie der Unterdrueckung und fuer die arabischen Nachbarn eine Provokation, sondern er ist auch ein Konzept, das fuer Israel selbst  existentiell gefaehrlich ist. Seine Opfer sind auch die israelischen Buerger, sogar egal, ob es sich um ueberzeugte Zionisten handelt oder um israelische Buerger, die fuer Frieden und Versoehnung eintreten. Der Zionsismus ruiniert nach innen die buergerliche Demokratie und den zivilisierten Umgang der Menschen miteinander, er zwingt auch die israelischen Buerger in ein Leben, in dem Krieg und Terror eine bestaendige Gefahr sind.

Mit dem Zionismus als Statsideologie kann niemand anderes fertig werden als die Buerger Israels selbst. Kritik am Zionismus, z.B.  vonseiten deutscher Linker, muss daher zuallererst angelegt sein als Solidaritaet mit der israelischen Friedensbewegung und den Palaestinensern.

Vergiftete Zionismus-Kritik

Es ist unverkennbar, dass die extreme Rechte versucht, sich der Kritik des Zionismus zu bedienen, um ihre antisemitische Propaganda vorwaerts zu bringen. Hier gibt es mehrere Einfalltore, die versperrt werden muessen, damit nicht berechtigte Kritik am Zionismus von den Fascxhisten fuer ihre Zwecke instrumentalisiert werden kann.

Es gibt eine Sorte Kritik, die sich Israel als maechtigen Staat vorstellt, der es versteht, Staaten wie Deutschland oder sogar die USA am Nasebring zu fuehren. Aus dieser Sicht verwandeln sich Staaten wie Deutschland - und vor allem Deutschland, wegen der historischen Schuld - in "Opfer" israelischer Raenke, denen "nichts anderes uenrig bleibt", als sich von Israel ausnutzen zu lassen.

Das ist eine Sicht, die nicht nur die wirklichen internationalen Machtverhaeltnisse absurd verdreht, sondern auch gefaehrlich ist, weil sich ein Staat wie z.B. Deutschland, der in Wirklichkeit eine hoechst ambitionierte Politik im hoechsteigenen Interesse betreibt, den deutschen Buergern als angebliches Opfer vorstellt, das von fremden Einfliuessen befreit werden muesse.

Israel ist ein Staat mit acht Millionen Einwohnern, kleiner Flaeche, einer eher zerruetteten Wirtschaft, einem Militaer- und Geheimdienstapparat, der gewaltige Mittel verbraucht. Das Land haette, auf sich selbst gestellt, in etwa den Rang Oesterreichs. Seine unvehaeltnismaessige Macht kommt nicht aus den eigenen Ressourcen, sondern aus fremden. Es handelt sich um geborgte Macht, um Machtausuebung im Auftrag. Es sind die imperialistischen Kalkulationen der USA und einiger westeuropaeischer Staaten, die den Staat Israel zu dem machen, was er ist. Ohne diese Kalkulationen - wenn sich diese Kalkulationen anedern wuerden - waere Isreal, der Groessenordnung nach, nicht viel mehr als auf Augenhoehe mit Nachbarn wie dem Libanon oder Jordanien.

Es ist die zentrale Rolle, die vor allem die USA seit einem halben Jahrhundert Israel im Rahmen seiner Nahost-Politik zumessen, die Israel - aber auf diesem Boden ! - gewisse Eigenmaechtigkeiten ermoeglichen, wie etwa die systematische Lobby-Arbeit zionistischer Organisationen in vielen Staaten, die weltweiten Aktivitaeten des Mossad, die Steuerung politischer Kampagnen und under-cover-Organisationen wie z.B. der sogenannten Antideutsxchen Linken.
 Dieses unverschaemte Auftreten gibt einer falschen Kritik am Zionismus Nahrung.  Aber in Wirklichkeit ist Deutschland oder sind die USA natuerlich nicht die Gefangenen Israels, sondern ist umgekehrt das zionistische Israel der Tanzbaer der wirklich Maechtigen.

Eine besondere Brisanz gewinnt die Phantasie von der grossen Macht Israels in Deutschland. Die Variante ist hier, der deutsche Staat lasse sich moralisch mit dem Holocaust erpressen und zweitens sei seine Israelpolitik abgeleitet aus einem Vasallenbverhaeltnis zu den USA. In der Praxis verbindet sich dieses Maerchen mit zwei weiteren Mythen: im Zug der Globalisierung gehe die Zeit der Nationalstaaten, also auch Deutschlands, ohnehin zu Ende, und die Entwicklung der EU, aktuell nach Inkraftetreten derÖLiassaboner Vertraege., mache Deutschland zu einer Provinz Bruessels.

Die Vorstellung, Israel koenne den deutschen Staat zu einer Politik noetigen, die gegen dessen eigene Interessen sei, "Bruessel" unterwerfe sich Deutschland, die USA bevormundeten Deutschland und im uebrigen sei es mit Deutschland, wg. Globalisierung, ohnehin bald aus, haben alle gemeinsam: Ein  in Wirklichkeit gerade in den beiden vergangenen Jahrzehnten erstarkten imperialistischen Staat in etwas Bedrohtes, von aussen Gesteuertes, in seiner Souveraentiaet oder gar in seinem Bestand Gefaehrdetes umzuspinnen. Dieses adsurde virtuelle Versailles von heute ist ein Ansatzpunkt fuer das Eindringen extrem rechter, faschistischer Positionen in den mainstream-Diskurs, fuer die Verschiebung des mittlerweile weithin durchgesetzten "gesunden Nationalbewusstseins" noch weiter nach rechts.

Menschen, die sich davon nicht vereinnahmen lassen wollen, muessen zuerst davon ausgehen: "Wir sind NICHT Deutschland". Die Interessen des deutschen Staates und die Interessen seiner Buerger sind nicht einfach identisch, die Politik des deutschen Staates ist auch nicht das Substrat der Gemeinsamkeiten aller Buerger, sondern Staatspolitik kuemmert sich so wenig wie moeglich um Buergerinteressen, steht diesen vielfach entgegen und folgt ihrer eigenen Logik. Diese Logik leitet sich ab aus den Interessen nicht "des deutschen Volkes", sondern der Lieblingsbuerger des Staates. Das sind die, die das Geld und wie wirtschaftliche Macht haben. Die grossen Banken und Konzerne haengen miteinander zusammen wie siamesische Zwillinge. "Weltmark", sagt das grosse Kapital, "am besten eigene Einflusszonen mit moeglichst wenig Konkurrenz".  "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt", antwortet der Staat, "und wenn wir in Treue fest zu Israel stehen, wird sich schon herausstellen, ob nichtt doch eine neue Bagdadbahn geht.  

Es ist nicht Deutschland, das bedoht oder fremden Interessen unterworfen ist, es ist ide Mehrzahl der deutschen Buerger, naementlich der lohnabhaenigigen, die bedroht sind - und zwar nicht von aussen, von fremden geheimen Maechten, sondern von originaer hoechstdeutschen Monopol- und Staatsineteressen. Fuer die Lohnabhaengigen steht der<Feind zuallererst im eigenen Land.  In jedem anderen kapitalistischen Land ist das auch so.

Kritik am Zionismus ? Ja, als Solidaritaet mit den unterdrueckten Palaestiinensern und den Lohnabhaengigen Israels !

 
 
Werbung

Veröffentlicht in Gegen Rechts

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post
F
<br /> Servus, Sepp!<br /> <br /> Da ich eben noch auf diese höchst interessante Diskussion stieß, auch von mir ein, zwei Gedanken ;-) Zunächst tendiere ich dazu, Dir weitestgehend recht zu geben, denn auch ich lese ja GFP et al.<br /> Deutschland hat sich nach dem "Anschluß" (eine Wiedervereinigung" fand ja nicht statt, wie mir das Bundespräsidialamt auf meine Nachfrage in den Neunzigern beschied) wie von einigen von uns (ich<br /> war damals "Anti-Deutscher", aber nicht im Sinne des heutigen Begriffs) wieder auch auf politischem zu einem "Global Player" und zu einer Militärmacht, die Angriffskriege (mit-)führt, entwickelt.<br /> Dies halte ich persönlich für eine äußerst unselige Entwicklung, die es unbedingt zu revidieren gilt. Hat dieses Land die Lehren aus seiner mörderischen Geschichte etwa vergessen? Fast scheint es<br /> so, denn das verantwortungslose (um nicht zu sagen: verbrecherische) Handeln seiner Politiker, seiner Konzerne und Think Tanks legen das nahe. Du hast wohl, wie auch ich, einige der Studien<br /> gelesen, die freundlicherweise von GFP erwähnt werden und es kann einem eigentlich nur übel werden ...<br /> Da wird von "Rohstoffsicherung" und "militärischer Transformation" schwadroniert, als wenn es ein "Gestern" nie gegeben hätte. Ja, "die" wollen wohl augenscheinlich wieder "mitspielen" - sei es aus<br /> Dummheit und Arroganz, sei es aus skrupellosem Kalkül. Einem Gutteil Deiner Einschätzung hinsichtlich des Verhältnisses Israel-Deutschland kann ich ebenfalls zustimmen, denn natürlich nutzen die<br /> USA und ihre Verbündeten Israel auch als "einzige Ordnungsmacht in Nahost". Dies ist ja kein neuer Tatbestand, sondern läuft schon lange so. Andererseits muß ich aber auch dem "Katzenfreund"<br /> beipflichten, wenn er da doch noch eine besondere Beziehung zu Israel sieht, denn das Verhältnis zwischen diesen beiden Ländern kann aufgrund der Historie nicht einfach plötzlich "normal" sein und<br /> wird es wohl auch nie. Auch in puncto "Abnabelung von den USA" sehe ich Argumente für den "Katzenfreund", wenn ich aber auch längst nicht mehr soweit gehen würde, die BRD eine "Bananenrepublik" zu<br /> nennen. Dieses Land ist weiterhin "Bündnispartner" innerhalb der NATO - einer US-amerikanisch dominierten Allianz, weshalb hier auch weiter Nuklearsprengköpfe lagern und Deutschland auch beim<br /> Irakkrieg nicht nur Überflugsrechte gewährte, sondern auch logistische Hilfestellung leistete. Die USA werden es m.E. auch nicht zulassen, daß Deutschland einfach aus der NATO aussteigt (was stets<br /> mein Bestreben war), - da sollten wir uns nichts vormachen. Daß "wir" auf wirtschaftspolitischem Gebiet - und hinsichtlich des Kampfes um Ressourcen - mit den USA zunehmend in Konkurrenz geraten,<br /> ist imo einstweilen eine andere Geschichte.<br /> Da habt Ihr beide Euren Punkt, wobei ich deutlich näher zu Deinem tendiere, da der Kollege "Katzenfreund" mir das doch irgendwie zu vereinfacht abhandelt und in der Konsequenz den Schwarzen Peter<br /> von Deutschland zu den Amis schiebt.<br /> Wo iwir uns wohl in jedem Falle einig sind, ist, daß wir in dieser Ecke der Welt besser nicht rumpfuschen und dumm quatschen sollten, sondern mit der israelischen und der palästinensischen<br /> Friedensbewegung solidarisch sein müssen! Ist Euch das "One Voice"-Movement ein Begriff? Das halte bspw. ich für eine feine Idee und ich stütze es auch nach Möglichkeit. Nur eine gemeinschaftliche<br /> Anstrengung kann helfen, diesen über sechzigjährigen Konflikt zu lösen und die friedlichen Menschen dort, auf beiden Seiten, benötigen unsere Solidarität.<br /> <br /> Gute Nacht<br /> Frank<br /> <br /> <br />
Antworten
S
<br /> Hallo Frank<br /> Freut mich, dass wir in einigen Sachen uebereinstimmen. Die Diskussion geht ja jetzt, in verallgemeinerter Fragestellung - "Deutschland - Bananenrepublik oder aufstrebende Macht - mit den<br /> Beitraegen in Mein Parteibuch und in meinem Blog weiter. Ich halte das fuer ein ganz wichtiges Thema - wichtig fuer die politische Orientierung der Linken und aller, die was gegen Imperialismus,<br /> egal ob deutsch oder US-amerikanisch, haben.<br /> <br /> <br />
K
<br /> Hallo Sepp, klasse. Auf die Diskussion, ob Deutschland die Rolle einer wachsenden Mittelmacht oder die einer von den USA dominierten Bananenrepublik innehat, bin ich sehr gespannt. Ich halte die<br /> Diskussion um diese Frage auch insgesamt für die Linke für hoch interessant, denn aus der unterschiedlichen Sichtweise auf die geopolitische Machtkonstellation ergeben sich in Teilen völlig<br /> unterschiedliche Handlungsempfehlungen, deren Aufeinanderprallen in der linken Bewegung immer wieder zu heftigen Konflikten führt. Ich denke, ich kann meine These, dass die Bundesrepublik<br /> Deutschland eine von den USA beherrschte Bananenrepublik ist, sehr gut begründen und belegen, da ich mich in den letzten Jahren mit dem Einfluss der USA in Deutschland sehr intensiv beschäftigt<br /> habe. Umso mehr freue ich mich darauf, Argumente zur These der selbstbewussten Mittelmacht Deutschland kennenzulernen. Und dies umso mehr, weil ich dich persönlich und deine Art des sachlichen<br /> Disputs sehr schätze. Versichern kann ich dir schon jetzt, dass ich, wenn ich erkenne, dass ich mich irre, und deine Argumente mir schlüssig sind, meine Meinung zur geopolitischen Situation<br /> Deutschlands korrigieren werde. Da mir belegende Links hier im Kommentarbereich im Blog bei dir nicht so recht gelingen wollen, und ich denke, das Thema geht ein breites Publikum an, werde ich zu<br /> meiner These möglichst bald mal einen Artikel im Parteibuch veröffentlichen, in dem ich das, was im Parteibuch dazu in den letzten Jahren recherchiert wurde, zusammenfasse und mit Links belege.<br /> Beste Grüße Ein Katzenfreund<br /> <br /> <br />
Antworten
K
<br /> Hallo Sepp, Deine Aussage, Kritik am Zionismus, z.B. vonseiten deutscher Linker, muss zuallererst angelegt sein als Solidaritaet mit der israelischen Friedensbewegung und den Palaestinensern, teile<br /> ich. Es ist mir dabei allerdings egal, ob es sich bei Friedensbewegten um Israelis oder Palestinenser, um Lohnabhängige oder andere Menschen handelt. Mir ist es lediglich wichtig, dass die Menschen<br /> für Frieden sind und sich für die Menschenrechte aller Menschen einsetzen. Was ich auch teile, ist deine Auffassung, dass bei der Kritik an Israel zu beachten ist, dass nicht Leuten Vorschub<br /> geleistet wird, die man besser nicht foerdert. Ich denke, das gilt nicht nur für Deutschland. Was ich allerdings nicht teile, ist deine Analyse zur geopolitischen Situation Deutschlands, Israels<br /> und der Rolle der USA. Du schreibst: "Deutschland ist mittlerweile eine starke imperialistische Mittelmacht. Sie hat Frankreich und Grossbritannien ueberfluegelt. Sie ist eine, wenn nicht die,<br /> Fuehrungsmacht in der EU. Sie hat mit den osteuropaeischen Staaten einen eigenen Hinterhof, in dem sie zwar nikcht konkurrenzlos ist, aber gegenueber den franzoesischen, britischen und sogar<br /> US-Konkurrenten "die Nase vorn" hat." Natürlich sind internationale Beziehungen immer ein geprägt durch ein wechselseitiges Abhängigkeits- und Machtverhältnis, so dass die schiere Größe und<br /> Wirtschaftskraft eines Landes in den internationalen Beziehungen immer einen Einfluss hat. Doch ich möchte dem, was du schreibst, eine Gegenthese entgegensetzen, und zwar das Deutschland eine<br /> Bananenrepublik der USA ist. Es ist das aus Mittelamerika bekannte Konzept einer Bananenrepublik, in der die Elite eines Landes ein komplettes anderes Land dominiert und bestimmt, was dort<br /> politisch passiert, obwohl das Land formal unabhängig ist. Ich denke, ein solches Land war Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg und das ist im Prinzip angesichts dessen, was für Verbrechen zuvor<br /> von Deutschen verübt wurden, auch zu begrüßen gewesen. Westdeutschend wurde nach 1945 von den westlichen Siegermächten beherrscht und Ostdeutschen von der Sowjetunion. Da die DDR 1990 der BRD<br /> angegliedert wurde, sollen die Methoden, wie die formal selbständige DDR von der Sowjetunion beherrscht wurde, hier im weiteren ausgeklammert bleiben. Die Bundesrepublik Deutshcland jedenfalls<br /> wurde nach 1945 insbesondere von den USA wie ene Bananenrepublik beherrscht. Die USA nahmen dabei die Hauptrolle ein, da sie von den Besatzungsmächten nach 1945 die bei weitem Finanzstärkste waren.<br /> Zentrale Mittel zur Beherrschung der BRD nach 1945 waren Medienhoheit, Geheimdienste und Militär, die der US-Lobby in der BRD nahezu zu Allmacht verhalfen. Die USA bestimmten in der BRD sowohl auf<br /> dem linken gewerkschaftlichen als auch den rechten industriellen Flügel des politischen Spektrums das Geschehen. Das war eine Full-Spektrum-Dominanz. Es ist nicht zu erkennen, dass sich daran seit<br /> der Zeit, wo John McCloy seinen Schwager Adenauer zum Bundeskanzler gemacht und der US-Geheimdienst Willy Brandt und ihnen passende Gewerkschaftsbosse im DGB mit Geld versorgt hat, viel geändert<br /> hätte. Im Gegenteil, die deutschen Medien sind den USA nach wie vor treu ergeben und auch Clubs wie die Atlantik-Brücke stecken nach wie vor voll Power. Die deutsche Israel-Politik wird der Theorie<br /> der Full-Spektrum-Dominanz der USA über Deutschland in Washington gemacht. Und genauso lässt sich interpretieren, dass Atlantik-Brücken-Mitglied Guido Westerwelle vor seiner Abreise nach Israel<br /> kürzlich noch mal kurz im Einklang was kritisches zum Siedlungsbau in Israel gesagt hat. Stärkste Gegenbewegung gegen die US-Dominanz in Europa und Deutschland ist Meiner Analyse nach die<br /> paneuropäische, in erster Linie kirchliche und adelige, Rechte, die Otto von Habsburg mit Organisationen wie Le Cercle entscheidend vorangebracht hat. Der Konflikt mit diesen Kräften dürfte meiner<br /> Meinung nach auch der Grund dafür gewesen sein, dass ein US-Defense-Contractor beim ersten Irland-Referendum über den Lissabon-Vertrag dafür gesorgt hat, dass mit "Nein" gestimmt wurde. Schwieriger<br /> ist die Analyse der Beziehungen USA/Israel. Um es mal so zu sagen: Unter George W. Bush war die Israel-Lobby mit ihren mächtigen Front-Organisationen wie der AIPAC und Spitzenpolitikern wie Douglas<br /> Feith unzweifelhaft ein sehr bestimmender Faktor in der US-Politik. Ob dieser Einfluss so weit ging, dass der Schwanz Israel eher mit dem Hund USA wedelte als umgekehrt, ist sicher eine<br /> Glaubensfrage. In jedem Falle richtig ist jedoch, dass der Enfluss Israels in der US-Politik neben dem Raub des Öls und den guten Geschäftsperspektiven für die Militärindustrie ein Hauptgrund für<br /> den 2003 begonnenen Krieg gegen den Irak war. Der Einfluss der Israel-Lobby scheint nun unter Obama etwas zurückgedrängt worden zu sein, ist jedoch noch immer sehr stark. Das kann man sicher auch<br /> anders sehen. Gern diskutiere ich darüber weiter, lege auch gern mal mit en paar Links und Belegen nach, wenn dich die Diskussion interessiert. Beste Grüße Ein Katzenfreund<br /> <br /> <br />
Antworten
S
<br /> Hallo Katzenfreund.<br /> Zunaechst das Leichte: Friedensbewegte egal ob lohnabhaengig oder nicht: Nir auch egal. Das Herausheben der Lohnabhaengigen in meinem Text hat den Zweck, daran zu erinnern, worauf Solidaritaet,<br /> auch ueber Staatszugehoerigkeiten hinweg, ueberhaupt basiert, und das sind m.E. gemeinsame Interessen, die sich aus der sozialen Lage und gesellschaftlichen Stellung ableiten. "Politische<br /> Einstellung" spielt natuerlich auch eine Rolle und ist praktisch und an der Oberflaeche oft wichtiger; also im gegebenen Beispiel die Einstellung zu Krieg und Frieden in Israel bzw. Solidaritaet<br /> von Deutschland aus mit israelischen/palaestinensischen Friedensbewegten. Dass soziale Interessen und politische Einstellung, wenn auch auf ziemlich komplizierte Weise, miteienander korrespondieren<br /> und wie im fraglichen Fall muesste genauer aufgedroeselt werden, das ist mir klar. Kurz gesagt laeuft es aber darauf hinaus, dass ich in dem Punkt mit Dir einverstanden bin.<br /> <br /> In der Einschaetzung Deutschlands, seiner internationalen Stellung und des Verhaeltnisses zur USA haben wir eine Differenz. Ich wuerde das gern diskutiieren, auch weil das ein Thema ist, bei dem es<br /> viele Unklarheiten und gegensaetzliche Einschaetzungen in der Linken in Deutschland gibt. Es fuehrt offensichtlich zu zeimlich unterschiedlichen politischen Konsequenzen, ob man D fuer einen<br /> Vasallen der USA oder eine aufstrebende Mittelmacht mit Weltmachtambitionen haelt. Ich guck mal nach, ob ich was Fertiges eigenes hab oder bei anderen etwas finde, das meine Einschaetzung<br /> ausargumentiert und melde mich wieder dazu.<br /> So long in der Angelegenheit<br /> <br /> <br />