Neues vom Söldnermarkt
Der Markt löst alle Probleme. Eine solide Nachfrage nach Nahrungsmitteln scheidet überflüssige Möchtegern-Marktteilnehmer aus, die gar nicht zahlungsfähig sind und trotzdem essen wollen. Das Urteil des Marktes: Hungertod. Schliesslich, wo kämen wir denn hin, wenn es vor lauter Negern keinen Sprit fürs Auto mehr gäbe ?! Oder was macht man mit Leuten, z.B. in Deutschland, die auf dem Arbeitsmarkt überflüssig sind, weil für sie keine Nachfrage nicht ist ? Nein, verhungern kann man sie noch nicht direkt lassen. Aber Hartz IV lehrt diese Überflüssigen, dass der nächste Schritt nach der 75-Cent-Supersonderangebotsfleischwurst das 75-Cent-Türkischesfladenbrot tagweise pur ist und dass es danach und vielleicht ein wenig später immer noch innovative Einsparmöglichkeiten gibt: Nulldiät.
Aber der Markt scheidet nicht nur die Überflüssigen aus, er erschliesst auch die Reserven fürs Notwendige. Wo Nachfrage herrscht, entsteht flugs ein Angebot. Auf dem Kriegsmarkt zum Beispiel ist die Nachfrage stark. Ein gewisser natürlicher Personalschwund im Zuge des Geschäftsverlaufs, ein gewisser Mangel an Dummköpfen, die sich mit dem hochheiligen Wort Vaterland (jaja, Grüne, schon gut: Mutterland funktioniert auch) zum ins Gras beissen animieren lassen - und schon haben wir einen neuen Markt: den Söldnermarkt. Der Staat oder sonstige Machthaber haben ein zalungsfähiges Bedürfnis nach Deppen, man ist auch, in Grenzen versteht sich, zahlungswillig - und schon springt das Angebot aus den Tiefen der Moderne, der fortgeschrittensten Zivilisation, die die Menschheit je gesehen hat, aus dem grenzenlosen Weltdorf, praktisch just in time. Ausgemusterte GIs, bundeswehrerprobte deutsche Nazis, verdiente Verhöroffiziere Pinochets, tapfere weisse Männer, die sich auch heute in Südafrika noch nicht mit Niggern auf die selbe Parkbank setzen wollen, die Blüte des ehrbaren Waffenhandwerks aus aller Welt - wenn das kein Angebot ist !
Die Nachfrager nutzen das Angebot. Das start up ist schon längst zum gediegenen Geschäft geworden, im Konzernumfang. Bei der Installation der Freiheit im Irak und bei der noch immer nicht ganz abgeschlossenen in Afghanistan machen neben den regulären Halsabschneidern die privaten Dienstleister-Halsabschneider schon in der Grössenordnung von Divisionen ihren Job. So zwischen zehn und zwanzig Prozent der Befreier sind Söldner - sorry: private Dienstleister. Freilich, so ganz neu ist die Geschäftsidee nicht. Bei Tilly und Gustav Adolf war der Anteil privater Freiheitskämpfer höher; - was beweist, dass diesem neuen Marktsegment eine goldene Zukunft bevorsteht.
Ein kleines Beispiel: Der Scheich von Abu Dhabi, ein gottesfürchtiger Mann, ein solider Freund des freien Westens und lupenreiner Demokrat, spürt ein gewisses Unbehagen. Die Sicherheit und Ordnung sind womöglich bedroht. Er hat also ein Bedürfnis - nämlich die Sicherheit sicherer und die Ordnung ordentlicher zu machen -, woraus eine Nachfrage resultiert, die der brave Mann auf 800 Ordnungshüter taxiert. Kein Problem. Der Markt löst alle Probleme:
Bogotá/Abu Dhabi. Ein Kontingent kolumbianischer Männer ist Teil einer paramilitärischen Truppe in Diensten des Scheichtums Abu Dhabi. Dies berichtete letzten Sonntag die New York Times. Die heimliche Armee sei von Erik Prince aufgebaut worden, dem Gründer des Sicherheitskonzerns Blackwater, der in mehrere Massaker an irakischen Zivilisten verwickelt war. Prince sei von Scheich Mohamed bin Zayed al-Nahyan beauftragt worden, eine Kompanie von 800 ausländischen Söldnern in Abu Dhabi zu schaffen. Die paramilitärische Heeresmacht soll Pipelines und Wolkenkratzer vor Attentaten schützen und mögliche interne Revolten niederwerfen, berichtete die Times.
"Sie wollten Leute, die viel Erfahrung in Ländern mit Konflikten haben, wie Kolumbien", erklärte der Veteran der kolumbianischen Polizei und Ex-Mitglied der Söldnerarmee in Abu Dhabi, Calixto Rincón. Neben den Kolumbianern seien die meisten angeheuerten Paramilitärs Südafrikaner aus dem Sicherheitsunternehmen Executive Outcomes, das in den Neunzigern wegen der Unterdrückung von Rebellionen gegen afrikanische Machthaber berüchtigt war. Für den Irak-Krieg engagierte Blackwater vor allem chilenische Militäroffiziere, die für Pinochets Regime gearbeitet hatten, so der Autor Jeremy Scahill in seinem Buch "Blackwater: Der Aufstieg der mächtigsten Privatarmee der Welt".
Neben den ideologischen Hintergründen zähle besonders, dass die lateinamerikanischen Söldner preiswerter als die US-amerikanischen seien, so Scahill. Dass die privaten Sicherheitsfirmen vor allem seit dem 11. September äußerst profitabel waren, beweisen die Rekordgewinne von 500 Millionen US-Dollar, die Blackwater während des Irak-Kriegs einstrich.
Länder wie Kolumbien sind nicht nur eine Quelle günstiger Söldner. Sie bieten den Sicherheitskonzernen wie Blackwater auch interessante Märkte für ihr militärisches Geschäft. Scahill wies auf das Interesse von Erik Prince hin, in Mexiko und Kolumbien Aufträge zur Drogenbekämpfung zu erlangen. Das südamerikanische Land sei für Prince aufgrund der 630 Millionen Dollar, die die USA dort angeblich jährlich gegen den Drogenhandel investiere, besonders verlockend. Das Geld sei jedoch hauptsächlich zur Aufstandbekämpfung eingesetzt worden. Zur Zeit wird das Potential des kolumbianischen Kriegsmarkts vom US-amerikanischen Militärunternehmen DynCorp am "besten" ausgeschöpft
Quelle: http://amerika21.de/nachrichten/2011/05/32707/militaer-outsourcing
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