Chavez in Madrid

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Als Endstation seiner zweiwoechigen Auslandstour besuchte Chavez heute Madrid. Die TV-Sender setzten das Ereignis als Top-Nachricht. Den begeisterten Empfang spanischer Linker konnte man zwar hoeren, aber irgendwie schafften die Kameras keinen Schwenk auf die Menge. Das ist aber reiner Zufall.

Auch Ihro Majestaet Juan Carlos de Bourbon y ... (es folgen, ueberschlaegig geschaetzt, etwa zwei Dutzend Ehrentitel), Koenig aller spanischen Lande und Oberbefehlshaber aller spanischen Streitkraefte, machte Chavez seine Aufwartung.

Die beiden haben ein besonders herzliches Verhaeltnis zueinander. Das geht auf einen diploamtischen Eklat zurueck, der vor zwei Jahren auf einer internationalen Konferenz, wenn ich mich recht erinnere in Chile, passierte. Dort maulte Chavez ausgiebig einem Redner dazwischen, bis Ihro Majestaet ihm die, vielleicht etwas unprotokollmaessige, Frage stellte, warum er nicht endlich den Schnabel halte (Ihre Majestaet hat zuweilen einen leichten Silberblick und man munkelt, er sei ein Liebhaber franzoesischen Kognaks, was man ihm angesichts seiner erlauchten Herkunft ja doch nicht veruebeln kann.) Chavez schnabelte natuerlich weiter. Darauf erhob sich Ihro Majestaet und enteilte, entruestet, aber ohne zu schwanken. Der Vorfall hatte ein wochenlanges publizistisches Nachspiel, und seitdem geht ihn Spanien der Spruch des Koenigs als gefluegeltes Wort um. Sagt jemand "Por che zu no te callas" (Warum haelst du nicht den Mund), kann er sich der Lacher sicher sein.

Dieses traute Paerchen traf sich also heute im koeniglichen Palast zum Haendeschuetteln vor den Kameras. Chavez guckte schraeg auf Ihro Majestaet, die sich gerade einen Bart wachsen laesst, und sagte, sie, Ihro Majestaet, aehnele ja jetzt Fidel Castro. Ihro Majestaet sagte darauf nichts und laechelte herzlich in die Kameras.

Die Freundschaft Spaniens gegenueber Venezuela ist ueberhaupt von aufrichtiger Herzlichkeit gepraegt. Gerade hat ein venezolanisch-spanisches Konsortium eines der groessten Erdgasvorkommen des Planeten entdeckt, an dessen Ausbeutung sich auch der spanische Energie-Konzern Repsol beteiligen darf.
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Veröffentlicht in Venezuela

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