Flamenco corrupti
In Spanien ist der "Caso Guertel" - der Fall Guertel - ein Bauerbrenner in den Medien. Es geht um einen weitverzweigten Korruptionsskandal mit dem Ausgangspunkt Marbella, um viel Geld, um einen dicken Bauunternehmer und Spekulanten, der sein Bestechungsnetz ueber ganz Spanien geflochten hat.
Der mit der Bauspekulation in den Tourismus-Zonen und Ballungsgebiet verbundene Filz aus Geschaeftemachern und Amtsinhabern zieht sich aber die ganze Mittelmeerkueste entlang. Korruption und Guenstlingswirtschaft sind faktisch eine zweite Ebene in den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Beziehungsgeflechten neben den offiziellen rechtsstaatlichen. Das faengt unten an, wo der Betreiber einer Bar einen Verwaltungsbeamten schmieren muss, damit er seine Konzession verlaengert bekommt, und reicht bis hinauf in die grosse "Finanzwirtschaft" und die A-Liga des politischen Betriebs, wo die grossen Betruegereien, und Durchstechereien laufen, bei denen es um Milliardengeschaeftchen geht,
Obwohl ab und zu auch sozialdemokratische Wuerdentraeger und solche von Regionalparteien erwischt werden - "sauber" ist nur die IU (Vereinigten Linke - Kommunisten/linke Gruene) - ist unter den politischen Parteien die PP (Volkspartei, vergleichbar mit CDUCDSUFDP) diejenige Partei, die am meisten verfilzt ist. Das reicht bis hinauf in die Parteispitze, z.B. zum Finanzverantwortlichen der Partei.
Dabei gehen die Interessen durch- und gegeneinander, auch innerhalb der PP - sozusagen freie Marktwirtschaft in ihrem direkt kriminellen Segment.
So haben sich in Madrid verschiedene PP-Seilschaften gegenseitig illegal und zum Teil unter Verwendung staatlicher Ressourcen bespitzelt und sich anschliessend oeffentliche Schlammschlachten geliefert. Einige Buergermeisterlein und sonstige Mandatare mussten gehen, einige vor den Kadi. Die Einschlaege reichten bis ganz dicht an die maechtige Praesidentin der Region Madrid, Aguirre, heran, die eine Rivalin des derzeitigen PP-Vorsitzenden Rajoy und Verbuendete des Postfrancisten und ehemaligen Regierungschefs Aznar ist.
Valencia, Stadt und Region, sind naturgemaess - der geographischen Lage wegen, touristischer Bauboom - ein Focus der freien kriminellen Marktwirtschaft und daher immer wieder auch der begleitenden Skandale. Involviert sind die Frau Buergermeister und der Praesident der Region Valencia, Camps, der zugleich auch einer der maechtigsten Barone in der PP ist. Die beiden koennen sich bis jetzt halten. Aber der Praesident des Regionalparlaments, Costa, musste vor ein paar Wochen geopfert werden.
El Pais, ein mehr oder weniger linksliberales Blatt, berichtet heute darueber, dass der Aermste sich aber nicht opfern will (Costa vuelve a desafiar a Rajoy, http://www.elpais.com/ ). Das PP-Praesidium in Madrid hatte eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet und wohl seinen Sturz betrieben, sei es, um Schlimmeres zu verhueten, sei es vielleicht auch, weil PP-Chef Rajoy seinen Parteifreund und Rivalen Camps schwaechen sollte, indem er ihn zwang, Costa fallen zu lassen und damit einen Treuebruch gegen einen Vasallen zu begehen.
Die Vorgaenge sind mehr byzantinisch als demokratisch. Fuer das gewoehnliche Publkum sind sie kaum durchschaubar. Man munkelt, man spuert, dass da "viele Sachen faul sind", man kritelt ein wenig und ergibt sich gleichzeitig darein, die Welt ist nun einmal schlecht, jeder sucht halt seinen Vorteil wie er kann, wenn ich so einen Posten haette, wuerd ichs ja auch so machen ... Kurz gesagt: Spanien ist eine moderne Demokratie.
Werbung