Albert Einstein und der Sozialismus

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

   

   
 

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 Albert Einstein verstand sich waehrend des groessten Teils seines Lebens als Sozialist. Seinen Standpunkt beschreibt er hier:
Albert Einstein: Warum Sozialismus (1949)
Das folgende Essay "Why Socialism" gehört sicherlich zu den unbekanntesten Arbeiten Albert Einsteins und wurde erstmals 1949 in der ersten Ausgabe der Zeitschrift "Monthly Review" veröffentlicht. Die Tatsache, dass sich Einstein einen Großteil seines Lebens als Sozialist verstand und gegen Faschismus und Krieg engagierte, wird von den bürgerlichen Medien gerne verschwiegen.

Warum Sozialismus ?

Ist es nun ratsam für jemanden, der kein Experte auf dem Gebiet ökonomischer und sozialer Fragen ist, sich zum Wesen des Sozialismus zu äußern? Ich denke aus einer Reihe von Gründen, dass dies der Fall ist.

Lasst und die Frage vorerst vom Standpunkt der wissenschaftlichen Erkenntnisse aus betrachten. Es mag so erscheinen, als ob es keine wesentlichen methodologischen Unterschiede zwischen Astronomie und Ökonomie gäbe: Wissenschaftler beider Gebiete versuchen allgemein akzeptable Gesetze für eine begrenzte Anzahl von Phänomenen zu entdecken um deren Zusammenhänge so verständlich wie möglich zu machen. Aber in Wirklichkeit existieren solche methodologischen Unterschiede. Die Entdeckung von allgemeingültigen Gesetzen im Bereich der Ökonomie wird dadurch erschwert, dass die zu betrachtenden ökonomischen Phänomene von vielen Faktoren beeinflusst sind, die einzeln schwer zu beurteilen sind. Außerdem waren die Erfahrungen, die sich seit Beginn der sogenannten "zivilisierten Periode" der menschlichen Geschichte angesammelt haben - wie wir wissen - stark von Faktoren beeinflusst und beschränkt, die keineswegs ausschließlich ökonomischer Natur sind. Zum Beispiel verdanken die größeren Staatengebilde ihre Existenz den Eroberungen. Die erobernden Völker machten sich selbst - gesetzlich und wirtschaftlich gesehen - zur privilegierten Klasse des eroberten Landes. Sie sicherten sich das Monopol an Landbesitz und ernannten Priester aus ihren eigenen Reihen. Diese Priester - die die Macht über das Erziehungswesen hatten - institutionalisierten die Teilung der Gesellschaft in Klassen und schufen ein Wertesystem, dass die Menschen von da an - in einem hohen Grad unbewusst - in ihrem sozialen Verhalten leitete.

Aber auch wenn diese historische Tradition eigentlich der Vergangenheit angehört, haben wir das was Thorstein Veblen die ,,räuberische Phase" der menschlichen Entwicklung nannte nirgends wirklich überwunden. Die wahrnehmbaren ökonomischen Fakten gehören zu eben dieser Phase und selbst diejenigen Gesetze, die wir aus ihnen ableiten können sind nicht auf andere Phasen anwendbar. Da es das reale Ziel des Sozialismus ist, genau über diese räuberische Phase menschlicher Entwicklung zu Siegen und diese zu überwinden, kann die heutige wissenschaftliche Ökonomie wenig Licht auf die zukünftige sozialistische Gesellschaft werfen.

Zum Zweiten ist der Sozialismus auf ein sozial-ethisches Ziel ausgerichtet. Wissenschaft kann jedoch keine Ziele schaffen, geschweige denn sie den Menschen einflößen: Wissenschaft kann bestenfalls die Mittel liefern, mit denen bestimmte Ziele erreicht werden können.

Aber die Ziele selbst werden von Persönlichkeiten mit hochgesteckten ethischen Idealen erdacht und - wenn diese Ziele nicht totgeboren, sondern vital und kraftvoll sind - werden sie von den vielen Menschen übernommen und weitergetragen, die teilweise unbewusst die langsame Weiterentwicklung der Gesellschaft bestimmen.

Aus diesen Gründen sollten wir auf der Hut sein und keine Wissenschaft und wissenschaftliche Methode überschätzen, wenn es um eine Frage der Probleme der Menschheit geht; und wir sollten nicht davon ausgehen, dass Experten die einzigen sind, die ein Recht darauf haben, sich zu Fragen zu äußern, die die Organisation der Gesellschaft betreffen.

Unzählige Stimmen behaupten seit geraumer Zeit, dass nun, da die menschliche Gesellschaft eine Krise durchmache, ihre Stabilität ernsthaft erschüttert worden sei. Es ist charakteristisch für solch eine Situation, dass sich Individuen gleichgültig oder sogar feindlich gegenüber der kleinen oder großen Gruppe verhalten, zu der sie gehören. Hierzu eine persönliche Erfahrung: Ich erörterte vor kurzem mit einem intelligenten und freundlich gesonnenen Mann die Bedrohung durch einen erneuten Krieg, der meiner Meinung nach die Existenz der Menschheit ernsthaft gefährden würde, und ich bemerkte, dass nur eine supranationale Organisation Schutz vor dieser Gefahr gewährleisten könnte. Daraufhin sagte mein Besucher sehr ruhig und gelassen: "Warum bist du so vehement gegen das Verschwinden der Menschheit?"

Ich bin mir sicher, dass ein Jahrhundert früher niemand so leicht eine derartige Bemerkung gemacht hätte. Es ist die Aussage eines Mannes, der sich vergebens bemüht hat, sein inneres Gleichgewicht zu finden und der mehr oder weniger die Hoffnung auf Erfolg verloren hat. Es ist der Ausdruck einer schmerzhaften Vereinsamung und Isolation, an der so viele Leute in dieser Zeit leiden. Was ist die Ursache? Gibt es einen Ausweg?

Es ist einfach, solche Fragen aufzuwerfen, viel schwieriger hingegen, sie mit Gewissheit zu beantworten. Doch das muss ich versuchen, so gut ich kann, obwohl ich mir der Tatsache bewusst bin, dass unsere Gefühle und unsere Bestrebungen oft widersprüchlich und obskur sind und dass sie nicht in einfachen Formeln ausgedrückt werden können.

Der Mensch ist gleichzeitig ein Einzel- und ein Sozialwesen. Als ein Einzelwesen versucht er, seine eigene Existenz und die derjenigen Menschen zu schützen, die ihm am nächsten sind sowie seine Bedürfnisse zu befriedigen und seine angeborenen Fähigkeiten zu entwickeln. Als ein Sozialwesen versucht er, die Anerkennung und Zuneigung seiner Mitmenschen zu gewinnen, ihre Leidenschaften zu teilen, sie in ihren Sorgen zu trösten und ihre Lebensumstände zu verbessern. Allein die Existenz dieser vielseitigen, häufig widerstreitenden Bestrebungen macht den speziellen Charakter des Menschen aus, und die jeweilige Kombination bestimmt, inwieweit ein Individuum sein inneres Gleichgewicht erreichen und damit etwas zum Wohl der Gesellschaft beitragen kann. Es ist gut vorstellbar, dass die relative Kraft dieser beiden Antriebe hauptsächlich erblich bedingt ist. Aber die Persönlichkeit wird letztlich weitestgehend von der Umgebung geformt, die ein Mensch zufällig vorfindet, durch die Gesellschaftsstruktur, in der er aufwächst, durch die Traditionen dieser Gesellschaft und dadurch, wie bestimmte Verhaltensweisen beurteilt werden. Der abstrakte Begriff "Gesellschaft" bedeutet für den einzelnen Menschen die Gesamtheit seiner direkten und indirekten Beziehungen zu seinen Zeitgenossen den Menschen früherer Generationen. Das Individuum allein ist in der Lage, zu denken, zu fühlen, zu kämpfen, selbständig zu arbeiten; aber er ist in seiner physischen, intellektuellen und emotionalen Existenz derart abhängig von der Gesellschaft, dass es unmöglich ist ihn, außerhalb des gesellschaftlichen Rahmens über zu betrachten. Es ist die ,,Gesellschaft, die den Menschen Kleidung, Wohnung, Werkzeuge, Sprache, die Formen des Denkens und die meisten Inhalte dieser Gedanken liefert, sein Leben wird durch die Arbeit möglich gemacht und durch die Leistungen der vielen Millionen Menschen früher und heute, die sich hinter dem Wörtchen ,,die Gesellschaft" verbergen.

Deshalb ist die Abhängigkeit des Einzelnen von der Gesellschaft ein Naturgesetz, das - wie im Falle von Ameisen und Bienen - offenbar nicht einfach so abgeschafft werden kann. Doch während der gesamte Lebensprozess von Ameisen und Bienen bis hin zum kleinsten Detail an starre, erbliche Instinkte gebunden ist, sind die sozialen Muster und die engen sozialen Verbindungen der Menschen sehr empfänglich für verschiedenste Veränderungen. Das Gedächtnis, die Kapazität, Neues zu versuchen und die Möglichkeit, mündlich zu kommunizieren haben für den Menschen Entwicklungen möglich gemacht, die nicht von biologischen Gegebenheiten diktiert wurden. Solche Entwicklungen manifestieren sich in Traditionen, Institutionen und Organisationen, in der Literatur, in wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften, in künstlerischen Arbeiten. Das erklärt, weshalb der Mensch in einem gewissen Sinne sein Leben selbst beeinflussen kann und dass in diesem Prozess bewusstes Denken und Wollen eine Rolle spielt.
Der Mensch erwirbt mit der Geburt durch Vererbung eine biologische Grundlage, die wir als fest und unabänderlich betrachten müssen.

Dies schließt die natürlichen Triebe ein, die für die menschliche Spezies charakteristisch sind. Darüber hinaus erwirbt er während seines Lebens eine kulturelle Grundlage, die er von der Gesellschaft durch Kommunikation und durch viele andere Arten von Einflüssen übernimmt. Es ist diese kulturelle Grundlage, die im Lauf der Zeit Änderungen unterworfen ist, und die zu einem großen Teil die Beziehungen zwischen dem Individuum und der Gesellschaft bestimmt. Die moderne Anthropologie hat uns durch vergleichende Untersuchungen der sogenannten "primitiven Kulturen" gelehrt, dass das soziale Verhaften von Menschen sehr unterschiedlich sein kann und jeweils abhängig ist von den vorherrschenden kulturellen Mustern und dem in der Gesellschaft vorherrschenden Organisationstyp. Auf diese Tatsache können diejenigen bauen, die das Los der Menschen verbessern wollen: Menschen werden nicht durch ihre biologischen Konstitution dazu verdammt, einander zu vernichten oder auf Gedeih und Verderb einem schrecklichen, selbst auferlegten Schicksal zu erliegen.

Wenn wir uns fragen, wie die Gesellschaftsstruktur und die kulturelle Einstellung des Menschen geändert werden soll, um das menschliche Leben so befriedigend wie möglich zu machen, sollten wir uns immer bewusst sein, dass es bestimmte Bedingungen gibt, die wir unmöglich verändern können. Wie bereits erwähnt, sieht die biologische Natur des Menschen in der Praxis keine Änderung vor. Des weiteren haben technologische und demographische Entwicklungen der letzten Jahrhunderte Bedingungen geschaffen, die bleibend sind. Bei einer relativ hohen Bevölkerungsdichte und mit Blick auf die Waren, die für ihre Existenz unentbehrlich sind, sind eine extreme Arbeitsteilung und ein hoch zentralisierter Produktionsapparat unbedingt notwendig. Die Zeiten, in denen Individuen oder relativ kleine Gruppen völlig autark sein konnten - und die zurückblickend so idyllisch erscheinen - sind unwiderruflich vorbei. Es ist nur eine leichte Übertreibung, zu behaupten, dass die Menschheit jetzt sogar eine weltweite Gemeinschaft in Bezug auf Produktion und Verbrauch bildet.

An diesem Punkt angelangt kann ich kurz aufzeigen, was für mich das Wesen der Krise unserer Zeit ausmacht. Es betrifft die Beziehung des Einzelnen zur Gesellschaft. Der Einzelne ist sich seiner Abhängigkeit von der Gesellschaft bewusster als je zuvor. Aber er erfährt diese Abhängigkeit nicht als etwas Positives, Organisches, als Schutzgewalt, sondern eher als eine Bedrohung seiner naturgegebenen Rechte, oder sogar seiner ökonomischen Existenz. Außerdem ist seine Stellung in der Gesellschaft so, dass die egoistischen Triebe ständig hervorgehoben, während die sozialen Triebe, die er von Natur aus hat, schwächer werden und immer mehr verkümmern. Alle Menschen leiden unter diesem Prozess der Verschlechterung - ganz gleich welche Stellung sie in der Gesellschaft innehaben. Als unwissentlich Gefangene ihrer eigenen Ichbezogenheit fühlen sie sich unsicher, einsam und des ursprünglichen, einfachen und schlichten Genusses des Lebens beraubt. Der Mensch kann den Sinn seines kurzen und bedrohten Lebens nur innerhalb der Gesellschaft finden.

Die ökonomische Anarchie der kapitalistischen Gesellschaft heute ist meiner Meinung nach die eigentliche Ursache des Übels. Wir sehen vor uns eine riesige Gemeinschaft von Erzeugern, deren Mitglieder unaufhörlich bestrebt sind, einander die Früchte ihrer kollektiven Arbeit zu entziehen, - nicht mit Gewalt, aber in getreuer Einhaltung der gesetzlich feststehenden Regeln.

In dieser Hinsicht ist es wichtig, zu realisieren, dass die Produktionsmittel - d.h. die ganze produktive Kapazität, die für das Produzieren von Verbrauchsgütern wie auch zusätzlichen lnvestitionsgütern erforderlich ist, - gesetzlich gesehen im privaten Besitz von Individuen sein können und zum größten Teil ist das auch so.

Um es einfacher zu machen werde ich im folgenden all jene als ,Arbeiter" bezeichnen, die kein Eigentum an Produktionsmitteln besitzen - auch wenn dies nicht der üblichen Verwendung des Ausdrucks entspricht. Der Eigentümer der Produktionsmittel ist in einer Position, in der er die Arbeitskraft des Arbeiters kaufen kann. Mit den Produktionsmitteln produziert der Arbeiter neue Waren, die ins Eigentum des Kapitalisten übergehen. Wesentlich in diesem Prozess ist die Relation zwischen dem, was der Arbeiter verdient und dem, was ihm dafür bezahlt wird - beides gemessen am wirklichen Wert. Dadurch dass der Arbeitsvertrag ,,offen" ist, wird das was der Arbeiter erhält nicht vom wirklichen Wert der produzierten Waren bestimmt sondern durch seinen Minimalbedarf und durch die Erfordernisse des Kapitalisten im Zusammenhang mit der Zahl der Arbeiter, die miteinander um die Arbeitsplätze konkurrieren. Es ist wichtig, zu verstehen, dass sogar in der [ökonomischen] Theorie die Bezahlung des Arbeiters nicht vom Wert seines Produkts bestimmt wird.

Privates Kapital tendiert dazu, in wenigen Händen konzentriert zu werden - teils aufgrund der Konkurrenz zwischen den Kapitalisten und teils, weil die technologische Entwicklung und die wachsende Arbeitsteilung die Entstehung von größeren Einheiten auf Kosten der kleineren vorantreiben. Das Ergebnis dieser Entwicklungen ist eine Oligarchie von privatem Kapital, dessen enorme Kraft nicht einmal von einer demokratisch organisierten politischen Gesellschaft überprüft werden kann. Dies ist so, da die Mitglieder der gesetzgebenden Organe von politischen Parteien ausgewählt sind, die im Wesentlichen von Privatkapitalisten finanziert oder anderweitig beeinflusst werden und in der Praxis die Wähler von der Legislative trennen. Die Folge ist, dass die ,,Volksvertreter" die Interessen der unterprivilegierten Schicht der Bevölkerung nicht ausreichend schützen. Außerdem kontrollieren unter den vorhandenen Bedingungen die Privatkapitalisten zwangsläufig direkt oder indirekt die Hauptinformationsquellen (Presse, Radio, Bildung). Es ist deshalb äußerst schwierig und, für den einzelnen Bürger in den meisten Fällen fast unmöglich, objektive Schlüsse zu ziehen und in intelligenter Weise Gebrauch von seinen politischen Rechten zu machen.

Die Situation in einem Wirtschaftssystem, das auf dem Privateigentum an Kapital basiert wird durch zwei Hauptprinzipien charakterisiert: erstens sind die Produktionsmittel (das Kapital) in privatem Besitz, und die Eigentümer verfügen darüber, wie es ihnen passt; zweitens ist der Arbeitsvertrag offen. Natürlich gibt es keine rein kapitalistische Gesellschaft. Vor allem sollte beachtet werden, dass es den Arbeitern durch lange und bittere politische Kämpfe gelungen ist, bestimmten Kategorien von Arbeitern eine ein wenig verbesserte Form des ,,nichtorganisierten Arbeitervertrags" zu sichern. Aber als Ganzes genommen unterscheidet sich die heutige Wirtschaft nicht sehr von einem ,,reinem" Kapitalismus.

Die Produktion ist für den Profit da - nicht für den Bedarf. Es gibt keine Vorsorge dafür, dass all jene, die fähig und bereit sind, zu arbeiten immer Arbeit finden können. Es gibt fast immer eine ,,Herr von Arbeitslosen". Der Arbeiter lebt dauernd in der Angst, seinen Job zu verlieren. Da arbeitslose und schlecht bezahlte Arbeiter keinen profitablen Markt darstellen, ist die Warenproduktion beschränkt und große Not ist die Folge. Technologischer Fortschritt führt häufig zu mehr Arbeitslosigkeit statt zu einem Milderung der Last der Arbeit für alle. Das Gewinnmotiv ist in Verbindung mit der Konkurrenz zwischen den Kapitalisten für Instabilität in der Akkumulation und Verwendung des Kapitals verantwortlich und dies bedeutet zunehmende Depressionen. Unbegrenzte Konkurrenz führt zu einer riesigen Verschwendung von Arbeit und zu dieser Lähmung des sozialen Bewusstseins von Individuen, die ich zuvor erwähnt habe.
Diese Lähmung der Einzelnen halte ich für das größte Übel des Kapitalismus. Unser ganzes Bildungssystem leidet darunter. Dem Studenten wird ein übertriebenes Konkurrenzstreben eingetrichtert und er wird dazu ausgebildet, raffgierigen Erfolg als Vorbereitung für seine zukünftige Karriere anzusehen.

Ich bin davon überzeugt, dass es nur einen Weg gibt, dieses Übel loszuwerden, nämlich den, ein sozialistisches Wirtschaftssystem zu etablieren, begleitet von einem Bildungssystem, das sich an sozialen Zielsetzungen orientiert. in solch einer Wirtschaft gehören die Produktionsmittel der Gesellschaft selbst und ihr Gebrauch wird geplant. Eine Planwirtschaft, die die Produktion auf den Bedarf der Gemeinschaft einstellt, würde die durchzuführende Arbeit unter all denjenigen verteilen, die in der Lage sind zu arbeiten und sie würde jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind einen Lebensunterhalt garantieren. Die Bildung hätte zum Ziel, dass die Individuen zusätzlich zur Förderung ihrer eigenen angeborenen Fähigkeiten einen Verantwortungssinn für die Mitmenschen entwickeln anstelle der Verherrlichung von Macht und Erfolg in unserer gegenwärtigen Gesellschaft.

Dennoch ist es notwendig festzuhalten, dass eine Planwirtschaft noch kein Sozialismus ist. Eine Planwirtschaft als solche kann mit der totalen Versklavung des Individuums einhergehen. Sozialismus erfordert die Lösung einiger äußerst schwieriger sozio-politischer Probleme: Wie ist es angesichts weitreichender Zentralisierung politischer und ökonomischer Kräfte möglich, eine Bürokratie daran zu hindern, allmächtig und maßlos zu werden? Wie können die Rechte des Einzelnen geschützt und dadurch ein demokratisches Gegengewicht zur Bürokratie gesichert werden?

In unserem Zeitalter des Wandels ist Klarheit über die Ziele und Probleme des Sozialismus von größter Bedeutung. Da unter den gegenwärtigen Umständen die offene und ungehinderte Diskussion dieser Probleme einem allgegenwärtigen Tabu unterliegt halte ich die Gründung dieser Zeitschrift für ausgesprochen wichtig.

(Quelle: Sozialismus oder Barbarei)
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Veröffentlicht in Geschichte

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S
<br /> <br /> Sehr geehrter Herr Aigner,<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> so gut wie alle "Sozialisten" behaupten von sich, mit der "marxistischen Kritik am Kapitalismus" zu sympatisieren, aber selbst "kein Marxist" zu sein. Mit anderen Worten: Der "Sozialist" schwärmt<br /> von den erträumten Vorteilen einer "Vergesellschaftung der Produktionsmittel" und leugnet die offensichtlichen Nachteile. Wovon ein solcher "Sozialist" wirklich träumt, ist, eine "Position" in<br /> der planwirtschaftlichen Verteilungshierarchie zu erreichen!<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Genau darum geht es: man kann den Artikel "Warum Sozialismus" von Albert Einstein nicht unkommentiert im Raum stehen lassen, denn dann richtet er nur Schaden an. Der Artikel besteht im Kern aus<br /> berechtigten Wünschen (Überwindung der Ausbeutung, klassenlose Gesellschaft) und begründeten Zweifeln ("allmächtige und maßlose Bürokratie", "Planwirtschaft noch kein Sozialismus), aber ansonsten<br /> praktisch nur aus Denkfehlern (marktwirtschaftliche Konkurrenz "negativ", Zusammenfassung von verdientem und unverdientem Knappheitsgewinn zu "Profit", der "spezielle Charakter des Menschen" muss<br /> sich "bessern", etc.).<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Ohne die Denkfehler zu korrigieren und ohne aufzuzeigen, wie die berechtigten Wünsche tatsächlich zu verwirklichen und wodurch die Zweifel begründet sind, schadet der unkommentierte Artikel<br /> sowohl dem Ansehen Albert Einsteins als auch der Hoffnung heutiger Leser, die sich eine klassenlose Gesellschaft wünschen, aber selbst (noch) nicht wissen, wie diese zu verwirklichen ist.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Sehr geehrter Herr Aigner,<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> ich bin niemandes "Anhänger", sondern ich erkenne an, dass Silvio Gesell die Makroökonomie vollständig und widerspruchsfrei beschrieben hat. Jede "Kritik" an der Natürlichen Wirtschaftsordnung<br /> reflektiert nur die Vorurteile und Denkfehler des jeweiligen "Kritikers"; das hat sich seit einem Jahrhundert immer wieder bestätigt.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Darum geht es hier aber gar nicht. Es geht darum, dass der Artikel "Warum Sozialismus" von Albert Einstein nicht für marxistische Propaganda missbraucht werden sollte, wobei unter den Begriff<br /> "marxistischer Sozialismus" jede Ideologie fällt, die als Ursache der Ausbeutung fälschlicherweise den Privatbesitz an den Produktionsmitteln annimmt und das herkömmliche Geld als "neutral"<br /> betrachtet.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Albert Einstein wollte darauf hinweisen, dass der Aufbau einer klassenlosen Gesellschaft, in der es keine Ausbeutung mehr gibt, die Grundvoraussetzung ist, um weitere Kriege zu verhindern. Einen<br /> 3. Weltkrieg würde die Menschheit nicht überleben.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Dass eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform sowohl notwendig als auch hinreichend für eine klassenlose Gesellschaft ist, während eine Verstaatlichung von Produktionsmitteln prinzipiell<br /> Staatskapitalismus bedeutet, wusste Albert Einstein nicht, denn dafür hatte er sich viel zu wenig mit der Natürlichen Wirtschaftsordnung (freiwirtschaftlicher Sozialismus) beschäftigt. <br />    <br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Sehr geehrter Herr Wehmeier,<br /> <br /> <br /> Sie schreiben es selbst: Albert Einstein hat sich wenig - Ihr "viel zu" ist eine Meinung, die ich nicht teile - mit Gesell beschäftigt, so dass Sie ihn also nicht für die "Freiwirtschaft" in<br /> Anspruch nehmen können.<br /> <br /> <br /> Ich habe meinerseits Einstein für gar nichts missbraucht, sondern bloss in mein Blog gestellt, was er selbst geschrieben hat. Nach diesem Text ist es unbestreitbar, dass Einstein mit der<br /> marxistischen Kritik am Kapitalismus und sozialistischen Zukunftsvorstellungen sympathisiert hat. Er war selbst kein Marxist und hat auch nicht sein Leben lang immer die selbe Meinung vertreten.<br /> Aber das habe ich ja auch nicht behauptet.<br /> <br /> <br /> Ich komme zurück auf meine Vermutung, dass Sie, was den "marxistischen Sozialismus" betrifft, einfach nicht wissen, wovon Sie schreiben. Wenn Sie Marx gelesen hätten oder sich mit<br /> zeitgenössischen marxistischen Arbeiten auseinandergesetzt hätten, könnten Sie nämlich z. B. nicht behaupten, Marx habe "das herkömmliche Geld als "neutral" betrachtet". Das ist einfach<br /> Unfug und Unkenntnis.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />
S
<br /> <br /> Sehr geehrter Herr Aigner,<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Sie können davon ausgehen, dass ich alle diese Begriffe präzise auseinander halten kann und auch die künstlichen Archetypen ("Götter") verstanden habe, die dem so genannten "Normalbürger" das<br /> Verständnis der Makroökonomie verwehren.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Mit freundlichem Gruß<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Stefan Wehmeier<br /> <br /> <br /> www.deweles.de<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Sehr geehrter Herr Wehmeier,<br /> <br /> <br /> da Sie offenbar ein passionierter Gesell-Anhänger sind, ich aber für ziemlichen Stuss halte, was Gesell sich ausgedacht hat - wollen wir es nicht dabei belassen ?<br /> <br /> <br /> <br />
S
<br /> <br /> Ich habe nicht gehauptet, dass Albert Einstein ein Freiwirtschaftler war. Wäre er einer gewesen, hätte er sich sicher keine überflüssigen Gedanken zum marxistischen Sozialismus<br /> (Staatskapitalismus) gemacht. Einstein war ein Sozialist in dem Sinne, als dass er die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen strikt ablehnte. Um die Ausbeutung abzustellen, gibt es nur den<br /> Weg des freiwirtschaftlichen Sozialismus (freie Marktwirtschaft ohne Privatkapitalismus), den Einstein nachweislich - von Silvio Gesell persönlich - kennengelernt und zumindest teilweise<br /> angenommen hatte.<br /> <br /> <br /> Ohne die Religion verstanden zu haben,<br /> <br /> <br /> http://www.deweles.de/files/apokalypse.pdf<br /> <br /> <br /> ...die durch eine gezielte Programmierung des kollektiv Unbewussten den Kulturmenschen seit Jahrtausenden an eine noch fehlerhafte (kapitalistische) Makroökonomie anpasst, ist es allerdings kaum<br /> möglich, auch nicht für Genies wie Albert Einstein, den freiwirtschaftlichen Sozialismus, der genauso gut als freiwirtschaftlicher Liberalismus zu verstehen ist, wirklich zu begreifen. Genau das<br /> wird in der Datei "Lebendigkeit" erklärt.<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Marxistischer Sozialismus - Staatskapitalismus - freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus - freiwirtschaftlicher Sozialismus - genauso gut als freiwrtschaftlicher Liberalismus zu verstehen ... um<br /> dieses Durcheinander unter einen Hut zu kriegen, braucht es allerdings eine starke Religion. Vielleicht sollten Sie z. B. über "marxistischen Sozialismus" (was für ein unsinniger Ausdruck)<br /> einfach mal was Authentisches lesen und versuchen, es zu verstehen ? Gott, oder an wen oder was auch immer Sie glauben, möge Ihnen beistehen !<br /> <br /> <br /> <br />
S
<br /> <br /> Albert Einstein verfasste "Warum Sozialismus" wider besseres Wissen und unter dem Einfluss von - selbst auferlegten - Schuldgefühlen. Der Artikel sollte daher nicht zu<br /> Propaganda-Zwecken für den falsch verstandenen, marxistischen Sozialismus missbraucht werden:<br /> <br /> http://www.deweles.de/files/lebendigkeit.pdf<br /> <br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Tatsächlich ? Und eigentlich war er ein "Freiwirtschaftler" ? Bedeutet "Freiwirtschaftler" zu sein, die Tatsachen frei zu erfinden ? Oder sie, wo sie nicht geleugnet werden koennen, so "frei" zu<br /> interpretieren, dass sie sich im Kopf in ihr Gegenteil verdrehen ?<br /> <br /> <br /> <br />