Marcelino Camacho ist gestorben

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

 

Abschied von Marcelino Camacho | Drucken |  E-Mail
Spanien
Freitag, den 29. Oktober 2010 um 23:00 Uhr

Marcelino CamachoDie spanische und internationale Arbeiterbewegung trauert um Marcelino Camacho, den Mitbegründer und langjährigen Vorsitzenden der Comisiones Obreras, des heute grössten spanischen Gewerkschaftsbundes. Der 92jährige war vor wenigen Tagen ins Krankenhaus gebracht worden, nachdem sich sein Gesundheitszustand dramatisch verschlechtert hatte. Erste Meldungen über sein Ableben wurden noch dementiert, heute morgen musste die Kommunistische Partei Spaniens (PCE), der Camacho bis zuletzt angehört, seinen Tod bekanntgeben. Die Partei gab eine Sonderausgabe ihres normalerweise monatlich erscheinenden Parteiorgans Mundo Obrero heraus, das seinem Andenken gewidmet ist.



In dem Nachruf seiner Partei heisst es, Camacho habe zu den besten Kommunisten Spaniens und den wichtigsten Gewerkschaftsführern des 20. Jahrhunderts gehört und sei ein Beispiel für den Kampf um Freiheit, Gleichheit und Arbeiterrechte. Der erste Generalsekretär der im Kampf der Arbeiterbewegung gegen die Franco-Diktatur entstandenen Arbeiterkommissionen war auch Parlamentsabgeordneter der PCE nach der ersten freien Wahl, gab sein Mandat aber auf, als er die Unterstützung seiner Partei für ein mit anderen Parteien ausgehandeltes Arbeitsgesetz nicht mittragen konnte.

Marcelino Camacho wurde am 21. Januar 1918 in Osma la Rasa geboren. 1935 wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei und kämpfte auf der Seite der Republikaner gegen die Franco-Putschisten. Von den Faschisten verhaftet wurde er zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt und im Konzentrationslager Reus (Tarragona) inhaftiert. Im Dezember 1943 gelang ihm die Flucht aus einem Arbeitslager nach Französisch-Marokko. Die französischen Kolonialherren verhafteten ihn und brachten in nach Oran in Algerien. Dort lernte er seine spätere Frau Josefa Samper kennen, eine junge Kommunistin, die sich für die Rettung der spanischen Flüchtlinge und für die Unterstützung der Widerstandsbewegung in Spanien engagierte.

Am 18. Juli 1957 kehrte das Paar mit seinen beiden Kindern nach Spanien zurück, entschlossen, den Kampf gegen den Faschismus fortzusetzen. Camacho verdiente den Lebensunterhalt für seine Familie als Metallarbeiter und versuchte jede Gelegenheit auszunutzen, um den Kampf gegen das Regime zu organisieren und die Lebensbedingungen der Arbeiter zu verbessern. 1964 organisierte er in Madrid die erste Metallarbeiterkommission, die erste ständige Arbeiterkommission und der Ursprung des heutigen Gewerkschaftsbundes.

Nach mehrfachen Festnahmen wurde Camacho am 1. März 1967 gemeinsam mit anderen Kollegen der CCOO verhaftet. Die Gewerkschafter wurden im berühmten Prozess 1001 zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt, aus dem er erst durch die Amnestie nach dem Tod Francos entlassen wurde. Doch durch den Prozess und die Haft war er zu einem weltweiten Symbol für den Kampf gegen den Faschismus geworden.

Als sich die Arbeiterkommissionen 1976 zu einem Gewerkschaftsbund zusammenschlossen, wurde er zu ihrem ersten Generalsekretär gewählt. Unter seiner Führung wuchsen die CCOO zum stärksten Gewerkschaftsbund Spaniens heran, 1987 trat er aus Altersgründen von diesem Amt zurück und veröffentlichte 1990 seine Memoiren: Ich bekenne, ich habe gekämpft.

 

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http://www.redglobe.de/europa/spanien/4048-abschied-von-marcelino-camacho

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Veröffentlicht in Kommunisten

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A
<br /> <br /> Ich sage ja auch nicht, dass die spanische Bourgoisie das selbstlos tut! Aber sie hat andererseits auch keine Berührungsängste und gefährlich ist so ein 80-jähriger Revoluzzer ja nun auch nicht<br /> mehr. Es ist fraglos auch PR aber denoch auch ein Zeichen von Respekt...<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Ja, schon. Irgendwie ist das kulturvoller als die Ausgrenzung in Deutschland.<br /> <br /> <br /> <br />
A
<br /> <br /> Die spanische Presse ist voll mit Bildern vom Trauerzug durch Madrid und dem Begräbnis von Marcelino Camacho. Präsident Zapatero und Thronfolger Felipe kondolierten der Witwe als höchste<br /> Vertreter des spanischen Staates.<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Ja, ich krieg ein wenig davon mit. In Spanien kennt ihn halt jeder - und in Deurtschland kennen ihn nuicht viele, wie das magere Interesse an diesem Blogeintrag zeigt. Die spanische Bourgeoisie<br /> hat aber auch viel besser raus als die deutsche, wie man Revoluzzer entschärft: Ab 80 macht man sie zu elder statesmen und gliedert sie damit irgendwie in die bestehenden Verhältnisse ein - guckt<br /> doch, wie demokratisch wir sind ...<br /> <br /> <br /> <br />
A
<br /> <br /> Canal+ bringt am kommenden Dienstag um 19 Uhr einen Epilog auf Camacho. Eine Vorschau zeigt folgender Link:<br /> http://www.elpais.com/videos/economia/Marcelino/Camacho/trabajo/pan/libertad/futuro/regalan/elpepueco/20101030elpepueco_1/Ves/<br /> <br /> <br /> <br />
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A
<br /> <br /> Hallo Sepp,<br /> <br /> <br /> Deine Ausführungen kann ich nur bestätigen und hätte noch viel hinzu zu fügen. Aber das führt hier zu weit und ich sehe das wir wissen wovon wir sprechen. Cangeru Net hat mir letzte nacht<br /> eine Nachtschicht verpasst, weil ich alles einzeln rausgeschmissen habe aus meinen  9 Blogs. Cangeru Net war mal eine Kindersicherung und heute ist es eine Sicherung zum sperren von<br /> unschönen Worten. Also Vorsicht. das Internet wird immer mehr blockiert aber mir ist schon  klar warum!<br /> <br /> <br /> Wetter? 17 Grad realtemperatur, aber gefühlte Temperatur ganz schon frisch. Weiter so ich lese immer mit !!! Gruß<br /> <br /> <br /> Angelika<br /> <br /> <br /> <br />
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A
<br /> <br /> Solche Einzelkämpfer sterben aus, weil sie heute umgebracht werden! Von wem brauche ich Dir sicherlich nicht zu erklären. Strukturen ändern sich gewaltig auf diesem Planeten und was Du gerade<br /> über China geschrieben hast (ich war auch da) Europa wird immer falsch informiert von der Presse, dahinter steckt ein Plan!<br /> <br /> <br /> P.S. Hast Du auch Probleme mit Cangoru Net. Dann schau mal auf Spanienblog.<br /> <br /> <br /> Gruß Angelika<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Hallo Angelika,<br /> <br /> <br /> Wenn Du meinst, Leute wie Camacho würden heute umgebracht werden - also wurden sie das früher nicht ? - idelaisierst Du, glaube ich, ohne es zu wollen die Vergangenheit. Camacho ist ein<br /> ÜBERLEBENDER des Widerstands gegen das Franco-Regime. Sehr viele haben nicht überlebt. Ich sehe aber schon auch, dass es heute in den bürgerlich-demokratischen Staaten Übergänge zum<br /> Staatsterror gibt, inklusive gesetzloser Liquidierung von Leuten, die ins Visier von Geheimdiensten und "tiefem Staat" kommen, auch in Westeuropa und "ohnehin" in den USA.<br /> <br /> <br /> "Plan": Ich glaube, es ist einfach so, dass die Massenmedien in der Hand weniger Grosskapitalisten sind, die natürlich ihre "Sicht der Dinge" aller Welt aufzwingen wollen. Dazu gehört auh das<br /> Ausblenden von Tatsachen, die Entstellung, das Verwirren, Scheindiskussionen über nebensächliche oder glatt erfundene Probleme. Sie versuchen, die Köpfe zu beherrschen, damit nichts aufkommt, was<br /> ihnen gefährlich werden könnte. Ähnlich ist es mit den öffentlich-rechtlichen Medien, die von den Politikercliquen kontrolliert werden, die wiederum am Gängelband des Kapitals laufen. Insofern<br /> braucht es m.E. gar keinen - vielleicht von irgendeiner Zentrale gesteuerten ? - Plan, sondern "es funktioniert einfach so". Ich hätte auch einen "Plan": diese Leutchen enteignen und die Medien<br /> (und vieles andere) in Volkseigentum unter demokratischer Kontrolle.<br /> <br /> <br /> Dein PS: Ich habe Spanien Blog angeklickt, aber da nichts dergleichen gefunden. Meines Wisens ist Cangoru Net ein "kindersicherer" Internet-Zugang (also ohne "jugendgefährdende" Seiten) ? <br /> <br /> <br /> Grüsse nach Spanien (Hoffentlich ists dort nichtso saukalt wie hier in D ?)<br /> <br /> <br /> Sepp <br /> <br /> <br /> <br />