"Zuckerinsel ohne Zucker" - ein Artikel ohne Informationsgehalt

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Womblog hat einen Artikel von Knut Henkel auf seine Seite gestellt, der ein truebes Bild von der Landwirtschaft auf Kuba zeichnet. Leider teilt K.H. seinen Lesern keine einzige Quellenangabe mit. Die zentralen nichtbelegten Behauptungen:

 

"Zucker, Kaffee und Tabak sind zu einem knappen Gut geworden."

"Kubas Landwirtschaft ... Die produziert von Jahr zu Jahr weniger."

"Der Niedergang der Zuckerwirtschaft ist exemplarisch fuer den Niedergang der Landwirtschaft."

"Der Regierung fehlen die Mittel fuer die Importe selbst wichtiger Waren."

"2008 stand ein dickes Defizit in der kubanischen Handelsbilanz."

 

K.H. weiss auch, wer schuld ist: Zwar sind die klimatischen Verhaeltnisse in letzter Zeit nicht gerade guenstig gewesen, aber die Hauptschuld traegt die Regierung, die Planwirtschaft.

 

Der ganze Text steht hier: http://womblog.de/2010/07/19/zuckerinsel-ohne-zucker/

 

Zum Thema Zucker:

 

Unbestritten gibt es Probleme bei der Produktivitaet. Aber das wesentliche ist, dass Kuba sich in den letzten zwei Jahrzehnten endlich davon befreien konnte, dass Zucker praktisch sein einziges Ausfuhrgut war und deshalb riesige Flaechen Land fuer diese Monokultur in Anspruch genommen werden mussten. Inzwischen hat das Land seinen Export diversifiziert. Obwohl mit der Nickelausfuhr immer noch ein Rohstoff eine bedeutende Rolle spielt - ein Kennzeichen schwach entwickelter Wirtschaften - schlagen inzwischen auch z.B. biochemische Produkte zu Buche und sind kubanisches medizinisches Personal ein "Exportschlager" (sowas nennt man in der westlichen Wirtschaftssprache "Export von Dienstleistungen"). Die Einschraenkung der Zuckerproduktion war zunaechst aus der Not geboren, dass die Nachfrage fuer dieses Produkt aus den ehemaligen sozialistischen Staaten mit einem Schlag wegfiel. Aber die Ausfuhr wurde auch immer unrentabler, da die Weltmarktpreise fuer Zucker verfielen. Anfang dieses Jahrzehnts hat Kuba die Haelfte seiner Zuckermuehlen stillgelegt und die Anbauflaeche drastisch reduziert. - Und das ist kein Rueckschritt, sondern ein Fortschritt.

 

Zum Thema Defizit in der Handelsbilanz:

 

Kuba hatte nicht nur 2008 "ein dickes Defizit", sondern das ist jedes Jahr so. Das liegt an der Struktur der kubanischen Aussenwirtschaftsbeziehungen - relativ geringe Ausfuhren, relativ hohe Einfuhren. Entscheidend fuer die Beurteilung der kubanischen Aussenwirtschaftsbeziehungen ist aber der Leistungsbilanz-Saldo - also die Zahlungen an das Ausland minus der Erloese aus dem Ausland. Hier sehen die Zahlen so aus:

 

2006: - 0,2

2007: - 0,4

2008: - 2,7

2009: - 1,7 (Schaetzung)

2010: - 2,0 (Prognose)

 

(in % des BIP)

 

Den hohen Einfuhren stehen Einnahmen aus Dienstleistungen im Ausland und aus dem Tourismus gegenueber. Im Ergebnis ist zwar die Leistungsbilanz leicht negativ, aber so manches westeuropaeische Land koennte sich beglueckwuenschen, wenn es aehnliche Zahlen haette.

 

Allgemein ist die kubanische Wirtschaftsentwicklung nicht von Niedergang, sondern von Aufwaertsentwicklung gekennzeichnet.

 

BIP:

 

2006: 46,5 (Mia.USD)

2007: 51,3

2008: 54,7

 

BIP pro Kopf:

 

2006: 4152 USD

2007: 4580

2008: 4884

 

Wirtschaftswachstum:

 

2001:  3,0

2002:  1,5

2003:  2,9

2004:  5,4

2005:11,2

2006:12,1

2007:  7,3

2008:  4,1

2009:  0,9 (Schaetzung)

2010:  3,5 (Prognose)

 

Wirtschaftswachstum nach Sektoren (2008)

 

Agrar          :    0,6

Bergbau      :   3,2

verarb. Gew:   4,9

Bau             :    2,4

Handel         : - 3,4

Gastgew.     : 10,2

Banken         :   5,3

Transport/

Telekomm.    : 6,6

 

Arbeitslosigkeit;

 

2006: 1,9

2007: 1,8

2008: 1,6

2009: 1,6 (Schaetzung)

 

Die angefuehrten Zahlen hat Germany Trade & Invest veroeffentlicht.

Der Unterschied zwischen der Darstellung Kubas durch diese Institution und Medien wie der taz und dem Spiegel, fuer die K.H. schreibt, ist: Erstere muss ein realistisches Bild liefern, weil es um wirtschaftliche Entscheidungen, also ums Geld geht. Die Massenmedien muessen ein einseitiges und manipulatives Bild von Kuba liefern, weil es um die Pflege des antikommunistischen Feindbildes geht.

 

Hier noch ein paar informationen zur Landwirtschaft auf Kuba:

 

http://www.cuba-si.de/milch/geschichte.html#ergebnisse

 

http://www.blauen-institut.ch/tx_blu/tp/tpf/f_biolandbau_vorwaerts.pdf

 

http://kritische-massen.over-blog.de/article-schrebergaerten-auf-kuba-53392258.html

 

 

 

 

 

 

 

 

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A
<br /> <br /> Super! Das nenne ich einen Konter! Ausserdem hatte ALDI Nord letzte Woche einen ganz ausgezeichneten kubanischen Rum im Angebot ;-))<br /> <br /> <br /> <br />
Antworten
S
<br /> <br /> Es ist ja nicht so, dass es in Kuba nicht genuegend wirkliche Probleme gaebe. Aber der Artikel, den ich kritisiere, ist einfach liderlich gemacht und arbeitet bloss die<br /> political-correczness-Liste ab.<br /> <br /> <br /> <br />