Abnehmende Reisefreiheit
Gerade habe ich mich durch die deutschen Touristen gezwaengt, die den Wochenmarkt in der benachbarten Kleinstadt bevoelkern. Mir schien, es sind so viele wie immer um diese Jahreszeit. Aber die Statistiken besagen etwas anderes: Im bisherigen Jahresverlauf sind 12 % weniger Deutsche, 11 % weniger Franzosen und 18 % weniger Briten nach Spanien gekommen, was in der Summe dreieinhalb Millionen weniger Touristen ausmacht. Im Vorbeigehen fragte ich Jaime, wie die Geschaefte gehen. Er verkauft eingelegte Oliven. "Schlecht", antwortete er, "Es sind so viele Leute wie immer, aber sie kaufen viel weniger." Das ist die zweite Seite des Rueckgangs. Es kommen nicht nur weniger Gaeste, sondern die, die kommen geben weniger aus, und viele sind nur gekommen (und konnten nur kommen), weil die Reiseveranstalter grosse Rabatte anbieten. Die werden uebrigens an die spanischen Beherberger, die sie unter Vertrag haben, weitergereicht. Und die wiederum halten sich, so weit sie koennen, an ihren Angestellten schadlos.
Im spanischen Tourismus findet gerade eine "Marktbereinigung" statt. Kleinunternehmer - Paechter von Bars und Restaurants, Geschaefte, die Touristenramsch verkaufen, Bootsverleiher, Autoverleiher - muessen in grosser Zahl zumachen. Das Vordringen der "All-inclusive-Touristik" macht ihnen ohnehin zu schaffen, und die Krise ruiniert viele. Die nach dem irrsinnig gewordenen Immobilienmarkt zweitgroesste Blase in Spanien, der Tourimsus, laesst deutlich Luft ab. Der moementane Stand ist der von 2004.
Natuerlich beschraenkt im freien Westen niemand die Reisefreiheit. Mit Ausnahme des Kontostands. Aber das ist reiner Sachzwang.