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Einzelheiten zum Kampf um das libysche Öl

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

 

Der Blogger Tom Gard, von dem ich zum ersten Mal höre, hat zu meinem Eintrag von heute zu Libyen einen Kommentar hinterlassen, in dem er schreibt, er werde von Google zensiert und man solle seine Seite spiegeln, um die Zensur zu unterlaufen. Ich habe Toms Eintrag zu Libyen gelesen, und er kommt mir interessant und glaubwürdig vor. Deshalb folge ich seiner Aufforderung, ohne näher zu checken, wer er ist und spiegele seinen Text:

 

EU finanziert & befeuert Schlächterei in Libyen.

Am 28.2 gab der EU-Energiecommissioner Öttinger eine Pressekonferenz, in der er stammelnd, fast jedes zweite Wort dreifach wägend, mitteilte, man habe "Anlaß" zu der "Annahme", die libysche Ölproduktion stünde zu großen Teilen nicht mehr unter Kontrolle Gaddafis, sondern befände sich in der Hand von Stammes- und Übergangsautoritäten der Aufständischen, so daß man mit einem Importstop o.ä. "Gefahr" laufe, die falschen Leute zu bestrafen, die, die doch jetzt einen "richtigeren" Weg gingen.

Zeitgleich ließen "Quellen" aus Libyen vernehmen:
"Benghazi-based Arabian Gulf Oil Co. split from its state- owned parent, National Oil Corp., Al Arabiya television reported, citing unidentified Arabian Gulf officials. (...) The proceeds of oil sales by Arabian Gulf won’t be accessible by the regime, they said ..."

Bei der First Coast News (Jacksonville) wußte man genaueres:

"The terminal (at Tobruk) is working at 100 percent," Rajab Sahnoun, an official with the Arabian Gulf Oil Co. ...told the AP. Sahnoun also said that at least two of the major eastern fields, Sarir and Misla, were still producing, though at slightly reduced capacity. ... Another Agoco official, Ali Faraj, said the company's production of roughly 220,000 barrels per day was largely unaffected.
Libya produces about 1.6 million barrels per day of crude oil, and about 85 percent of its exports are Europe-bound."

Beachte: 220 T barrel entsprechen grob 15% der täglichen libyschen Rohölproduktion.

Die "Wiederaufnahme" von Öllieferungen, die Öttinger meinte, betraf zunächst 600.000 barrel für Italien, eine Tranche, die im Unterschied zu 1 Mio barrel, die aus Tobruk in Richtung China verschifft wurden, noch nicht bezahlt waren.

Die "First Coast News" weiter:
A Libyan oil official in the east (..) speaking on condition of anonymity because of the sensitivity of the matter, said that if and when Gadhafi falls, the money would go to the new government. Barring that possibility at present, the payment could be channeled to the regional government in Benghazi, he said. ("könnte ... abgezweigt werden", TG)
But (!) experts (!!) questioned whether that option would be agreeable to international oil companies who would have no real assurances that they were paying the proper authorities. In addition, if a new government was to be set up, it may request the money that was already paid, for example, to the regional government."

Ob die Mannen des Herrn Öttinger wohl schon insgeheim eine Ausfallversicherung plaziert haben?
Das wissen wir nicht.

Aber wir wissen somit, wenn wir's wissen wollen, daß die EU absichtsvoll und bekennend den libyschen Bürgerkrieg finanziert und mit außenpolitischen Mitteln unterhält!

Der libysche Ölminister hatte hingegen bestritten, die Regierung hätte die Kontrolle über die Ölförderung und -lieferung verloren.
Wieviel immer seinerzeit davon stimmte, kurz darauf wurde gemeldet, die Hafen-, Lager- und Raffinerieanlagen in Brega seien umkämpft. Öttingers Einladung an die Rebellen, sich das libysche Öl in Lizenz der EU unter den Nagel zu reißen, wurde erhört, und die loyale Armee damit zum Eingreifen und zur Ausweitung der Kämpfe gezwungen.

Wer die Nachrichten der letzten Tage verfolgt hat, kann nicht ehrlich bestreiten, daß die militärischen Erfolge der loyalen Kräfte der Armee bewiesen, daß sie in der Woche zuvor die Rebellen in beträchtlichem Maße haben gewähren lassen, aus welchem Grund, oder mit welchen Kalkülen auch immer. Indem die EU den Zugriff der Rebellen auf Öleinnahmen absegneten, verringerten sie den Spielraum der Verteidiger, die neben Leib und Leben der Führungsgarde die Nationalisierung des libyschen Ölreichtums gegen seine designierte Privatisierung verteidigen, auf nahe Null.

Zusammengefasst: Die Massaker der letzten Tage gehen maßgeblich auf das Konto des Öls, das die EU buchstäblich und mit voller Absicht ins Feuer goß.

Ginge es nur um die Moral der Geschicht, hätte ich hiermit fertig. Aber mir geht es um die beteiligten Kräfte und Kalküle.

"Bloomberg" teilt dazu mit:
"While the rebels hold the military advantage, Qaddafi’s regime is “not yet out of the fight, and a prolonged, violent struggle is shaping up,” said Jeffrey White, a defense fellow at the Washington Institute for Near East Policy and specialist on the region. “Both sides lack the offensive capability to bring the conflict to a rapid conclusion,” and an extended conflict will “increase pressure for external military intervention,”".

Unnötig, zu zweifeln, der Sprecher eines Ablegers der prominentesten israelischen Lobbyorganisation in den USA beurteile die militärische Lage richtig. Ein Blick auf die verfügbaren Daten über die libyschen Streitkräfte genügt, die Angabe zu bestätigen(1), und weiteres ergibt sich aus der Tatsache, daß Gaddafi & Söhne es vorzogen, einen großen Teil des milizionären "Fußvolks", also die nicht spezialisierten und motorisierten Kräfte der Infanterie, aus dem Heer billig zu habender Desperados aus depravierten Ländern Nord- und Schwarzafrikas zu rekrutieren.

Man täte - natürlich, wie immer, rein um der lieben Theorie willen - gut daran, davon auszugehen, daß diese Lage den europäischen Analysten bekannt ist. Daraus ergäbe sich zwingend, die europäische Außenpolitik ist auf eine Teilung Libyens berechnet(2), die wg. der Leichen, der verstümmelten und Vergewaltigten, die sie kostete, durch eine US- bzw. NATO-Intervention nicht mehr rückgängig zu machen ginge. Die Erfahrungen, die europäische Politik mit Instrumentalisierungen von Massakern während und zum Zwecke der Zerlegung Jugoslawiens sammelte, lassen grüßen.

Mit der Teilung wäre wenigstens ein Teil des Quasi-Monopols der Europäer auf das hochwertige libysche Öl aus der Abwicklung der libyschen Nationalisierungen zu sichern. Die Namen der beteiligten Firmen entnehme man den Evakuierungsprotokollen der "First Coast News".

Eine Nachbemerkung zur Presse.
Wie ihr bemerkt habt, war ich auf Buisiness-Spezialpublikationen und amerikanische und australische Zeitungen verwiesen, etwas über die Lügen und Verdrehungen der europäischen Presse zu erfahren. Doch ein Großteil der Infos stammt einfach von der AP, eine Nachrichtenagentur, auf deren Dienste keine überregionale Zeitung verzichten kann.
Das ist der Beweis, daß die Meldungen mindestens der auflagenstarken europäischen Presse nach politischen Direktiven säuberlich geschnitten und zensiert werden.

Ob die Publikation, die viele ihrer Leser für unabhängig und unzensiert halten mögen, die "Junge Welt", davon ausgenommen ist, bezweifle ich stark. Auch sie schrieb nichts über die Hintergründe (einen Artikel von Rainer Rupp, der nur im online-Abo zu lesen ist, ließ ich allerdings unberücksichtigt, aber von dem ist eh nix zu erwarten ...). Man kann das für Unfähigkeit halten, aber ich halte es für einen Deal. Dafür darf die "jW" ausführlich den erzreaktionären, proletaristisch-romantischen Patriotismus ihrer Leser bedienen: Chavez soll mal wieder die Lichtgestalt sein, auf die frühsenile Berliner "Linke" setzen sollen.
Was für ein Elend.

1 Die Infanterie verfügt über zu wenig gepanzerte und motorisierte Verbände, um flächig wenigstens die wichtigsten Städte unter Kontrolle zu nehmen und zu halten, andererseits sind es genug, den Kernbestand der Kasernen und Basen zu schützen.
Es besteht eine vage Möglichkeit, daß die Lage sich ändern könnte, wenn Air Force und Luftabwehr vernichtet würden, aber das ist keineswegs sicher. Denn bislang gibt es nur vereinzelte Meldungen über Luftwaffeneinsätze, und die scheinen überwiegend gegen "harte" Ziele gerichtet, nämlich Waffen- und Munitionsdepots, die in die Hände der Rebellen gelangt waren oder zu fallen drohten.
Insbesondere die Kampfhubschrauber, die fürchterlichste und grausamste Waffe gegen "weiche" Ziele, wie aufständische Verbände sie bieten, wurden allem Anschein nach bislang zurück gehalten. Solche Einsätze wären wohl auch geeignet, die Loyalität der Luftwaffe zu überfordern.

2 Westerwelle wußte mal wieder von nichts, schwadronnierte von einem kompletten Zahlungs- und Importstopp gegen Libyen und mußte sich von Öttinger belehren lassen. So wenig traut man diesem Mann selbst auf EU-Ebene über den Weg ...

 

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Quelle: http://www.blog.de/user/tomgard/

 

 

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Veröffentlicht in Afrika

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