Kim Jong Il: Ein Originaltext in deutscher Übersetzung. Teil 1
Hier der 1. Teil einer Abhandlung Kim Jong Ils über "Grundfragen des Aufbaus einer revolutionären Partei". In diesem ersten Teil geht es um die historischen Lehren und Konsequenzen, die die Arbeiterpartei Koreas aus der Niederlage des Sozialismus in der Sowjetunion und den osteuropäischen Staaten gezogen hat. Den zweiten und dritten Teil dieser Arbeit stelle ich in den nächsten Tagen ins Blog.
ÜBER GRUNDFRAGEN DES AUFBAUS EINER REVOLUTIONÄREN PARTEI
By switzerland, on January 22nd, 2011
KIM JONG IL
ÜBER GRUNDFRAGEN DES
AUFBAUS EINER
REVOLUTIONÄREN PARTEI
WERKTÄTIGE DER GANZEN WELT, VEREINIGT EUCH!
Abhandlung, verfasst anlässlich des
47. Jahrestages der Gründung der PdAK
10. Oktober 1992
INHALT
1. Die historischen Lehren aus dem Aufbau der
sozialistischen Regierungsparteien ………………………………….. 2
2. Das Grundprinzip des Aufbaus unserer revolutionären
Partei……………………………………………………………………………. 15
3. Die internationale Geschlossenheit und Solidarität der
revolutionären Parteien…………………………………………………. 38
Vor den revolutionären Parteien und Völkern steht gegenwärtig
als wichtigste Aufgabe, die Sache des Sozialismus zu verfechten,
zu schützen und weiterzuentwickeln. Der Sozialismus macht
derzeit Bewährungsproben durch, aber er ist nach wie vor
Kampfziel der revolutionären Parteien und das Streben der fortschrittlichen
Menschheit. Davon zeugt eindeutig die Tatsache,
dass unzählige revolutionäre Parteien der Welt die im April dieses
Jahres in Pyongyang veröffentlichte Deklaration über die
Verteidigung und Weiterentwicklung des Werkes des Sozialismus
unterschrieben haben.
Die Frage danach, wie diese Sache voranzubringen ist, hängt davon
ab, wie die sie leitende Partei aufzubauen und ihre führende Rolle
zu verstärken ist. Die Geschichte des Ringens um den Sozialismus
ist, kann man sagen, eine Historie des Aufbaus und der Tätigkeit der
Partei der Arbeiterklasse. Der ganze Verlauf des blutigen Kampfes
der Arbeiterklasse und der werktätigen Volksmassen um den Sozialismus
zeigt, dass der Schlüssel des Sieges wie auch die Ursache der
Niederlage im Aufbau und der Tätigkeit der Partei liegen.
In dieser Zeit, in der die revolutionären Parteien in der Pyongyanger
Deklaration ihr gemeinsames Kampfprogramm sehen und
sich zum neuen Kampf für den Sozialismus erheben, ist es von
überaus großer Bedeutung, die historischen Erfahrungen und Lehren
aus dem Aufbau der Partei richtig zusammenzufassen. Das
erweist sich als eine dringende Frage auch deshalb, um unsere
Funktionäre und alle anderen Mitglieder der Partei dazu anzuhalten,
dass sie gegenüber allen Umtrieben der die revolutionäre Partei
der Arbeiterklasse zu zerstören versuchenden Klassenfeinde
hohe Wachsamkeit walten lassen, die Partei unablässig festigen,
ihre führende Rolle weiter erhöhen und so das Werk des Sozialismus
weiterhin tatkräftig voranbringen.
1. DIE HISTORISCHEN LEHREN AUS
DEM AUFBAU DER SOZIALISTISCHEN
REGIERUNGSPARTEIEN
Das Scheitern des Sozialismus in vielen Ländern lässt ernste
Lehren zurück. Hierbei kommt es uns vor allem darauf an, genau
zu erkennen, warum die Parteien, die jahrzehntelang einen harten
und schwierigen Kampf führten und das Werk des Sozialismus
anleiteten, plötzlich zerfallen konnten, und das deshalb, weil die
Führung durch die Partei eben eine Lebensader der Sache des Sozialismus
darstellt.
Der Sozialismus ist eine progressive Gesellschaftsformation,
die die souveränen Forderungen der Volksmassen widerspiegelt,
und es ist der Lauf der Geschichtsentwicklung, dass die Menschheit
zum Sozialismus schreitet. Der Gang der Menschheitsgeschichte
zum Sozialismus wird von der Partei der Arbeiterklasse
geführt, und der Vormarsch der sozialistischen Gesellschaft verlangt
die ständige Festigung und Weiterentwicklung der Partei der
Arbeiterklasse. In den letzten Jahren brachen in einigen Ländern
die sozialistischen Regierungsparteien zusammen und ging der
Sozialismus zum Kapitalismus zurück, was von der Warte des
gesamten Stromes der Menschheitsgeschichte aus als eine vom
normalen Gleis abweichende zeitweilige Erscheinung betrachtet
werden kann.
Die Auflösung der Parteien, die den Sozialismus aufbauten, ist
auch hinsichtlich der Umwelt und der Bedingungen des Aufbaus und
Wirkens der Partei eine anormale Erscheinung. Hinsichtlich dieser
Umwelt und der Bedingungen hat die sozialistische Gesellschaft unvergleichliche Vorteile gegenüber der kapitalistischen. Im Sozialismus
verschwinden sozial-ökonomische und klassenmäßige Voraussetzungen,
die den Aufbau der Partei und ihre Tätigkeit behindern,
erweitern sich die soziale und Klassenbasis der Partei und nimmt die
Möglichkeit dafür zu, dass die Partei durch ihre volksverbundenen
Maßnahmen von den Volksmassen Unterstützung erhält und ihr Vertrauen
gewinnt. Trotzdem brachen die sozialistischen Regierungsparteien
zusammen. Das hängt damit zusammen, dass die Parteien in
ihrem Aufbau und Wirken nicht richtig vorgingen.
Das wichtigste Problem beim Aufbau und Wirken einer Partei
der Arbeiterklasse besteht darin, die organisatorische und ideologische
Grundlage der Partei zu konsolidieren.
Wie die Partei der Arbeiterklasse als eine politische Organisation,
die auf der Grundlage der Ideologie dieser Klasse geschaffen
wurde, die organisatorische und ideologische Grundlage anlegt,
das ist ein Grundfaktor, der über Sein oder Nichtsein der Partei
entscheidet. Die Partei der Arbeiterklasse hat von der Zeit der
Vorbereitungen auf ihre Gründung an im ganzen Verlaufe ihres
Aufbaus feste organisatorische und ideologische Grundlagen zu
schaffen. Diese Frage gewinnt noch mehr an Bedeutung, wenn die
Fortsetzung der Führung der Partei auf der Tagesordnung steht,
weil in dieser Zeit die Umtriebe der inneren und äußeren Klassenfeinde
und der machtgierigen Intriganten und Streber immer unverhohlener
werden.
Sind die organisatorischen und ideologischen Grundlagen der
Partei solide genug, ist sie durchaus in der Lage, jegliche Machenschaften
der Imperialisten und der Klassenfeinde, die die
sozialistischen Regierungsparteien zu zerstören beabsichtigen,
zum Scheitern zu bringen. Die verräterischen Handlungen in der
Partei gefährden zwar ihre Existenz noch stärker als die Destruktionsmanöver
von außen, aber ob sie diesen verräterischen Handlungen
gewachsen ist oder nicht, hängt von der Stabilität ihrer
organisatorischen und ideologischen Grundlage ab. Wenn in der
Partei die revolutionären Prinzipien konsequent behauptet werden
und sie organisatorisch und ideologisch gefestigt ist, werden die
Verräter an der Revolution deren Führung nicht in die Hände bekommen,
und selbst wenn das geschehen sollte, würden sie den
Parteiorganisationen und -mitgliedern nicht einfach eine konterrevolutionäre
Linie oktroyieren können. Aber bei nicht wenigen
Parteien wurde die organisatorische und ideologische Grundlage
aufgrund des Eindringens des bürgerlichen Liberalismus geschwächt,
und die Renegaten der Revolution zwangen ihnen in
Ausnutzung dieser Gelegenheit offen eine konterrevolutionäre
Linie auf. Insbesondere ließ die Zusammensetzung der Reihen der
Kader, die das Rückgrat der organisatorischen und ideologischen
Grundlage der Partei bilden, noch zu wünschen übrig, und unter
ihnen vollzog sich eine ideologische Entartung, wodurch viele von
ihnen nicht imstande waren, Revolution und Konterrevolution richtig
voneinander zu unterscheiden, und auch danach, nachdem sie die
konterrevolutionäre Natur der Renegaten erkannt hatten, ideologisch
mit ihnen sympathisierten, ihnen blindlings folgten oder zuallererst
an die eigene Selbsterhaltung dachten, ihnen zu gefallen suchten
und sich ihnen unterwarfen. Selbstverständlich gaben die standhaften
Kommunisten nicht ihr Parteigewissen auf und kämpften für die
Verteidigung der Partei und des Sozialismus. Aber ihr Ringen vermochte
dem durch die lange Degeneration der Partei entstandenen
konterrevolutionären Rückfall nicht standzuhalten.
Eine wichtige Aufgabe beim Aufbau und der Tätigkeit einer
Partei der Arbeiterklasse besteht ferner darin, ihre Massenbasis zu
stabilisieren.
Die Partei der Arbeiterklasse als Repräsentant der Interessen
der Volksmassen muss in sie ihre Wurzel senken. Das ist eine unentbehrliche
Vorbedingung ihrer Existenz. Ohne Unterstützung der
Massen kann sie ihre Existenz nicht aufrechterhalten.
Wenn die sozialistische Regierungspartei die Massenbasis konsolidieren
will, muss sie durch erfolgreichen Aufbau des Sozialismus
die Vorzüge dieser Gesellschaftsordnung stark zum Tragen
bringen und zugleich die Arbeit mit den Massen verbessern und
sie zuverlässig mit dem sozialistischen Gedankengut wappnen. Die
Partei der Arbeiterklasse an und für sich ist eine Partei der Volksmassen selbst, die sich für den Schutz der Interessen der Volksmassen einsetzt, weshalb das Aufbegehren der werktätigen
Volksmassen gegen diese Partei schließlich ein Vorgehen gegen
sich selbst bedeutet. Wenn aber die sozialistische Regierungspartei
wegen nachlässiger Organisierung und Führung des Aufbaus des
Sozialismus die Überlegenheit dieser Ordnung nicht richtig zur
Geltung bringt und in ihren Organisationen die überholten Arbeitsmethoden
und einen ebensolchen Arbeitsstil wie Bürokratismus,
Bestechlichkeit und andere Erscheinungen des Betrugs und
der Korruption nicht überwindet, kann sie von den Massen isoliert
werden. Was den Bürokratismus anbelangt, so machte er sich auch
in der ersten Zeit des Aufbaus des Sozialismus bemerkbar. Das
Auftreten von alten Arbeitsmethoden und überlebtem Arbeitsstil
ist unter den Bedingungen, unter denen im Bewusstsein der Funktionäre
noch alte ideologische Rudimente erhalten geblieben sind
und sie keine Erfahrungen in der Verwaltung der sozialistischen
Gesellschaft haben, gewissermaßen unvermeidlich. Aber zu dieser
Zeit brachten diese Methode und dieser Stil nicht in dem Maße
Folgen mit sich, dass sie die Errungenschaften der Revolution gefährdeten,
weil die Arbeiter und Bauern aktiv die Partei der Arbeiterklasse
und die sozialistische Macht unterstützten, die sie von der
Ausbeutung und Unterdrückung befreit hatten. Im Laufe der Zeit
jedoch schlief unter den Menschen das Klassenbewusstsein ein,
stellten sie höhere Anforderungen an das Leben, traten andererseits
Angehörige der neuen Generation, denen es an der revolutionären
Stählung mangelte, in die Reihen der Kader ein, machte sich der
Bürokratismus stärker geltend und traten nicht selten sogar Erscheinungen
von betrügerischen Handlungen und Fäulnis auf, die
in der ersten Zeit des Aufbaus des Sozialismus kaum anzutreffen
waren. Das entsprang nicht dem Wesen der Partei der Arbeiterklasse
und der sozialistischen Gesellschaft, sondern den überholten
ideologischen Rudimenten und der bürgerlichen Ideologie. Daher
ist das ein Problem, dem man ohne weiteres beikommen kann,
wenn die Partei ihre organisatorische und ideologische Arbeit intensiviert
und gegen diesen Missstand kämpft. Weil aber nicht wenige
Parteien auf diese Arbeit kein gebührendes Augenmerk gerichtet
hatten, vermochten sie den Bürokratismus und die ungesunden Elemente wie betrügerische Handlungen und Erscheinungen der Verderbtheit nicht zu überwinden. Andererseits vernachlässigten sie die
Erziehungsarbeit zur Ausrüstung der Volksmassen mit dem sozialistischen
Geist und öffneten dem Imperialismus das Tor der ideologischen
und kulturellen Unterwanderung, wodurch das politische
Bewusstsein großer Kreise der Massen abstumpfte und sie sich so
von den antisozialistischen Machenschaften der Imperialisten und
der anderen Reaktionäre blenden ließen. Die Renegaten des Sozialismus
und die Reaktionäre nutzten unter dem Aushängeschild der
„Demokratie“ und der „Glasnost“ die in den sozialistischen Regierungsparteien aufgetretenen Fehler zur Entstellung der öffentlichen
Meinung aus, aber wenn die Volksmassen sich gründlich mit der
sozialistischen Ideologie ausgerüstet hätten, wären viele Menschen
nicht auf die Schliche der Konterrevolutionäre hereingefallen und
hätten sich nicht dazu verstiegen, gegen die Partei und die Regierung
vorzugehen.
Die Entartung der sozialistischen Regierungsparteien, die das
Scheitern des Sozialismus zur Folge hatte, begann mit dem Verzicht
auf die revolutionären Prinzipien des Aufbaus der Partei der
Arbeiterklasse. Diese Prinzipien wurden früh vom Marxismus-
Leninismus dargelegt. Die Begründer des Marxismus schufen ausgehend davon, dass für den Sieg im revolutionären Kampf der
Arbeiterklasse eine Vorhut vorhanden sein müsse, den Bund der
Kommunisten als eine politische Organisation der Arbeiterklasse,
gründeten die Erste Internationale und wirkten aktiv dafür, unter
Führung der Partei die kommunistische Weltbewegung zu entwickeln.
In diesem Prozess wurde von ihnen eine Reihe von
Grundsätzen für den Aufbau der Partei festgelegt. Lenin bewahrte
die Prinzipien des Aufbaus der marxistischen Partei, entwickelte
im Einklang mit den neuen historischen Verhältnissen, in denen
der Kapitalismus zum Imperialismus übergegangen und die proletarische
Revolution herangereift war, die Theorie über den Parteiaufbau
weiter, legte die armen Bauern neben der Arbeiterklasse als
die Triebkraft der Revolution fest und schuf auf einer neuen Klassenbasis
die revolutionäre Partei. Unter Führung der Partei Lenins
siegte in Russland die Sozialistische Oktoberrevolution, wodurch
die Prinzipien des Aufbaus der marxistisch-leninistischen Partei
als allgemeingültige Grundsätze des Aufbaus der Partei für kommunistische
und Arbeiterparteien anerkannt wurden.
Das neue Zeitalter der Souveränität, in dem die Volksmassen
ihr Schicksal selbstständig und schöpferisch gestalten, verlangte,
auch die Theorie über den Parteiaufbau in neuer Weise weiterzuentwickeln.
In der Theorie des Aufbaus der marxistischleninistischen
Partei als einer Theorie aus jener Zeit, in der die
Partei der Arbeiterklasse hauptsächlich darum gerungen hatte, die
Macht in die Hände zu nehmen, wird nicht konkret die Frage beantwortet,
wie die an die Macht gekommene Partei der Arbeiterklasse
in ihrem Aufbau und Wirken vorzugehen hat. Nach der
Machtergreifung und der Errichtung der sozialistischen Ordnung
sah sich die Partei als führende politische Organisation der Gesellschaft
in ihrem Aufbau und Wirken vor unzählige theoretische und
praktische Fragen gestellt, die sie in neuer Weise zu klären hatte.
Da aber nicht wenige Parteien unter Berufung darauf, sich vom
Marxismus-Leninismus als einem Leitkompass führen zu lassen,
sich dogmatisch an ihn klammerten, konnten sie die Theorie über
den Parteiaufbau nicht entsprechend den wirklichen Forderungen
der sozialistischen Gestaltung weiterentwickeln. Daher waren sie
außerstande, die Fragen bezüglich der organisatorischen und ideologischen
Festigung ihrer Reihen gemäß der ihnen in der Macht
zustehenden Stellung und der Verstärkung der Massenbasis und
andere in ihrem Aufbau und Wirken auftretende neue Fragen folgerichtig
zu lösen. Als sich die Beschränktheit der Theorie des
Aufbaus der marxistisch-leninistischen Partei bemerkbar machte,
nutzten die modernen Revisionisten diese Gelegenheit aus und
führten die Partei der Arbeiterklasse auf den Weg der Degeneration.
Sie verneinten unter dem Vorwand der Weiterentwicklung der
besagten Theorie entsprechend den veränderten Verhältnissen und
Bedingungen deren revolutionäres Wesen, schwächten systematisch
die Partei und lähmten ihre führende Rolle.
Die sozialistische Gesellschaft erfordert, die Partei der Arbeiterklasse
unablässig zu festigen und ihre führende Rolle zu verstärken.
Diese auf dem Kollektivismus beruhende Gesellschaft
kann ohne die richtige politische Führung der Partei nicht aufrechterhalten
werden und sich den noch von niemandem beschrittenen
Weg zum Aufbau des Sozialismus und Kommunismus nicht
siegreich bahnen. Wenn in der sozialistischen Gesellschaft das
stabile Leben lange fortdauert, könnte es vorkommen, dass bei den
Angehörigen der neuen Generation und vielen anderen Menschen,
die noch nicht der Ausbeutung und Unterdrückung ausgesetzt waren
und keine Mühsal durchmachten, die revolutionäre Gesinnung
allmählich verschwindet und sie sorglos und nachlässig werden.
Das alles gebietet, die Partei zu stärken, ihre führende Rolle zu
erhöhen und die Arbeit für die revolutionäre Einwirkung auf die
Parteimitglieder und das Volk weiter zu aktivieren. Aber diese
Arbeit vernachlässigten nicht wenige sozialistische Regierungsparteien, wobei sie glaubten, dass alle Probleme schon dann gelöst
würden, wenn sie nach der Errichtung der sozialistischen Ordnung
allein den wirtschaftlichen Aufbau voranbrächten. Nach dem Entstehen
der sozialistischen Ordnung erweist sich allerdings der Wirtschaftsaufbau
als eine wichtige Aufgabe der Regierungspartei, aber
ihr könnte selbst auch der Wirtschaftsaufbau nicht glücken und
könnten sogar die sozialistischen Errungenschaften verloren gehen,
wenn sie die Arbeit für ihre Festigung und für die revolutionäre Erziehung
ihrer Mitglieder und des Volkes versäumen würde.
Dass die sozialistischen Regierungsparteien und Gesellschaftsordnungen
nicht in ein, zwei, sondern in vielen Ländern nacheinander
stürzten, hängt damit zusammen, dass sie bei ihrem Aufbau
und Wirken nicht ihr eigenständiges Denken durchsetzten.
Das eigenständige Denken durchzusetzen – das ist eine grundlegende
Anforderung des Aufbaus einer revolutionären Partei und
ihrer Tätigkeit. Die revolutionäre Partei der Arbeiterklasse ist eine
selbstständige politische Organisation, die gegen Herrschaft und
Unterjochung in allen Formen und für die Verwirklichung der
Souveränität der werktätigen Volksmassen kämpft. Deshalb muss
die revolutionäre Partei über alle bei ihrem Aufbau und ihrer Tätigkeit
auftretenden Fragen selbstständig nachdenken und sie mit
eigener Kraft lösen. In der Anfangsperiode der kommunistischen
Weltbewegung bedurften jene Länder, in denen der kommunistische
Kern noch nicht vorbereitet war, für den Aufbau ihrer Partei
natürlich der Leitung und der Hilfe eines internationalen Zentrums.
Entsprechend der Entwicklung der Geschichte und der Vorwärtsbewegung
der Revolution wuchsen in verschiedenen Ländern
der Welt der kommunistische Kern und die revolutionären Kräfte
heran und konnte die Partei jedes Landes im Einklang mit der
konkreten Realität ihres Landes die Revolution selbstständig
durchführen. Unter solchen historischen Bedingungen entsprach es
nicht der Realität, dass ein internationales Zentrum die Parteien
verschiedener Länder in der Welt und ihre revolutionäre Bewegung
einheitlich leitete, und folglich hörte die Kommunistische
Internationale auf zu existieren.
Die Komintern löste sich zwar auf, aber auch in der Folgezeit
dauerten die herkömmlichen Gepflogenheiten in den Beziehungen
zwischen den kommunistischen und den Arbeiterparteien fort, was
darin zum Ausdruck kam, dass die Richtlinie und Politik der Partei
des großen Landes, das als Erstes den Weg zum Sozialismus eingeschlagen hatte, ohne Änderung eingeführt wurden. Man kann
allerdings gute Erfahrungen anderer einführen, aber in diesem Fall
sollte man sie entsprechend den realen Verhältnissen seines eigenen
Landes schöpferisch anwenden. Dogmatische Übernahme von
Erfahrungen anderer Länder macht es nicht möglich, den Sozialismus
richtig aufzubauen, weil in jedem Land die konkrete Realität
unterschiedlich ist. Trotzdem folgten nicht wenige Parteien,
von der alten Gewohnheit ausgehend, die Linie und Politik der
Partei eines anderen Landes blindlings zu übernehmen, anderen
nach, die die sozialistischen Grundsätze über Bord warfen und den
Weg des Revisionismus beschritten, und verstiegen sich letzten
Endes sogar dazu, die konterrevolutionäre Linie zu akzeptieren,
die ihnen die Verräter am Sozialismus aufzwangen. Folglich geschah
es, dass in der Sowjetunion und vielen anderen osteuropäischen
Ländern die sozialistischen Regierungsparteien eine nach
der anderen zusammenbrachen und die sozialistischen Ordnungen
fast gleichzeitig stürzten. Solche Begebenheiten wären ausgeblieben,
wenn die sozialistischen Regierungsparteien sich für die Revolution
ihres eigenen Landes verantwortlich gefühlt und die Stellung
als deren Herren behauptet und alle in ihrem Aufbau und ihrer
Tätigkeit anstehenden Probleme vom eigenständigen Standpunkt
aus im Einklang mit den Forderungen ihres eigenen Volkes
und den realen Verhältnissen ihres eigenen Landes gelöst hätten.
Der Zusammenbruch der sozialistischen Ordnungen und der Parteien, die durch einen harten revolutionären Kampf die Macht
ergriffen hatten und jahrzehntelang den Sozialismus gestalteten,
hinterließ ernste Lehren. Die historische Lehre aus dem Sturz der sozialistischen Regierungsparteien und Systeme in verschiedenen Ländern ist es, dass für die endgültige Vollendung des Werkes des Sozialismus dieReinheit der sozialistischen Ideologie unbeirrbar bewahrt werdenmuss.
Die historischen Erfahrungen zeugen davon, dass bei Entartung
des Gedankengutes die Partei der Arbeiterklasse wie auch die sozialistische
Ordnung verfallen und ihre Existenz beendet wird. Das
Erscheinen von abtrünnigen Elementen innerhalb der Partei, deren
organisatorisch-ideologische Zersetzung und die Änderung der
Volksstimmung entsprangen der ideologischen Entartung. Die
ideologische Degeneration entkräftet unweigerlich selbst eine
mächtige ökonomische und militärische Macht und verdammt die
sozialistische Ordnung, die jahrzehntelang eine Aufwärtsentwicklung
erlebte, zum Verfall.
Zu den äußerst gefährlichen Geistesströmungen, die den Sozialismus
untergraben, gehören Revisionismus, Dogmatismus und
Kriechertum.
Es ist die bürgerliche Ideologie, die direkt mit der sozialistischen
konfrontiert ist, aber sie kann niemals die Anziehungskraft
der sozialistischen Ideologie hemmen. Die bürgerliche Ideologie,
die gewinnsüchtige Forderungen der Ausbeuterklasse widerspiegelt,
kann ihr reaktionäres Wesen nicht bemänteln, selbst wenn sie sich
mit heuchlerischen Worten schönfärbt. Es ist selbstverständlich,
dass die werktätigen Volksmassen nicht die bürgerliche Ideologie,
die die Forderungen der ihre Souveränität mit Füßen tretenden Ausbeuterklasse
widerspiegelt, sondern die sozialistische Ideologie akzeptieren,
die ihren souveränen Forderungen entspricht. Aus diesem
Grunde nutzten die Imperialisten und Kapitalisten den Revisio-
nismus, ein Produkt der Revision der sozialistischen Ideologie
nach ihrem eigenen Geschmack, als ein ideologisches Werkzeug
aus. Der Revisionismus bleibt nach wie vor die Hauptgefahr für
die Verwirklichung des Werkes des Sozialismus. Der Revisionismus,
die Widerspiegelung der bürgerlichen Ideologie in der kommunistischen
Bewegung, trat in den kapitalistischen Ländern dem
revolutionären Übergang zum Sozialismus in den Weg, während er
in den sozialistischen Ländern den Weg zur Restauration des Kapitalismus
eröffnete und dabei als ein ideologisches Werkzeug der
Imperialisten für die Strategie des „friedlichen Übergangs“ ausgenutzt
wurde. Wie hinterlistig der moderne Revisionismus sich auch
tarnen mag, wir müssen sein reaktionäres Wesen durchschauen und
mit aller Konsequenz gegen ihn vorgehen und ihn zurückweisen.
Bei der Realisierung des Werkes des Sozialismus sind Dogmatismus
und Kriechertum ebenfalls gefährliche ideologische Elemente.
Sie hindern die sozialistische Ideologie daran, ihre Lebenskraft
vollauf zur Geltung zu bringen. Wer von Dogmatismus und Kriechertum
infiziert ist, handelt nicht aus eigener Überzeugung, sondern
tanzt nach der Pfeife anderer, schleppt, wenn sich andere dem
Revisionismus hingeben, ihn ein und übernimmt schließlich, befangen
in illusorischer Hoffnung auf die entwickelten kapitalistischen
Länder, wahllos kapitalistische Methoden. Wir dürfen selbst
die geringsten Anzeichen vom Dogmatismus und Kriechertum
nicht dulden, sondern müssen stets eigene Überzeugungen haben
und alle Fragen entsprechend den Forderungen unseres Volkes und
den realen Verhältnissen unseres Landes lösen.
Eine weitere historische Lehre aus dem Zusammenbruch der
sozialistischen Regierungsparteien und Ordnungen in vielen Ländern
besteht darin, dass für die endgültige Verwirklichung des sozialistischen
Werkes die Frage der Kontinuität der Führung richtig
gelöst werden muss.
Man darf es niemals so betrachten, dass die Verantwortung fürden Zusammenbruch der sozialistischen Regierungsparteien auf
die Masse der einfachen Parteimitglieder fällt. Sie haben doch in
jedem Land das Werk der Partei der Arbeiterklasse aufrichtig unterstützt
und den Zerfall ihrer Partei schmerzerfüllt bedauert. Die
Schuld liegt darin, dass die revolutionäre Kontinuität der Führung
nicht richtig gewährleistet wurde.
Das Schicksal des Werkes des Sozialismus, das im erbitterten
Kampf gegen die Klassenfeinde seine Zukunft gestaltet, hängt
davon ab, wie seine Führung gesichert wird. Obwohl sich das
Ringen um Sozialismus in einem historisch langen Zeitraum in
vielen Ländern der Welt entwickelte, wurde nicht stets eine richtige
Führung gewährleistet. Die Führung des Werkes des Sozialismus
kann erst dann vollauf gesichert werden, wenn in deren
Mittelpunkt ein hervorragender Leiter gestellt wird. Für das Volk
gibt es kein größeres Glück, als von solch einem Führer geführt
zu werden, der ausgezeichneten Scharfblick, hervorragende Führungsfähigkeit und edle Tugend in sich vereint und durch Erwerb
unvergänglicher Verdienste das absolute Vertrauen der Volksmassen
genießt. Das bedeutet freilich nicht, dass das Volk, das
keinen hoch gepriesenen großen Führer hat, das Werk des Sozialismus
nicht verwirklichen kann. Von den Charakterzügen des
Leiters, der das Werk des Sozialismus führt, ist die Treue zu diesem
Werk und dem Volk am wichtigsten. Der Führer eignet sich
unter den Volksmassen Klugheit und Führungsfähigkeit wie auch
Tugend an. Das Volk ist der Lehrmeister, und losgelöst von ihm
kann es keinen hervorragenden Führer geben. Stets unter die
Volksmassen zu gehen, ihrem Willen Gehör zu schenken und
gestützt auf ihre Kraft alle Probleme zu lösen – nur dadurch wird
eine richtige Führung gesichert, und wer über solche Charaktereigenschaften
der volksverbundenen Führung verfügt, ist der
wahrhafte Führer des Volkes. Sich vom Willen des Volkes abzuwenden
und nicht an seine Kraft zu glauben, ist das wahre Wesen
eines Verräters. Wenn solch ein Verräter an die Macht kommt,
muss das Volk infolgedessen ein unermesslich großes Unglück
erleben. Für das Volk ist es das größte Unglück, einen falschen
Führer zu haben.
Um in der sozialistischen Gesellschaft die Frage der Kontinuität
der Führung richtig zu lösen, muss die Partei mächtig sein. Die
Charakterzüge und Qualitäten eines Führers der kommunistischen
Bewegung bilden sich im Allgemeinen im Prozess der Stählung
und Bewährung durch einen harten Klassenkampf heraus, aber die
Charakterzüge und Qualitäten eines Führers aus der neuen Generation
der sozialistischen Gesellschaft entstehen hauptsächlich im
Prozess der Stählung und Bewährung durch das Parteileben und
die Praxis des sozialistischen Aufbaus. Um in der sozialistischen
Gesellschaft einen durch das Parteileben und die revolutionäre
Praxis gestählten und bewährten, hervorragenden Führer zu haben,
muss die Partei machtvoll sein. Die historischen Erfahrungen zeigen:
Wenn die Partei organisatorisch und ideologisch erstarkt und
auf der Grundlage der Bewahrung der Parteiprinzipien die Frage
der Kontinuität der Führung perspektivisch gelöst wird, ist es
durchaus möglich, einen dem sozialistischen Werk und dem Volk
treu ergebenen und befähigten, herausragenden Menschen als Führer
aufzustellen und das Werk des Sozialismus erfolgreich zu verwirklichen.
Der Sturz der sozialistischen Regierungsparteien und Ordnungen
in vielen Ländern ist ein großer Verlust für die Realisierung
der Souveränität der Volksmassen. Wenn sie aber aus ihrem Missgeschick
Lehren ziehen und sich in selbstständiger und schöpferischer
Weise den revolutionären Weg zum Parteiaufbau bahnen,
werden sie imstande sein, eine noch revolutionärere und kämpferischere
Partei zu schaffen und unter deren Führung das Werk des
Sozialismus unaufhörlich voranzubringen.