Manifest der Regime-Gegner in Spanien

Veröffentlicht auf von Sepp Aigner

Schmerzlich vermisse ich die glühende Begeisterung unserer freien Medien, die so weit ging, dass die Befreiung der armen untersrückten Libyer mittels Bomben und Cruise Missiles für unabdingbar notwendig erachtet wurde, zum Schutz der zivilen Menschen. Spanien steht auf, und unsere freien Medien sind nicht begeistert, sondern besorgt ? Die Strassen Madrids hallen von aufrührerischen Parolen wider, und SPIEGEL, BILD, Welt und FAZ bleiben kleinlaut, erklären mit Nachsicht und Umsicht die Schwierigkeiten es spanischen Regimes, mit der Krise fertig zu werden ? Die Jugend twittert sich zu Zehntausenden zu Kundgebungen zusammen, aber bei ARD und ZDF kommt keine Begeisterung auf ? Die Passauer Neue Presse ruft keine Safran-Revolution aus ?

 

Ich versteh DIE WELT nicht mehr. Aber muss ich ja auch nicht. Ich kann ja RedGlobe lesen. Gefällt mir ohnehin besser:

Das Manifest von »Democracia Real YA!« (Wahre Demokratie jetzt!)

   
Spanien
Donnerstag, den 19. Mai 2011 um 13:32 Uhr

Wir sind normale Menschen.

Wir sind wie du: Menschen, die jeden Morgen aufstehen, um studieren zu gehen, zur Arbeit zu gehen oder einen Job zu finden, Menschen mit Familien und Freunden. Menschen, die jeden Tag hart arbeiten, um denjenigen die uns umgeben eine bessere Zukunft zu bieten.

Einige von uns bezeichnen sich als fortschrittlich, andere als konservativ. Manche von uns sind gläubig, andere wiederum nicht. Einige von uns folgen klar definierten Ideologien, manche unter uns sind unpolitisch, aber wir sind alle besorgt und wütend angesichts der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Perspektive, die sich uns um uns herum präsentiert: die Korruption unter Politikern, Geschäftsleuten und Bankern macht uns hilf- als auch sprachlos. Und diese Situation ist mittlerweile zur Normalität geworden – tägliches Leid, ohne jegliche Hoffnung.

Doch wenn wir uns zusammentun, können wir das ändern. Es ist an der Zeit, Dinge zu verändern. Zeit, miteinander eine bessere Gesellschaft aufzubauen.

Deswegen treten wir eindringlich hierfür ein:

Gleichheit, Fortschritt, Solidarität, kulturelle Freiheit, Nachhaltigkeit und Entwicklung, sowie das Wohl und Glück der Menschen müssen als Prioritäten einer jeden modernen Gesellschaft gelten.

Es gibt Grundrechte, die unsere Gesellschaft gewähren muss: das Recht auf Wohnung, Arbeit, Kultur, Gesundheit, Bildung, politische Teilhabe, freie persönliche Entwicklung und das Recht auf Konsum von Gütern, die notwendig sind um ein gesundes und glückliches Leben zu führen.

In ihrem momentanen Zustand sorgen unsere Regierung und das Wirtschaftssystem nicht für diese Prioritäten, sondern stellen sogar auf vielerlei Weise ein Hindernis für menschlichen Fortschritt dar.

Die Demokratie gehört den Menschen (demos = Menschen, krátos = Regierung), wobei die Regierung aus jedem Einzelnen von uns besteht. Dennoch hört uns in Spanien der Großteil der Politiker überhaupt nicht zu. Politiker sollten unsere Stimmen in die Institutionen bringen, die politische Teilhabe von Bürgern mit Hilfe direkter Kommunikationskanäle erleichtern, um der gesamten Gesellschaft den größten Nutzen zu erbringen, sie sollten sich nicht auf unsere Kosten bereichern und deswegen vorankommen, sie sollten sich nicht nur um die Herrschaft der Wirtschaftsgroßmächte kümmern und diese durch ein Zweiparteiensystem erhalten, welches vom unerschütterlichen Akronym PP & PSOE angeführt wird.

Die Gier nach Macht und deren Beschränkung auf einige wenige Menschen bringt Ungleichheit, Spannung und Ungerechtigkeit mit sich, was wiederum zu Gewalt führt, die wir jedoch ablehnen. Das veraltete und unnatürliche Wirtschaftsmodell treibt die gesellschaftliche Maschinerie an, einer immerfort wachsenden Spirale gleich, die sich selbst vernichtet indem sie nur wenigen Menschen Reichtum bringt und den Rest in Armut stürzt. Bis zum völligen Kollaps.

Ziel und Absicht des derzeitigen Systems sind die Anhäufung von Geld, ohne dabei auf Wirtschaftlichkeit oder den Wohlstand der Gesellschaft zu achten. Ressourcen werden verschwendet, der Planet wird zerstört und Arbeitslosigkeit sowie Unzufriedenheit unter den Verbrauchern entsteht.

Die Bürger bilden das Getriebe dieser Maschinerie, welche nur dazu entwickelt wurde, um einer Minderheit zu Reichtum zu verhelfen, die sich nicht um unsere Bedürfnisse kümmert. Wir sind anonym, doch ohne uns würde dergleichen nicht existieren können, denn am Ende bewegen wir die Welt.

Wenn wir es als Gesellschaft lernen, unsere Zukunft nicht mehr einem abstrakten Wirtschaftssystem anzuvertrauen, das den meisten ohnehin keine Vorteile erbringt, können wir den Missbrauch abschaffen, unter dem wir alle leiden.

Wir brauchen eine ethische Revolution. Anstatt das Geld über Menschen zu stellen, sollten wir es wieder in unsere Dienste stellen. Wir sind Menschen, keine Produkte. Ich bin kein Produkt dessen, was ich kaufe, weshalb ich es kaufe oder von wem.

Im Sinne all dieser Punkte, empöre ich mich.
Ich glaube, dass ich etwas ändern kann.
Ich glaube, dass ich helfen kann.
Ich weiß, dass wir es gemeinsam schaffen können.

Geh mit uns auf die Straße. Es ist dein Recht.

Übersetzung: scharf-links.de

 

übernommen von http://www.redglobe.de/europa/spanien/4474-das-manifest-von-rdemocracia-real-yal-wahre-demokratie-jetzt

 

 

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M
<br /> <br /> das hätte ich mir natürlich denken müssen ;-)<br /> <br /> <br /> <br />
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M
<br /> <br /> Es ist doch nicht die Aufgabe unserer Medien, Demokratie und Kapitalismus infrage zu stellen! Insofern verstehe ich DIE WELT nur zu gut. Auch wenn mir das überhaupt nicht passt. Die werden den<br /> Teufel tun, die spanischen Protestler in ihrem berechtigten Aufbegehren gegen ein unmenschliches System zu unterstützen - am Ende müsste man ja zu dem Schluss kommen, dass es auch mit unserem<br /> System auf Dauer nicht so weiter gehen kann.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> Tunesien, Ägypten und so weiter, das waren gute Proteste, denn die Leute sind für Demokratie auf die Straße gegangen - was immer sie dafür halten. Am Ende werden sie Kapitalismus bekommen und<br /> sich die Augen reiben. Die Spanier haben doch eine Demokratie, wie auch die Griechen, und sie haben Kapitalismus. Das ist doch das, was gewollt ist. Wenn die Leute jetzt damit unzufrieden sind,<br /> weil sie halt die sind, die für die Krise zahlen müssen, dann ist das für die Leute natürlich blöd, aber irgendwer muss halt den Kopf hin halten - und solange das nicht die Deutschen sind, ist<br /> doch alles in Butter!<br /> <br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Die Klage über den Mangel an Begeisterung für die Proteste in Spanien war als ironischer Seitenhieb auf die Journaille gedacht. Ich wollte nebenbei sagen, dass diese Begeisterung für "Demokratie<br /> und Freiheit" offenbar ziemlich selektiv ist und sich damit die Medienpropaganda selbst entlarvt.<br /> <br /> <br /> <br />