Kapitalistischer Fortschritt in Rumänien

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Als 1989 die Konterrevolution den Sozialismus beseitigte, stand es um Rumänien nicht gut. Der Lebensstandard der Rumänen war niedriger als im benachbarten Bulgarien und erst recht im Vergleich mit der CSSR und der DDR.

 

Hat der wieder eingeführte Kapitalismus die Lage verbessert ? - Hier einige wirtschaftliche Daten:

 

(1989 = 100 %)

 

heutiger Stand:

 

Zahl der Krankenhausbetten: 54,6 % (2007)

Kohleförderung:                       36   

Stahlproduktion                        19

LKW-Produktion                        3

Traktoren-Produktion              18

Spanabhebende Maschinen    5

Kunstfaser und Garne               4,7

Produktion von Geweben       13

Rinderbestand                         36

Fleischproduktion                    14

 

Auslandsschulden:

1989 keine

2010 ca 100 Milliarden Euro.

 

- Überzeugende Daten, finde ich.

 

_____

Quelle: Constantin Rotaru, Vors. der Rumänischen KP, nach http://www.rotfuchs.net/Zeitung/Aktuell/RF-154-11-10.pdf

 

 

 

 

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Veröffentlicht in Osteuropa

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A
<br /> <br /> Kleiner Nachtrag, Kommentar Sepp:<br /> <br /> <br /> ...Es kann ja kaum von Souveränität die Rede sein, wenn die Regierungen ihre Haushaltsentwürfe bei IWF und EU einreichen müssen, ehe sie überhaupt ins Parlament gebracht werden...<br /> <br /> <br /> Genau diese Vorprüfung der Etatentwürfe sollen wir in den EU-Ländern doch künftig alle machen! Auch Deutschland wird seinen Etatentwurf künftig in Brüssel abnicken(?)<br /> lassen!<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />
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A
<br /> <br /> Sepp, ich schätze, wir sind da nicht so weit auseinander:<br /> <br /> <br /> Rumänien stand nach dem Ende der SU und des WP wahrscheinlich schlechter da, als alle anderen Staaten Osteuropas ausser vielleicht Bulgarien?<br /> <br /> <br /> Die veraltete Wirtschaft wird mit dem harten Wettbewerb des Weltmarktes in Kontakt gebracht und hält dem Druck nicht stand.<br /> <br /> <br /> Das Land hat keine Einnahmen und wird zum Schuldner von Weltbank und IWF. Gläubiger haben die schlechte Angewohnheit überall reinreden zu wollen...<br /> <br /> <br /> Ich möchte, ich kann mir kein (seriöses) Urteil darüber erlauben, ob es den Menschen in Rumänien heute oder früher besser geht bzw. ging.<br /> <br /> <br /> Diese Frage wird jeder Rumäne subjektiv für seine persönliche Lage beantworten müssen?<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Da haben wir schon eine Differenz. Du schreibst vom "harten Wettbewerb des Weltmarktes". Zugrunde liegt, jedenfalls idealtypisch, dass anderswo billiger produziert wurde als im damaligen<br /> Rumänien, also die kapitalistische Produktivität. Ich behaupte, dass Produktivität im Kapitalismus falsch gemessen wird. Je nach Zweig gehen mehr oder weniger, in der Atomindustrie z. B. sogar<br /> nur ein winziger Bruchteil in die tatsächlichen gesellschaftlichen Kosten ein, weil das den Kapitalisten gar nicht interessieren kann. So kommt es zu so paradoxen Ertscheinungen, dass Atomstrom<br /> "billig", Strom aus Soaranlagen "teuer" ist - einfach weil in die betriebswirtschftliche Rechnung die Folgekosten, die in diesem Fall huntertausende jahre lang anfallen, nicht eingehen. Solche<br /> Kosten in die betriebswirtschaftliche Rechnung politisch hineinzuzwingen ist schwierig, und der Staat, der das allein könnte, ist viel zu eng mit dem Kapital verbandelt, als dass er das ernsthaft<br /> leisten würde. Im Effekt geht die Produktivkraftentwicklung insgesamt in eine fatale Richtung, weil nur zählt, dass aus Geld mehr Geld wird, der materielle Nutzen (Gebrauchswert der Waren) daher<br /> ebenso wenig ein entscheidendes Kriterium sein kann wie die "externen Kosten". Der kapitalistische Fortschritt "untergräbt die Erde und den Arbeiter", wie Marx schreibt.<br /> <br /> <br /> Im Fall der untergegangenen soz. Länder ging es aber praktisch nicht einmal darum. Die westlichen banken und Konzerne haben sich der Produktionsanlagen bemächtigt, um sie stillzulegen, weil ihnen<br /> damit ein Absatzmarkt für die eigenen Produktionsanlagen offenstand. Die Betriebe konnten so alt oder auch so modern sein, wie sie wollten. Sie wurden einfach deswegen liquidiert. Das war<br /> betriebswirtschaftlich logisch, volkswirtschaftlich unsinnig, weil sie damit zugleich die Zahlungsfähigkeit der begehrten Kundschaft ruinierten (Die Kreditierung - alos z. B. 100 Milliarden "für<br /> Rumänien" war dann ein Ausweg, der das Problem aber bloss aufschob.) Aber so blöd müssen Kapitalisten in der Konkurrenz handeln, wenn sie als solche überleben wollen. - Es handelt sich einfach um<br /> einen saublöden Mechanismus, dessen Abschaltung überfällig ist.<br /> <br /> <br /> Naja, für eine Blogdiskussion geht das vielleicht zu weit. Es handelt sich um ein Thema, über das schon viele schlaue Bücher geschrieben worden sind und es müssen noch mehr geschrieben werden.<br /> <br /> <br /> <br />
A
<br /> <br /> Dieses Beispiel finde ich jetzt weniger geeignet um die Überlegenheit des Sozialismus über den Kapitalismus zu belegen. Die rumänische Industrie verschwand, weil sie nicht wettbewerbsfähig war<br /> unter Weltmarktbedingungen. Man könnte da doch auch fragen, wo Rumänien heute stünde, wenn sie einfach "sozialistisch" weitergemacht hätten und ob dies überhaupt eine reale Option war? Wofür die<br /> hundert Milliarden Schulden ausgegeben wurden und ob evtl. Korruption in diesem Land eine gewisse Rolle spielt, wäre eine weitere Frage...<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Wirklich überzeugend wäre natürlich nur ein Gesamtaufstellung. Es könnte ja sein, dass diese Sektoren so gut wie eingegangen sind, aber dafür andere boomen. Symptomatisch sind die Zahlen aber<br /> trotzdem für den Niedergang, "Wettbewerbsfähigkeit" hin oder her. Den meisten Leuten gehts einfach eher noch schlechter als zu sozialistischen Zeiten, und wenn nicht die massenhafte Wanderarbeit<br /> in Westeuropa wäre, würden viele schlicht hungern.<br /> <br /> <br /> Es gab nach dem Zusammenbruch der SU natürlich so gut wie keine Möglichkeit in irgendeinem osteuropäischen Land, den Sozialismus zu erhalten. Aber auch zwischen Kapitalismus und Kapitalismus gibt<br /> es Unterschiede. Die osteuropäische Variante ist eben kein eigenständiger, sondern faktisch ein neokolonialer. Es kann ja kaum von Souveränität die Rede sein, wenn die Regierungen ihre<br /> Haushaltsentwürfe bei IWF und EU einreichen müssen, ehe sie überhaupt ins Parlament gebracht werden.  Dto. Korruption - wie in Lateinamerika, so wie sich die vom Ausland abhängige<br /> Kompradorenburgeoisie halt überall auf der Welt aufführt. Die Lumpen aus Partei und Regierung und die ehemaligen Reichen, die in den Westen abgehauen waren, haben sich das Volkseigentum praktisch<br /> kostenlos unter den Nagel gerissen und handeln bis heute wie Diebe und Räuber eben handeln.<br /> <br /> <br /> "Überlegenheit des Sozialismus": Das meinte ich nicht. Der Sozialismus des 20. Jahrhunderts ist m.E. nicht zuletzt daran kaputt gegangen, dass er diese eben Überlegenheit nicht erreicht hat.<br /> Bloss hat das nicht so direkt was mit dem Wohlergehen der Masse der Bevölkerung zu tun.<br /> <br /> <br /> <br />