Peter Gingold, Kommunist und Antifaschist
Das Rote Blog http://www.woschod.de/2011/10/21/peter-gingold-ein-judischer-antifaschist-und-kommunist/ erinnert in einem Eintrag von heute an Peter Gingold. Der Name wird vielen Lesern nichts sagen. Aber in einer anderen Republik als der heutigen, in einer deutschen demokratischen, in der wieder Geschichte gelehrt anstatt verdreht und verschwiegen wird, werden nach diesem Mann Strassen und Plätze benannt werden. Er gehört unauslöschlich zur Geschichte des antifaschistischen Widerstands, weshalb er auch in der BRD ausgegrenzt und benachteiligt worden ist.
Über Peter Gingolds Leben gibt es ein Buch. Woschod, der Betreiber von Das Rote Blog, hat zwei davon. Eins verlost er an seine Leser. Wer Interesse hat, klicke auf den obigen Link.
Hier der von Das Rote Blog gespiegelte Beitrag:
Peter Gingold, geboren am 8. März 1916, wuchs in einem jüdischen Elternhaus auf. In Frankfurt besuchte er die Jüdische Volksschule, begann 1930 eine kaufmännische Lehre in einer Musikgroßhandlung und trat in die Gewerkschaftsjugend des Allgemeinen freien Angestelltenbundes ein. 1931 wurde er im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands Mitglied. Bereits vor der Machtergreifung der Nazis traten die Jungkommunisten offensiv gegen die Hitlerjugend auf. In einer Diskussion konnten sie unter Redeführung von Emil Carlebach die jungen Faschistenanhänger regelrecht in Grund und Boden diskutieren.
Ab 1933 war Gingold im illegalen Widerstand tätig. Im Mai 1933 emigrierten seine Eltern und Geschwister nach Frankreich. Gingold, der noch in Deutschland verblieb, wurde im Juni bei einer Razzia der SA verhaftet und bekam nach mehreren Monaten Gefängnis die Anordnung, Deutschland zu verlassen.
Er emigrierte im Herbst 1933 nach Frankreich. Im Juni 1936 gründete er in Paris mit anderen jungen deutschen Antifaschisten die Freie Deutsche Jugend und lernte dort Ettie Stein-Haller, seine spätere Frau, kennen. 1937 trat er in die Kommunistische Partei Deutschlands ein. Im Januar 1940 heiratet er Ettie Stein-Haller und wurde im Mai als „deutschstämmiger Staatenloser“ von den Franzosen interniert.
Peter Gingold kehrte im Oktober nach Paris zurück und war im deutschen antifaschistischen Widerstand aktiv. Im Frühjahr 1941 gab er die Tätigkeit auf, da die Gestapo nach ihm fahndete. Er ging im April nach Dijon und wurde in der Travail allemand (TA), einer Gruppe in der Résistance, tätig. Im Juli 1942 wurden zwei seiner Geschwister in Paris verhaftet und in das KZ Auschwitz deportiert, dies lies Peter bis zu seinem Lebensende keine Ruhe finden. Im Februar 1943 wurde er in Dijon von der Gestapo verhaftet und mehrere Wochen lang verhört und gefoltert. Gingold wurde nach Paris überführt, dort gelang ihm im April die Flucht und nach ein paar Wochen war er wieder in der Résistance tätig. Im August 1944 beteiligte er sich am Aufstand zur Befreiung von Paris und ging als Frontbeauftragter des Nationalkomitees Freies Deutschland mit dem 1. Pariser Regiment nach Lothringen. Ende April war er als Frontbeauftragter bei den Partisanen in Norditalien und erlebte dort das Ende des Zweiten Weltkrieges.
Gingold kehrte im August 1945 nach Frankfurt am Main zurück und wurde wieder zusammen mit seiner Frau Ettie in der KPD aktiv. Er wurde Mitglied des Sekretariats der hessischen KPD.
Seit der Gründung der DKP 1968 war er dort Mitglied und übernahm wichtige Funktionen. Er lebte bis zu seinem Tod in Frankfurt am Main und war unter anderem politisch aktiv in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN/BdA), im Verband Deutscher in der Résistance (DRAFD) und im Auschwitzkomitee. Er war als Zeitzeuge bei den verschiedensten Gelegenheiten und Veranstaltungen in ganz Deutschland aktiv.
Die Familie Gingold spürte nach 1945 schnell wieder die Diskriminierung politisch antifaschistisch und kommunistisch denkender Menschen in Westdeutschland. Ihnen wurde die deutsche Staatsbürgerschaft verweigert, da die entsprechenden Papiere fehlten, und sie galten als staatenlos. Trotz der Zustimmung untergeordneter Organe lehnte Hans-Dietrich Genscher eine Einbürgerung ab. Die führte zu einer großen Protestwelle in Deutschland und auch aus dem Ausland, insbesondere Frankreich. Dieser Kampf dauerte fast 20 Jahre. Auch seine Tochter Silvia Gingold wurde als DKP-Mitglied politisch verfolgt und mit Berufsverbot belegt. Dies mit dem Argument, als DKP-Mitglied könne sie ja eventuell in der Zukunft gegen die deutsche Verfassung verstoßen.
Am 12. Dezember 2004 wurde Peter Gingold in Berlin gemeinsam mit Esther Bejarano, Percy MacLean und Martin Löwenberg von der Internationalen Liga für Menschenrechte die Carl-von-Ossietzky-Medaille verliehen.
Peter Gingold starb am 29. Oktober 2006.
(Teile dieses Textes stammen aus Wikipedia, Version vom 21.10.2012)
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