Mallorca: Sonneninsel im Krisensturm

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Diesen September gab es auf Mallorca drei Wochen lang jeden Tag Gewitter, Regenschauer, Wolkenbrueche. Seit zehn Jahren habe ich nicht dergleichen erlebt. Gewoehnlich ist das ein Wetter fuer Anfang November. Nun hat das Wetter zwar nichts mit der Wirtschaftskrise zu tun, aber es draengt sich doch auf, diesen Wetterzufall als Symbol zu nehmen. Ueber die Insel zieht ein Krisensturm.

Wenn man durch die Strassen der putzigen Staedtchen schlendert, durch den Sand der Straende in den vielgefilmten Buchten stapft, sieht man kaum eine Aenderung. Vielleicht waren die Menschenansammlungen im Sommer ein wenig lichter. In den Bars sitzen vielleicht weniger Gaeste. Das Gedraengel auf den Wochenmaerkten laesst vielleicht etwas mehr Platz . In den Zeitungen steht, nun, eine so gute Saison sei 2009 nicht gewesen, der Rueckgang sei jedoch moderat geblieben. In den TV-Kanaelen wird erzaehlt, nun, gewisse Sorgen gebe es schon, aber das sei alles nicht so dramatisch.

Meine persoenliche Erfahrung ist anders. In meinem Metier konnte ein Gaertner mit gutem Ruf vor einem Jahr noch Stundensaetze von 16 oder 18 Euro berechnen. Auch heutzutage gibt es noch ab und an neue Auftraege - aber zu Stundensaetzen von 10 oder allenfalls 12 Euro. Die Gaerten und Parks der Wohlhabenden und Reichen, die unsereins pflegt, muessen auch in der  Krise gepflegt werden. Aber die Besitzer haben Blut geleckt. - Es ist doch Krise. Da muss halt jeder den Guertel enger schnallen. Auch die Gaertner. Nicht, dass es auf die paar Kroeten ankaeme, die man so einem Gaertnerlein zustecken muss. Aber weniger ist weniger, und weniger ist, in dem Fall, gut. "Mia hams nit vom ausgebe, mia hams vom behalte", sagt die schwaebischen Variante dieser Sorte Leute. Ihre nordeutschen, franzoesischen, britischen. spanischen Klassenbrueder kennen vielleicht diesen Spruch nicht, aber sie handeln auch danach.

Die Gaertner muessen es sich gefallen lassen. Sie haben naemlich massenhaft Konkurrenz bekommen, die als Lohndruecker wirkt. Die Haelfte der Bauarbeiter auf Mallorca ist arbeitslos, und so ein Mauerer kann notfalls statt der Kelle auch die Gartenschere schwingen. So mancher tut es schon fuer 5 Euro die Stunde. Und es wird gemunkelt, Zuwanderer aus Osteuropa, die sich gar nicht mehr anders zu helfen wissen, koenne man auch schon fuer 3 Euro haben.

Der groesste mallorquinische Baukonzern ist seit dem letzten Winter pleite, und viele kleine und mittlere Betriebe sind es auch. Die Zahl der Touristen soll um ungefaehr 12 % zurueckgegangen sein. Hinter solchen Top-Meldungen steht: Die Mauerer, die von der Stuetze leben muessen, kaufen weniger zu essen, weniger Benzin, kein Feierabendbier und keine Mittagsmenue mehr in der Kneipe. Die Zahl der Touristen ist vielleicht nicht dramatisch ruecklaeufig, aber die, die kommen, geben weniger aus. Die deutsche Facharbeiterfamilie, deren Ernaehrer auf Kurzarbeit ist, konnte sich in diesem Sommer vielleicht gerade noch ein Supersonderallinclusveangebot leisten, aber wenn im naechsten Jahr Hartz IV angesagt ist, wird auch das nicht mehr gehen. Die Touristenzahlen konnten nur erreicht werden, weil die Angebote sehr verbilligt wurden. Damit wuergen die grosssen Konzern-Anbieter den kleinen die Luft ab. Der All-inclusive-Tourismus fegt eine Masse kleiner Restaurants und Bars vom Markt.

Jetzt hoffen alle auf die naechste Saison. Ich vermute, sich zu fuerchten ist angebrachter. Und wenn das Wetter weiter so symboltraechtig mitspielt, werden wir auf Mallorca in diesem Winter Schneeverwehungen haben.

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Veröffentlicht in Spanien

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S
<br /> <br /> Ich kann die Eindrücke, die in diesem Artikel über den Tourismus in Spanien vermittelt werden, bestätigen. Seit Beginn der Wirtschaftskrise hat sich das Reiseverhalten bei zumindest einem Drittel<br /> der deutschen Urlauber vollständig geändert. Es wird nicht mehr Monate im Voraus der Jahresurlaub von sechs Wochen gebucht sondern der Trend geht eindeutig hin zu spontanen Last-Minute-Buchungen<br /> auf den letzten Drücker und zu mehrmaligem Kurzurlaub im Jahr. Davon profitieren vor allem die traditionellen deutschen Urlaubsziele wie die Ostseeregion. Der Tourismus in den traditionellen<br /> deutschen Ferienregionen in Spanien wie die Balearen, die Kanaren und die Costa Brava erleben derzeit einen starken Einbruch und einen Besucherrückgang. Neben dem Tourismus ist zudem die<br /> Immobilienbranche in Spanien momentan von einer sehr starken Krise betroffen.<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Ja, und ich fuerchte, das wird noch richtig dramatisch werden.<br /> <br /> <br /> <br />