Syrien: Woher kommt denn die Milan ?
Wie dumm müsste die syrische Regierung eigentlich sein, würde sie aus freien Stücken, "einfach so", vielleicht aus Lust an Grausamkeit, die eigene Bevölkerung bombardieren, die eigenen Städte in Schutt und Asche legen ? - Eben dies wird in den Massenmedien ja vermittelt.
Wäre es so, könnte das nur einen einzigen "vernünftigen" Grund haben: Die Regierung übt Massenterror aus, um einzuschüchtern und jeden Widerstand zu ersticken.
Eine solche Annahme passt aber nicht mit Assads Politik zusammen. Er setzt nicht auf Massenterror, sondern darauf, die Unterstützung der Bevölkerung für sein Regime zu gewinnen bzw. zu erhalten. Die Demonstrationen der Opposition werden mit viel grösseren der Regierungsanhänger beantwortet, die zwar dem westlichen Publikum von den Medien verschwiegen werden, aber doch in Syrien selbst nicht ohne Eindruck bleiben. Er hat ein Referendum über eine neue Verfassung abhalten lassen, mit einer Beteiligung, die für so manche deutsche Landtagswahl unerreicht respektabel ist. Für Mai sind freie Wahlen anberaumt. Für diesen politischen Kurs wäre Massenterror direkt kontraproduktiv. Assad müsste bescheuert sein, würde er wahllos auf die Bevölkerung schiessen lassen, ganz unabhängig von irgendwelchen moralischen Erwägungen.
Wie es zur Beschiessung von Stadtvierteln kommt, berichtet die schweizerische Internet-Zeitung Zeit-Fragen am Beispiel Homs link
Zitat: "Bei den Gefechten in Homs haben die Rebellen in den ersten drei Tagen verhindert, dass die syrische Armee in die Rebellenquartiere vorstossen konnte. Sie schossen mit Panzerabwehrlenkwaffen alle Panzer und gepanzerten Fahrzeuge ab, die sich näherten, weshalb die Syrer die Gefechtspositionen der Rebellen mit Artillerie und Raktenwerfern ausschalten mussten, auch wenn sie so das Leben von Bewohnern riskierten."
Es handelt sich also in diesem Fall - und man wird nicht fehlgehen, wenn man annimmt, in allen anderen Fällen auch - nicht um Terror gegen die Bevölkerung, sondern um eine militärische Auseinandersetzung zwischen Aufständischen und Regierungstruppen, bei der, wie in jedem Krieg und von beiden Seiten, auch Zivilisten getötet werden. Wo immer auf der Welt die imperialistischen Interventionsarmeen Zehntausende Zivilisten töten, heissen die Opfer Kollateralschaden. In Syrien heissen sie Opfer des mordlüsternen Assad-Regimes ...
Hinter dem scheinheiligen Wehgeschrei verbirgt sich etwas anderes. Die "Freie Syrische Armee" - das sind nicht Leute, die sich von friedlichen Demonstranten vor lauter Erbitterung in Guerilleros verwandelt und gegen Assad bewaffnet haben. Ein solcher spontaner bewaffneter Widerstand hätte gegen eine funktionierende Armee und Polizei keine militärische Chance, und wenn er noch so sehr moralisch im Recht wäre. So etwas funktioniert nur, wenn eine Regierung von der Bevölkerung völlig isoliert und bei ihr verhasst ist. Wie die Massenunterstützung für Assad beweist, ist das in Syrien aber nicht der Fall.
Dafür, dass die "Freie Syrische Armee" in der Lage ist, sich an manchen Orten konventionelle Gefechte mit der Armee zu liefern, braucht es etwas anderes als Moral - nämlich eine reguläre militärische Organisation mit einer entsprechenden Führung, Kommunikationsmitteln und einer Bewaffnung, die einer regulären Armee trotzen kann. Das alles hat diese "Freie Armee". Woher denn ? Wer organisiert und bezahlt ? Wie kommen die Waffen ins Land und woher ?
Diese "Freie Syrische Armee" verfügte in Homs z. B. über Milan. Das ist ein hochmodernes Boden-Boden-Raketensystem, wie es auch die Bundeswehr verwendet. Solches Zeug muss man übrigens, wenn man es denn hat, erst einmal auch bedienen können. Milan wird von der französischen Nord-Aviation und der deutschen MBB hergestellt. Reseau Voltaire sagt, die "Freie Syrische Armee" beziehe ihre Milan aus Beständen der Bundeswehr und der britischen Armee.
Eine Milan-Gefechtsstation, deren Einsatz geschultes Personal braucht, kostet 120 000 sFr. Ein Schuss kostet 15 000 sFr. In Homs wurden in Gefechtssituationen 1 bis 3 Milan pro Minute abgefeuert - 15 000 bis 45 000 sFr Munitionskosten pro Minute, in einer Viertelstunde also 225 000 bis 675 000 sFr. ... Wer zahlt das ? Die Gefechte, die bisher bekannt geworden sind, müssen einen mindestens zweistelligen Millionenbetrag allein an Munitionskosten verursacht haben. Wer zahlt das ? Die bekannt gewordenen Operationen der "Rebellen" brauchen qualifiziertes Führungspersonal von mindestens mehreren hundert Mann - kommunikations- und waffentechnische Spezialisten, Offiziere. Wer schickt die ? Wer zahlt sie ? (Letztens sind von der syrischen Armee 19 französische solcher "Spezialisten" gefangengenommen worden, was die freien westlichen Medien zufällig so gut wie nicht bemerkt haben.)
Wenn der heute diensthabende Tagesschau-Protistuierte wieder erzählt, dass Assad wieder 57 (von London aus gezählte) friedliche Leute brutal hat ermorden lassen: An Milan denken und an die Leute, die sie bedienen können, und an die Bundeswehr !