Spanien: Krise ? Welche Krise ?

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner


Die Regierung Zapatero hat in den ersten Monaten nach Beginn der Krise noch abgestritten, dass es eine solche gebe, als die Nachricht sich schon bis in die Kindergaerten herumgesprochen hatte. Dann war irgendwann auch regierungsamtlich Krise, aber keine schlimme, dann keine sooo schlimme, dann, seit dem Sommer, gab es regierungsamtliche Anzeichen auf Besserung, die bloss sonst niemand sah. Die Sozialdemokraten halten eisern an der Parole fest "Wenn man die Tatsachen ignoriert, existieren sie auch nicht". In der Philosophie nennt man das subjektien Idealismus. Die objektive Realitaet besagt anderes:

- Die Arbeitslosigkeit steigt weiter an, liegt real bei gut ueber 20 %. (Zahlen s. letzter Beitrag)

- Es herrscht Deflation. Die neuesten Zahlen: Die Preise fielen auch im Oktober, damit den achten Monat in Folge, mit einer Rate von 0,7 %. Treibstoff verbilligte sich im Jahresvergleich um10,9 %, Energie um 6,5 %, die Preise fuer  Lebensmittel fielen um durchschnittlich 4,3 %. Allerdings stiegen die Mieten, um 2,3 %.

Zapateromaessige Nachrichten verbreitet auch die behoerdliche Konkursverwaltung des Ende 2008 zahlungsunfaehig gewordenen Immobilienkonzerns Habitat. Das Unternehmen werden moeglichweise bis 2010 wieder zahlungsfaehig werden. Man haelt also die Glaeubiger, die auf insgesamt 2,8 Milliarden Miesen sitzen, weiter in Hoffnung. Damit sind sie besser dran als die Glaeubiger von Martins Fadesa, dem Mischkonzern, der bisher im Lauf der Krise die groesste Pleite hingelegt hat, unter Hinterlassung von 5,2 Milliarden Euro Schulden.

Die wirklich grosse Nachricht ist aber, dass sich Iberia mit British Airways auf eine Fusion geeinigt hat, bei einem Kapitalverhaltnis von 45/55 % (BA hatte 35/65 gefordert). Der Markenname Iberia bleibt erhalten. Der Geschaeftssitz der neuen Gesellschaft soll Madrid werden (Operatives Zentrum London). Die Fusion soll jaehrlich 400 Millionen Euro Einsparungen ermoeglichen. Ein Teil geht auf Kosten der Belegschaften. BA baut bis Ende des Geschaeftsjahres 3000 Stellen ab (und damit 1200 mehr als geplant). Iberia will die Gehaelter fuer fuer zwei Jahre einfrieren und eine Billig-Fluglinie gruenden, mittels derer sie die Tarfivertraege unterlaufen kann.

BA-Iberia soll die drittgroesste europaeische Fluggesellschaft und die fuenftgroesste weltweit werden. Der addierte aktuelle Umsatz liegt bei 15 Milliarden Euro, das Passagieraufkommen bei 62 Millionen jaehrlich. Im Vergleich dazu die Lufthansa: 25 Milliarden Euro Umsatz, 70,5 Millionen Passagiere.

Quellen: El Pais, NZZ, Handelsblatt, Maerkische Allgemeine

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