Bundestagswahlen aus muslimischer Sicht

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner



Die Internet-Seite muslim-markt hatte zur Wahl der LINKEN aufgerufen. Das Wahlergebnis kommentiert nun Yavuz Oezoguz, ein Autor dieser Seite. Ich weise nicht darauf hin, weil ich mit dem Kommentar einverstanden waere (obwohl mir scheint, dass er manche Wahrheit anfuehrt), sondern als Beitrag zur Verstaendigung. Es gibt Millionen Muslime in Deutschland, und es waere gut, wenn mehr Nicht-Muslime eine Ahung davon haetten, was sie denken. Oezoguz spricht sicher nicht fuer alle, aber fuer viele vermutlich schon.

Hier also der Text: Eine Wahlanalyse aus muslimischer Sicht,
http://www.muslim-markt.de/forum/messages/1099.htm
Werbung

Veröffentlicht in Deutschland

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post
K
<br /> <br /> Hallo Sepp,<br /> <br /> <br /> recht hast Du und ich muss mal wieder feststellen, dass Übung Not tut.<br /> <br /> <br /> Es geht um die Menschen und aus welchen Beweggründen sie immer auch Veränderungen anstreben, wichtig ist die Richtung dieses Streben. Je nach Stand der gesellschaftlichen Entwicklung sind die<br /> Menschen im unterschiedlichen Maße religiös geprägt. Diesem nicht Rechnung zu tragen wäre töricht, viel wichtiger ist es die Gleichberechtigung der einzelnen Religionen zu gewährleisten. Dieses<br /> gilt auch für Staat und insbesondere für das Bildungssystem. Ich bin zwar für eine strikte und konsequente Trennung von Stadt und Kirche, aber wenn dieses nicht gewollt ist, wie in diesem Land<br /> üblich, so gilt der Kampf bis zur Durchsetzung dieser Forderung, der Gleichbehandlung der Religionen.<br /> <br /> <br /> Andererseits werden Religionen gern genutzt um diverse kriegerische Ambitionen hinter einem religiösen Denkmantel zu verstecken, wie gegenwärtig im Kampf gegen den Terrorismus zu beachten ist.<br /> <br /> <br /> Ja, es geht um die Menschen und um ihre Interessen, dass Übereinstimmende sollte herausgestellt werden und über das trennende kann geredet werden. In jedem Fall darf kein Mensch wegen seines<br /> religiösen Glaubens benachteiligt und/oder für fremde Interessen instrumentalisiert werden. Du hat auch Recht, eine jede Diskussion über Religion sollte letztendlich in der Grundfrage der aller<br /> Philosophie enden.<br /> <br /> <br /> Gruß<br /> <br /> <br /> Thomas<br /> <br /> <br /> <br /> <br />
Antworten
S
<br /> Hallo Thomas.<br /> Zu Religion (und philosophischem Idealismus im allgemeinen): Letztendlich ist jeder Idealismus reaktionaer, weil jede Variante sich ein fiktives Jenseits spinnt, das den Menschen von eben<br /> "Jenseitigem" abhaengig vorstellt und damit nicht als Meister seines eigenen Geschicks. Dem muss man sich von einem materialistischen Standpunkt aus immer entgegenstellen, finde ich. Gleichzeitig<br /> ist Religion (bisher, und wohl noch fuer laenger) immer auch eine Erscheinung des sozialen/politischen Lebens und hat in dieser Hinsicht Klassencharakter. Gewoehnlich, da hast Du recht, dient<br /> sie der herrschenden Klasse zur geistigen Entwaffnung und praktischen Unterordnung der Beherrschten und ist insoweit Teil des ideologischen Machtapparats, als "Materialisierung" in<br /> Form kirchlicher Hirarchien und deren Verquickung mit dem Staatsapparat auch Disziplinierungs- und Unterdrueckungsorgan. <br /> <br /> Die Tatsache dass die Masse der religioes beeinflussten Menschen aber nicht Herrschende, sondern Beherrschte sind, bringt in die religioesen Bewegungen einen Widerspruch hinein. Stets entwickeln<br /> sich "haeretische" Stroemungen, die meistens deswegen in Widerspruch zu ihrer Hirarchie und oft auch zur herrschenden Klasse geraten, weil sie in religioes formulierter, also schlecht verstandener,<br /> Weise den sozialen Gegensatz ausdruecken. - Beispiele: "Befreiungstheologie" in Lateinamerika, muslimisch gepraegte Widerstandsbewegungen auf den Philippinen, in Deutschland Pax-Christi-Leute,<br /> religioes-politische Bewegungen wie Hamas und Hizbollah, etc.pp. .<br /> <br /> Auf dieser Ebene stellt sich fuer Leute, die die Emanzipation der Arbeiterklasse befoerdern wollen, die Frage, wie mit diesen real vorkommenden Kraeften umzugehen ist. Und in dieser Hinsicht bin<br /> ich dafuer, mit solchen Kraeften, wo es inhaltlich geht, Buendnisse einzugehen. Soweit das geht, wird damit auch die Taktik der Herrschenden unterlaufen, die Arbeiterklasse (und sonstige, in den<br /> armen Regionen v.a., die Masse der Bauern und Landlosen) entlang des imaginaeren, ideologischen, Gegensatzes zwischen verschiedenen Religionszugehoerigkeiten bzw. Rekigioesen/Nichtreligioesen<br /> zu spalten.<br /> <br /> Anwendung auf die Muslime in Deutschland: Ihre Ausgrenzung hat die angedeutete Spaltungsfunktion. Sie leitet sich ab aus - und befordert - Nationalismus, (mehr oder weniger) verdecktem Rassismus,<br /> der neuen ideologischen Feindfigur "Kampf der Kulturen"/"Krieg gegen den Terror". Ich meine, dass man dem "von links" entgegenwirken muss und fuer vorbehaltlose Gleichberechtigung der Religionen,<br /> die Nicht-Dioskriminierung der Riten - im gegebenen Fall des Islam - eintreten muss.<br /> <br /> Das ist im Konkreten oft durchaus heikel: Die Erklaerung der Religion zur Privatsache, z.B. die A-Religioesitaet des Bildungswesens, ist ja eine verteidigenswerte Errungenschaft der buergerlichen<br /> Revolution und nach wie vor - ich habe das mit dem spanischen Beispiel ja sozusagen tagtaeglich vor Augen - ein Kampfthema. Welche Stellung soll man zu Sachen wie "Kopftuchverbot" oder<br /> Ritualverrichtungen von Muslimen in der Schule einnehmen ? - Ich meine, man muss sich auf die Seite der Muslime stellen, weil es hier hauptseitig nicht um den weltanschaulichen Gegensatz geht,<br /> sondern um den Gegensatz Spaltung und Unterdrueckung der Beherrschten/ Solidaritaet und Verteidigung buergerlich-demokratischer Freiheiten fuer die Beherrschten.<br /> <br /> Wie siehst Du das ?<br /> <br /> Gruesse<br /> Sepp<br /> <br /> <br />
Antworten
K
<br /> <br /> Hallo Sepp,<br /> <br /> <br /> nun wird die Seite politisch justiert sein, ihr Ausgangspunkt eher zurückgewandt, was gesellschaftliche Entwicklung betrifft. Das muss ja nicht hinderlich sein, wenn es um die Einschätzung und<br /> Wertung gegenwärtiger Ereignisse geht. Nur wo wird das Ziel des Kampfes/der Kirtik gesehen? Denn für irgendetwas wird ja eingetreten! Und wenn ich die Seite recht verstehe, so geht es um die<br /> Interessen der Muslime, also einer ganz betimten religiös motivierten Gruppe, welche durch den Wahlausgang sicher auch weitere Verschlechterungen für sich sieht. Hier macht die Stellung des<br /> Menschen an Hand der Religion den Unterschied, nicht Stellung des Menschen an Hand seiner Stellung zu den Produktionsmitteln.<br /> <br /> <br /> Es spielt der Umgang mit praktiziertem Glauben eine größere Rolle, als die Trennung in Arm und Reich. Der Ausgangspunkt der Kritik führt letztendlich zum Ziel der Kritik, was soll mit der Kritik<br /> erreicht werden?<br /> <br /> <br /> Das aufgerufen wird die Partei Die Linke zu wählen ist da nicht verwunderlich, da diese im Namen des Pluralismus auch Raum für religiös gläubige Menschen bietet, traditionell zwar mit einem<br /> leichtem Hang zum Christentum, aber dem Hauche Lessings verpflichtet. In diesem Zusammenhang ist sie sich nicht einmal zu schade, den Kirchen ein Monopol auf allgemein, menschliche Werte<br /> zuzuerkennen. Da sie traditionell aber noch fest ostverwurzelt ist, findet sich in ihr ein Großteil Atheisten und religiös nichtgläubige Menschen, wodurch wiederum einseitig, religiöser Glaube<br /> nicht dominieren kann. Auch findet sich heute noch etwas von der wissenschaftlichen Weltanschauung der Arbeiterklasse in der Linken, wenn auch sehr verschüttet und nur gelegentlich, reichlich<br /> inkonsequent durchschauend. Diese Inkonsequenz macht es religiös-gläubigen Menschen sehr leicht, ohne viele Vorbehalte, ihren Interessen entsprechend, diese Partei zu wählen.<br /> <br /> <br /> Religiöser Glaube ist in der Gesellschaft des Kapitals Rückwärtsgewand, (zu Luthers Zeiten brauchte das Bürgertum noch eine Religion als Transmissionsinstrument, die Aufklärung machte sie<br /> überflüssig und der faulende, parasitäre Kapitalismus nutz sie gern als Vehikel zum Machterhalt)  da der religiöse Glaube Herrschaftsstrukturen manifestiert und kultiviert! Aber<br /> auch die Partei die Linke ist nicht gewillt diese Gesellschaft grundlegend zu ändern, sie ist angekommen im System und hat begonnen diesem zu dienen.<br /> <br /> <br /> Die einen sind aus der Vergangenheit übrig geblieben, die anderen aus der Zukunft verstoßen worden, so treffen sie sich in der Gegenwart, und haben nichts Besseres zu tun, als die vorgefundenen<br /> Verhältnisse für sich zu kultivieren.  <br /> <br /> <br /> Nun bin ich etwas abgeschweift, nur wenn man konkreter über diese Problematik nachdenkt, desto mehr Bezugs- und Kritikpunkte erschließen sich einen und darum soll hier Schluß sein.<br /> <br /> <br /> Mit solidarischem Gruß<br /> <br /> <br /> Thomas         <br /> <br /> <br /> <br /> <br />
Antworten
S
<br /> <br /> Meine Sicht ist das natuerlich auch nicht. Der Seite muslim-markt ist politisch ziemlich genau justiert. Yavuz Oezoguz`Ansichten aehneln, scheint mir, sehr den Positionen des iranischen Regimes.<br /> Um so interessanter finde ich, dass von dieser Seite zur Wahl der LINKEN aufgerufen worden ist. Die ideologischen Ausgangspunkte sind ja kontraer, aber in den politischen Schlussfolgerungen gibt<br /> es dann viele Gemeinsamkeiten. Wenn man diese Internet-Seite als fuer eine politische Stroemung stehend anschaut, die in den westlichen Medien gewoehnlich als "fundamentalistisch" gehandelt wird,<br /> scheint es sich bei naeherem Hinsehen in Wirklichkeit um so etwas wie islamischen Sozialdemokratismus/Reformismus zu handeln.<br /> <br /> <br /> <br />
Antworten
K
<br /> <br /> Ein extremer Verriss mit viel Wahrheiten, meines Erachtens aber auch sehr undifferenziert. Die Menschen werden alle über einen Kamm geschoren ohne gegebene Befindlichkeiten zu berücksichtigen.<br /> Wobei die Kritik an der Ich-Gesellschaft trifft, obwohl es zunehmende gegenläufige Tendenzen gibt, welche nicht außer Acht gelassen werden sollten. Ja, so erlebt ein jeder die Welt in der wir<br /> leben anders und die verschiedensten Kulturkreise treffen aufeinander, der Umgang möge gelernt sein und im Glauben ist sicher nicht die Lösung der Probleme gegeben. Eine Kraft zu Veränderungen<br /> kommt immer aus den Menschen selbst, den Erfordernissen und Einsichten entsprechend.<br /> <br /> <br /> <br /> <br />
Antworten