Der Schwanz wedelt nicht mit dem Hund

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner



Israel steht zu Recht in der Kritik. Es handelt als grausame Besatzungsmacht, setzt sich ueber alle Normen des Voelkerrechts hinweg, ignoriert alle UNO-Beschluesse, die ihm nicht passen, vereinnahmt alle Menschen juedischen Glaubens fuer seine zionistische Politik, mischt sich undercover mit Geheimdienstmethoden und Lobby-Arbeit in die inneren Verhaeltnisse anderer Staaten ein, missbraucht den Holcaust als moralische Rechtfertigung der eigenen rassistischen Politik. Die Rechtsregierung ist ueber Wahlen ans Ruder gekommen und hat Rueckhalt in der Bevoelkerung.

Aber mir faellt auf, dass in der Kritik das Gewicht dieses Staates haeufig unrealistisch bewertet wird. Vonseiten des offenen und heimlichen Antisemitismus, der die schaendliche Politik Israels benutzt, um via Zionismus den Hass auf die Juden zu schueren, wird die angebliche Macht Israels ohnehin grotesk uebertrieben. Aber solche Uebertreibungen sind auch  der Deabtte zivilisierter Leute oft beigemischt.  Zum Beispiel wird immer wieder behauptet, Staaten wie Deutschland und sogar die Hegemonialmacht USA befaenden sich ueber dunkle Machenschaften der zionistischen Lobby im Hintergrund gewissermassen in Geiselhaft des kleinen Israel, liessen sich vor den Karren dieses Staaetchens spannen, liessen sich erpressen. Da dies im Einzelfall oft wirklich passiert, wird der Blick auf das Ganze leicht aus den Augen verloren. Das sollte man sich gelegentlich im eigenen Weltbild geraderuecken.

Israel waere, auf sich allein gestellt und nur auf die eigene wirtschaftliche Kraft gestuetzt, ein Staat vom Gewicht in der Groessenordnung Oesterreich - ueber der Schwelle des Kleinstaats, aber weit davon entfernt, eine Macht mittleren Gewichts zu sein, die weltweit agieren und Einfluss nehmen kann. Dass seine wirkliche Macht weit darueber hinausgeht, liegt an seiner Funktion fuer Maechtigere. Israel kann diese Macht nur ausueben, so lange das diesen Maechtigeren zupass kommt. Seine Macht ist geborgt, abhaengig von den Zuwendungen aus den USA und Westeuropa. Ohne diese koennte Israel nicht im entferntesten seinen verhaeltnismaessig gewaltigen Militaer- und Geheimdienstapparat finanzieren, die Region militaerisch dominieren und sogar viel groessere Staaten wie den Iran bedrohen.

Israel ist ein Klientelstaat. Es ist abhaengig von den Kalkulationen vor allem der USA, in zweiter Linie denen einiger westeuropaeischer Staaten. Eben darin liegt die Tragik fuer die israelischen Buerger. Sie sind auf Gedeih und Verderb diesen Kalkulationen ausgeliefert und nur deshalb scheinbar erhaben ueber das Erfordernis, sich mit den Palaestinensern und den Nachbarstaaten zu verstaendigen.

Israel ist Zeit seiner Existenz einer der wichtigsten Anker der USA fuer deren Machtstellung im Nahen Osten. Die Konflikte Israels mit den arabischen Nachbarn sind eines der wichtigsten Medien, ueber die die dauernde Anwesenheit der USA in dieser Region, seine Ansprueche auf die Gestaltung der machtpolitischen Verhaeltnisse in dieser Region begruendet und organisiert werden. In dem Moment, in dem sich die vor allem USamerikanischen Optionen aendern wuerden oder die USA nicht mehr in der Lage waeren, sich den Nahen Osten unterzuordnen, befaende sich Israel angesichts seiner jahrzehntelangen Feindpolitik gegenueber seinen Nachbarn in einer Existenzkrise. Daher sind die Linken in Israel, die fuer Frieden und Verstaendigung mit den Nachbarn eintretenden Kreise wie Gush Shalom, auch die wirklichen Patrioten Israels, so sehr sie auch in der bestaendig wachsenden nationalistischen Hysterie als Nestbeschmutzer und Selbsthasser verteufelt werden. Und die, die Israels Existenz gefaehrden, sind die israelischen Rechtsradikalen und Faschisten, die mit ihrer Unterdrueckungspolitik gegenueber den Palaestinensern das Land und seine Buerger existenziell gefaehrden.

Die US- und westeuropaeische Option fuer Israel mag fuer die absehbare Zeit alternativlos sein. So lange das so ist, kann Israel dir Rolle des von fremden Haenden gefuehrten Pfahls im Herzen der Nahost-Region spielen. Aber das hat nicht nur den schrecklichen Alltags-Preis der Massaker und Gewaltexzesse, die immer wieder durch die Medien gehen, sondern das gefaehrdet auf laengere Sicht die Zukunft des Landes selbst. Es scheint nur so, als wedele der Schwanz mit dem Hund. Geostrategisch wedelt der Hund mit dem Schwanz. Und im Notfall kann der Hund auch ohne Schwanz leben.


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Laudatio auf Uri Averny:  http://www.dersemit.de/Artikel/0911a/91123_red_laudatio.html  


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P
<br /> Man siehts doch an Guidos aktueller Nahostreise: Iran mal wieder kritisieren (was auch in Ordnung ist) aber Israels feindselige Besatzungslotik mit keinem Wort erwähnen... Traurig.<br /> <br /> <br />
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