Massenarbeitslosigkeit der Jugend in den EU-Staaten

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

In der FAZ von heute steht ein zynischer Artikel von Henrike Rossbach:

 

"Gewerkschaften

Die notorischen Schwarzmaler

In allen Branchen entstehen Arbeitsplätze. Am 1. Mai aber ließen sich die Gewerkschaften von solchen Nachrichten nicht beirren. Trotzig zeichneten sie ein düsteres Bild für Arbeitnehmer."

 

Auch auf eine direkte Lüge kommt es der Dame nicht an:

 

"In allen Branchen entstehen neue Arbeitsplätze, die Mehrzahl sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen."

 

Von den 9 bis 10 Millionen Menschen, die entweder gar keinen Job haben oder einen Drecksjob, von dem sie nicht leben können, weiss Frau Rossbach nichts. "Unter drei Millionen" wird die Zahl der Arbeitslosen bald fallen - bei Löhnen, die es notwendig machen, dass sie mit Steuergeldern für die "Aufstocker" kombiniert werden, wenn die glücklichen Arbeitsplatzbesitzer nicht obdachlos werden und hungern sollen. Bei solchen Löhnen soll es auch bleiben, wenn es nach den Boourgeois-Schreiberlingen geht: Die - für ein normales Leben ohnehin unzureichende - Gewerkschaftsforderung nach 8,50 Euro Mindestlohn sei zu hoch, befindet die Dame. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

 

Mir scheint, in solchen Machwerken mischt sich die kaltschnäuzige Überheblichkeit mit Pfeifen im Walde. Es brodelt, und Leute wie Rossbach setzen sich auf den Deckel. Dass der Topf aus Angst und Wut überkocht, können sie damit nicht verhindern. Sie werden sich ihre gepflegten Ärsche verbrühen.

 

Wie die Lage in Wirklichkeit ist, steht, was die jungen Lohnabhängigen betrifft, hier:

 

1.Mai 2011: Jugend in der EU ohne Arbeit

01.05.2011: Für Millionen Jugendliche in Europa ist dieser 1. Mai kein Grund zum Feiern. Sie sind arbeitslos, aus dem Erwerbsleben ausgeschlossen. Sie haben keine Möglichkeit, durch ihrer Hände Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen – sind auf entwürdigende Fürsorgeleistungen und Almosen angewiesen. Sie können sich nicht in einem Beruf  selbst verwirklichen, kein Lebensziel  oder gar  eine Lebensplanung ins Auge fassen.

Insgesamt sind es EU-weit 5,2 Millionen junge Leute (Euro-Raum 3,1 Millionen) zwischen 15 und 24 Jahren, die keine Arbeit haben - mehr als jeder fünfte Jugendliche. Sie sind die Hauptverlierer der Weltwirtschaftskrise. Die Zahl ist während der Finanz- und Wirtschaftskrise um 42 Prozent nach oben geschnellt: von 14,8 % im November 2007 auf 21,0 % im November 2010 und lag damit mehr als doppelt so hoch wie die Gesamtarbeitslosenquote mit 9,6 %. Bis Februar 2011 war lediglich ein Rückgang um 0,6 Prozentpunkte auf 20,4 % zu verzeichnen. Eine so hohe Jugendarbeitslosenquote gab es im Nachkriegs-Europa noch nie.

Besonders stark ist die Jugendarbeitslosigkeit in den Ländern, die durch das Krisenkarussell an die Peripherie geschleudert wurden, die so genannten PIGS-Staaten. In Spanien ist bald jeder zweite Jugendliche ohne Arbeit (43,6 %), in Griechenland jeder dritte (33,4 %); in Irland hat sich die Zahl gar verdreifacht, von 9,3 % auf 28,9 % (Februar 2011: 31,9 %), in Italien ist sie um gut 50 Prozent gestiegen, auf 29,9 %. Aber auch in Frankreich ist jeder vierte junge Mensch vom Erwerbsleben ausgeschlossen. Lediglich in Deutschland ist der Prozentsatz Jugendlicher ohne Job 2011 niedriger als vor der Krise: 8,6 % zu 10,9 %. Allerdings hat hier jeder zweite Jugendliche einen Arbeitsvertrag mit Verfallsdatum in der Tasche, hat aslo nur ein befristetes Arbeitsverhältnis.

Mit den von der EU verordneten Spar- und  Anpassungsprogrammen zur Verringerung der Haushaltsdefizite in den PIGS-Staaten (Portugal, Irland, Griechenland, Spanien) wird sich die Situation weiter verschärfen. Denn in der Folge werden Arbeitsbeschaffungsprogramme, Arbeitsförderungsmaßnahmen, öffentliche Investitionen und Stellen im Öffentlichen Dienst zusammengestrichen. Die politischen Auswirkungen und sozialen Spannungen, die aus dieser Perspektivlosigkeit der Jugend resultieren, sind noch gar nicht abzusehen.

Text: fresch  Grafik: isw-wirtschaftsinfo 44 ( Bernd Bücking)

(via http://www.kommunisten.eu/index.php?option=com_content&view=article&id=2849:1mai-2011-jugend-in-der-eu-ohne-arbeit&catid=39:kapital-a-arbeit&Itemid=87 )

 

 

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