1. Mai in Spanien

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Zu den mehr als 200 groesseren Kundgebungen kamen dieses Jahr viel mehr Menschen. Eine zentrale Parole war: GEGEN DIE KRISE - ARBEIT, OEFFENTLICHE INVESTITIONEN UND SOZIALER SCHUTZ ! Die CCOO (Comisiones Obreras, einer der beiden grossen Gewerkschaftsbuende) und die IU (Izquierda Unida) drohten mit der Vorbereitung eines Generalstreiks fuer den Fall, dass die Unternehmer die Krise fuer soziale Verschlechterungen nutzen. Die UGT (Union General des Trabajadores), die der sozialdemokratischen (Regierungs-) Partei nahesteht, schliesst eine "haertere Gangart" ebenfalls nicht aus, bremst aber eher.

Regierungschef Zapatero nahm an keiner Kundgebung teil, obwohl der dies noch am Mittwoch im Parlament versprochen hatte und in jedes Mikrofon erzaehlt, wie eng verbunden er sich mit den Arbeitern im allgemeinen und den Arbeitslosen im besonderen fuehle.

Die groessten Kundgebungen gab es in Madrid (65 000 Teilnehmer), Barcelona (40 000), Valencia (20 000) und Sevilla. Auffaellig war, dass sich mehr Arbeitsimmigranten beteiligten. Sie sind von der Arbeitslosigkeit mit am haertesten betroffen.

Im Baskenland nutzte der nationale (baskische) Gewerkschaftsbund ELA die Kundgebungen fuer die Mobiliserung zu einem fuer den 21. Mai vorgesehenen regionalen Generalstreik. ELA, CCOO und UGT hielten in Bilbao gemeinsam eine zentrale Kundgebung ab. Der baskische Gewerkschaftsbund LAB, der der verbotenen independistischen Linken nahsteht, organisierte eine eigenstaendige Kundgebung in San Sebastian.

Obwohl die spanischen Lohnabhaengigen allmaehlich anfangen, sich zu wehren, entspricht die Mobilisierung bei weitem noch nicht dem, was notwendig waere, um die Abwaelzung der Krisenlasten auf die Arbeitenden wenigstens teilweise zu verhindern. Sowohl die UGT als auch die (ehemals kommunistisch "dominierten") CCOO setzen immer noch hauptsaechlich auf "Sozialpartnerschaft" und entsprechen damit durchaus der Meinungsmehrheit in der Arbeiterklasse. Das "spanische Wirtschaftswunder" hat die meisten Arbeiter und Angestellten dazu gebracht, die Wahrnahme ihrer Interessen von den Sozoaldemokraten zu erhoffen. Die Kommunisten und andere Linke sind darueber in die Minderheit geraten (Die IU erhielt bei den letzten Wahlen knapp eine Million Stimmen, gegenueber mehr als 10 Millionen fuer die PSOE.)

Das "Wirtschaftswunder" wird aber gerade von der Krise beerdigt. Noch ist das nicht recht begriffen. Die galoppierende Krise wird die Menschen aber zwingen, so Manches neu zu ueberdenken.

(nach: El Pais und La Vanguardia, 1.5.2009)
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