Haeuser

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Es heisst, niemanden wirtschafte wirtschaftlicher als die Kapitalisten. Schlieslich seien die immer auf Kostenersparnis aus, weil jeder gesparte Euro ein Euro mehr Gewinn ist, und liessen sich daher immer neue produktionstechnische Fortschritte einfallen. Da ist was dran, auch wenn die Kostenersparnis auch und vor allem in  der Einsparung von Lohnarbeit, also dem Einsparen von Loehnen und Gehaeltern, besteht. Mir scheint aber, dass, selbst von diesem sozialen Aspekt abgesehen, das gaengige Stereotyp immer weniger stimmt. ein Beispiel:

In Deutschland lebten wir in einer modernen Wohnanlage, die "Schoener Wohnen" hiess. Sie war ganz aus Beton. Aber architektenschlaue Ornamente aus Holz, ungewoehnliche Schraegungen und Fensterformen, chicke Balkone aus Metall gaben der Anlage ein irgendwie futuristisches, fast luxurioses Aussehen. Fuenfzehn Jahre nach Fertigstellung hiess es, nun muessten leider die Keller generalsaniert werden. Im soliden Stahlbeton hatten sich Risse gebildet, durch die das hochstehende Grundwasser drang. Wir entgingen der Invasion der Baufirma, weil wir uns gerade nach Spanien aufmachten.

Die Wohnung in Spanien ist Teil eines ehemaligen Guthofs, der vor ueber 500 Jahren errichtet wurde und, inzwischen mit modernem "innenleben", immer noch steht und, bei entsprechender Pflege, auch noch weitere 500 Jahre stehen wird. Die Natursteinmauern sind fast einen Meter dick. Sie speichern im Winter die Waerme des Kaminfeuers und halten die Raeume im Sommer auch bei groesster Hitze angenehm kuehl. Es ist gut zu wissen, dass es "im Notfall" eine Zentralheizung und eine Klimananlage gibt. Aber man braucht beide nicht wirklich.

In der modernen Wohnanlage in Deutschland haben wir im Jahr 3000 Liter Heizoel verbraucht. So hoch ist der Verbrauch von Zentralheizungen in Spanien nicht, aber so um die 2000 Liter fallen in den Beton-Hohlblock-Gebaeuden doch an. In unserer modern-mittelaterlichen Behausung: 200 Liter, fuer das Warmwasser.

Die Beton-Gebaeude sind nach 50 Jahren, oder nicht recht viel mehr, abrissreif. Laenger haelt das Zeug nicht. Man muss also den gleichen Wohnraum, den wir in unserem alten Gemaeuer nutzen, bei moderner Bauweise ungefaehr zwanzigmal bauen. - Die angeblich so effiziente, kostensparende moderne Bauweise erweist sich, auf laengere Zeit gerechnet, als mittelalterlich verschwenderisch bzw. unproduktiv.

Nun muss man natuerlich deswegen nicht das Mittelalter verherrlichen. Es ist nicht zu vergessen, dass damals nur wenige adelige Grundbesitzer und Stadtbueger in behaglichen Steinhaeusern leben konnten, waehrend die meisten Leute beengt in erbaermlichen Huetten hausten. Man wird auch heute einem suedafrikanischen Minen-Arbeiter, der endlich aus seiner Wellblechhuette in einen Betonbau mit Wasserversorgung und Heizung uebersiedeln kann, nicht mit der Notwendigkeit nachhaltiger Bauweise kommen wollen. Das Betonzeug ist schon notwendig, um fuer eine Uebergangszeit grosse Menschenmassen mit einigermassen menschenwuerdigem Wohnraum versorgen zu koennen. Die jetzt so verteufelten Plattenbauten der einstigen DDR sind ein anderes Beispiel dafuer.

Aber in einigen reichen Weltregionen, z. B, in Deutschland, koennten heute, bei , im grossen und ganzen gesaeettigtem Wohnraumbedarf, laengst in grossem Umfang - und nicht nur als Nische oekologischen Wohnbaus fuer Bessergestellte - dazu uebergangen werden, Wohnraum und anderen Nutzraum zu bauen, der fuer viele Jahrhunderte haelt und einen geringen Energieverbrauch ermoeglicht. Unsere Nachkommen wuerden es uns danken, wenn sie sich in gemachte Nester setzen koennten, die sie bloss noch zu pflegen brauchen. Und die Archaeologen in zweitausend Jahren muessten sich nicht die Koepfe kratzen wegen der verrueckten Leute Anfang des dritten Jahrtausends, die ganze Gebirge von Betomuell hinterlassen haben.

Es wird nicht gemacht, was heute moeglich und sinnvoll waere. Wohnungen sind eine Ware. Die Rechnungen, die fuer die Produktion von Waren aufgemacht wqerden muessen, ermoeglichen keine gesamtgesellschaftliche Vernunft. In den Bilanzen der Bauunternehmer und Wohnunsgspekulanten hat Nachhaltgkeit keinen Platz. Das Zeug muss sich rentieren. Nach fuenfzig Jahren ist es eh abgeschrieben, inklusive der Abrisskosten. Und wenn die Enkel Opas und Omas Eigentumswohnung nicht mehr nutzen koennen, muessen sie sich selbst Wohneigentum erarbeiten. So soll es sein, zum Nutzen und Frommen der Bank, die die Hypothek ausgibt und des Bauunternehmers, der den neuen Schrott hochzieht.

 

Wer wirtschaftet hier so wirtschaftlich wie moeglich ?

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Veröffentlicht in Vom Besten im Westen

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