Zweierlei Einheit: Vietnam und Deutschland
Egon Krenz, letzter Staatsratsvorsitzender der DDR, war in Vietnam; Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Selling auch, zur selben Zeit. Der amtierende Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes stand dem seit zwanzig Jahren nicht mehr amtierenden Egon Krenz protokollarisch allerdings etwas nach. Der vietnamesische Staatschef empfing Egon Krenz, während der gleichzeitig empfangene Sellering mit dem stellvertetenden Regierungschef vorlieb nehmen musste. Dumm gelaufen, und doch mehr als ein Zufall: Wenn Vietnam historisch etwas mit Deutschland verbindet, dann ist es nicht die Politik Westdeutschlands gegenüber Vietnam, sondern die der DDR. In der schwersten Zeit Vietnams, dem Befreiungskrieg gegen die US-Besatzung, stand die Bundesrepublik auf der Seite der Flächenbombardierer und Agent-Orange-Sprüher, die DDR auf der Seite des vietnamesischen Volkes.
junge welt hat Egon Krenz zu seiner Vietnamreise interviewt. Da diese zeitnah am 20. Jahrestag des Anschlusses der DDR liegt, lag es nahe, ihn zur sogenannten Wiedervereinigung zu befragen. Und Krenz´ Reiseziel wiederum legte nahe, eine Gemeinsamkeit zwischen Deutschland und Vietnam zu erörtern - den Zusammenschluss eines für einige Zeit in zwei Staaten getrennten Volkes.
Wie gehen die Vietnamesen mit ihrer staatlichen Vereinigung um ? Mit der Geschichte der Menschen, die einmal auf dem Staatsgebiet der südvietnamesischen Marionettenrepublik gelebt haben ? Krenz stellt dazu interessante Vergleiche an.
Der Wortlaut des Interviews steht hier: http://www.jungewelt.de/2010/10-02/015.php