Zum Zustand der "Grande Nation" aus Unternehmersicht

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Der nachfolgend verlinkte Artikel in der NZZ über die wirtschaftliche Lage Frankreichs ist ist vom Unternehmerstandpunkt aus geschrieben. Man macht sich die Sorge, die sozialdemokratische französische Regierung könnte sich bei den "anstehenden Reformen" als nicht hart genug gegen die Lohnabhängigen erweisen. - Der öffentliche Dienst soll auch in Frankreich ausgedünnt und verschlechtert, die Staatsquote und die Löhne sollen zugunsten der privaten Profite gesenkt werden. Das sind die Hausaufgaben, die die Sozialdemokraten zu machen haben. Anderenfalls würden sie schlechtgeschrieben werden - eine Kampagne, die sich aber eher erübrigen wird, weil die "Sozialistische" Partei ein treuer Sachwalter der Kapitalinteressen ist. Von diesen Einschränkungen des Informationsgehalts besagten Artikels abgesehen, ist der vergleich der wirtschaftlichen Entwicklung in Frankreich und Deutschland interessant. Die Krise macht Frankreich schwächer, Deutschland stärker. Die "Tandem-Führung Europas" weicht zunehmend deutscher Dominanz.

 

Hier der NZZ-Artikel:

 

http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/die-grande-nation-wird-zum-grossen-risiko-1.17858107

Veröffentlicht in Frankreich

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Bandolero 11/29/2012 23:47

Im Parteibuch gab es genau zu dem Thema "Schwäche der französischen Wirtschaft" im Vergleich zu Deutschland vor ein paar Monaten auch einen Artikel. Bloß der Artikel kommt bei den Ursachenforschung
zu einem ganz anderen Ergebnis. Nicht wie von der Arbeitgeberpresse gern und oft aus leicht durchschaubaren Gründen behauptet, "Lohnzurückhaltung", Sozialabbau, Staatsrückzug und Deregulierung sind
im Vergleich zu Frankreich Ursache für die gegenwärtig vergleichsweise gute Entwicklung der deutschen Wirtschaft, sondern die umfangreichen und profitablen Beziehungen Deutschlands zum
kommunistischen China. Es ist leicht nachvollziehbar, warum Unternehmern - aka Kapitalisten - diese Feststellung überhaupt nicht gefällt und ihre Propaganda sich nach Kräften bemüht, diesen
Zusammenhang unbedingt zu verschweigen. Meine Meinung ist, dass diesen Zusammenhang deshalb Arbeiter herausstellen sollten, zum Beispiel im Rahmen von Lohnverhandlungen. Parteibuch-Artikel vom 3.
Mai 2012: Ursache verkannt http://nocheinparteibuch.wordpress.com/2012/05/03/ursache-verkannt/

Sepp Aigner 11/30/2012 10:11



Der relative Erfolg der deutschen Kapitalisten hat natürlich verschiedene Quellen, darunter den Export nach China. Aber die systematische Verarmungspolitik a la Agenda 2010 und damit im Vergleich
zur Konkurrenz niedrige Lohnstückkosten sind schon auch eine. Der kapitalistische Erfolg ist das Elend der Arbeitenden. So ist das im Kapitalismus. Diese Logik kann man nur beenden, indem man ihn
abschafft und die Bedürfnisse der Bevölkerung zum Massstab des Wirtschaftens macht. (Im übrigen bin ich ein eifriger Leser von MeinParteibuch. Immer bin ich nicht einverstanden, aber das ist
einer meiner Lieblingsblogs.)